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Bob Beamon wird 65
Jahrhundertsprung brachte ihm kein Glück
Bob Beamon wird 65: Jahrhundertsprung brachte ihm kein Glück
Bob Beamon 1968 bei seinem Weltrekordsprung. FOTO: RPO
Daegu (RPO). 1968 stellte Bob Beamon bei den Olympischen Spielen in Mexiko einen Weitsprung-Weltrekord auf, den damals niemand so recht begreifen konnte. Erst 23 Jahre später übertraf Mike Powell jene legendären 8,90 m.

Für Zeitzeugen, die vor fast 43 Jahren Bob Beamons "Jahrhundertsprung" erlebten, ist es bis heute die größte Leistung der Sportgeschichte. Das für alle Unfassbare vollzog sich am 18. Oktober 1968, als der Weitsprung-Weltrekord noch bei 8,35 m stand und der damals 22 Jahre alte Amerikaner bei Olympia in Mexiko City das Finale mit jenem legendären Quantensprung eröffnete. Keiner konnte die 8,90 m des Amerikaners begreifen. Am Montag wird Bob Beamon 65 Jahre alt.

"Er flog unglaublich hoch hinaus", erinnert sich Klaus Beer, der sich damals an der Anlaufmarke gerade den Trainingsanzug auszog und am Ende mit 8,19 m Silber gewann. "Als ein Raunen durch die Zuschauer ging, war mir klar, dass da was Großes passiert war. Es war ein gewaltiges Erlebnis", erzählt der Berliner.

Tränen beim Weltrekordsprung

Beamon, mit lächerlich anmutenden 7,65 m gerade noch in den Endkampf eingezogen, hatte bei seinem Sonntagssprung alle positiven Faktoren auf seiner Seite. Er war in der Form seines Lebens, profitierte von Mexikos leistungsfördernder Höhenlage (2240 m) und der damals neuartigen Tartanbahn, hatte einen optimalen Anlauf und Absprung und vor dem heraufziehenden Gewitterregen ein Höchstmaß an zulässigem Rückenwind (2,00 m/Sekunde).

Als Beamon (vorherige Bestleistung 8,33 m) weit hinter der Messanlage landete, liefen die Kampfrichter wie ein aufgescheuchter Hühnerhaufen umher. Immer wieder wurde nachgemessen. 65.000 im Stadion warteten fieberhaft auf die Weitenanzeige. Als dann endlich jene unglaublichen 8,90 m an der Tafel standen, jagte ein wilder Aufschrei durch die Arena.

Der Hallen-Weltrekordler (8,30) konnte seine Leistung erst fassen, als ihm das Metrische ins amerikanische Messsystem übersetzt wurde: 29 Feet und zweieinhalb Inches! Beamon warf sich zu Boden, schlug die Hände vors Gesicht, verfiel in einen Weinkrampf.

Zweifler können die Weite bis heute nicht so recht glauben. Anhand von Fernsehbildern wurde angeblich nachgewiesen, dass der Sprung bestenfalls 8,54 m weit gewesen sein könnte. Andere wiederum stellten fest: Wäre Beamon nicht so dilettantisch gelandet, wären sogar 9,10 m gemessen worden.

"Menschen wollen die Steigerung"

Kein Geringerer als Jesse Owens, viermaliger Olympiasieger von Berlin 1936, prägte damals den Spruch vom "Sprung ins nächste Jahrhundert." Der Mann, der den Weitsprung-Weltrekord (8,13 m) vom 25. Mai 1935 bis 13. August 1960 hielt, also länger als Beamons Bestmarke bestehen sollte, meinte damals: "Es gehört große moralische Widerstandskraft dazu, einen solchen Rekord zu ertragen. Die Menschen wollen die Steigerung."

Beamon, als Waisenjunge in Queens/New York aufgewachsen, dann Hilfsschüler und Mitglied jugendlicher Schlägerbanden, bekannte zwei Jahre nach dem Wahnsinnssprung, dass ihn die Bürde des Rekordes fast erdrücke: "Es ist, als ob ich keine Luft mehr bekäme. Der Rekord macht mich fertig."

Mehrmals erklärte er seinen Rücktritt, wurde Basketball-Profi bei den berühmten Harlem Globetrotters, scheiterte 1972 beim Comeback (6,96 m), unterschrieb 1973 einen Jahresvertrag bei einer wenig später gestrandeten Profitruppe, war als gelernter Schneider dann Sozialarbeiter, leitete eine Diskotheken-Kette und Trainingszentren und kehrte 1979 für ein Talentsucheprogramm nach Mexiko zurück.

2004 war Bob Beamon in Athen Berater der US-Olympiamannschaft. Er startete viele Projekte und führte nichts erfolgreich zu Ende. Zwischenzeitlich brachte er es zum Bungalow in San Diego, doch reich wurde er nie.

Glücklich auch nicht, Beamon trat nicht weniger als viermal vor den Traualtar. Heute ist er ein kranker Mann, leidet an Diabetes und Bluthochdruck. Er sagte vor dem ersten Krankenhausaufenthalt: "Als ich die Diagnose erhielt, war ich geschockt. Ich konnte nicht glauben, dass ein so aktiver Mann Diabetes haben kann."

Den Rekord verlor Beamon nach knapp 23 Jahren. Am 30. August 1991 wurde Mike Powell in Tokio mit 8,95 m Weltmeister vor Carl Lewis, der stark windbegünstigt 8,91 m sprang. Mit der lange unangetasteten "Jahrhundertweite" wäre Beamon damals immerhin noch Bronze geblieben.

Quelle: SID/rüb
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