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Klimke gewinnt in Luhmühlen
Vielseitigkeitsreiter atmen ein Jahr nach Tragödie auf

Luhmühlen: Vielseitigkeitsreiter atmen ein Jahr nach Tragödie auf
Ingrid Klimke siege beim Klassiker in Luhmühlen. FOTO: dpa, phs nic
Luhmühlen. Die Erschütterung über den Tod von Benjamin Winter vor einem Jahr ist in Luhmühlen noch immer spürbar. Dagegen groß das Aufatmen, dass im Gelände diesmal nichts passiert ist. Und Ingrid Klimke darf sich ungetrübt über den ersten Sieg bei dem Klassiker freuen.

Die Sieger standen schon vor dem Finale fest. Die Erleichterung über den reibungslosen Verlauf des Gelände-Tages beim Vielseitigkeits-Klassiker in Luhmühlen war ein Jahr nach dem Tod von Benjamin Winter bei allen spürbar. Keine spektakulären Stürze, keine verletzten Reiter, keine verletzten Pferde - das Turnier in der Lüneburger Heide lieferte am Samstag die Bilder, die es selbst - und das Vielseitigkeitsreiten insgesamt - für einen dringend benötigten Imagegewinn brauchten.

"Nach harten Jahren haben wir Luhmühlen wieder ein Lächeln ins Gesicht gezaubert", sagte Parcourschef Mark Phillips. Nicht nur der Brite wusste allzu gut, dass die Wiederholung einer solchen Tragödie wie 2014 das Turnier und möglicherweise den pferdesportlichen Dreikampf generell in Deutschland infrage gestellt hätte. "So einen Gelände-Tag hat nicht nur der Veranstalter, sondern auch der Sport gebraucht", stellte Sportchef Dennis Peiler von der Deutschen Reiterlichen Vereinigung (FN) fest.

So konnten sich am Sonntag beim abschließenden Springen die erfolgsverwöhnten deutschen Reiter für ihre Erfolge ungetrübt selbst feiern. Mit einem souveränen Nullfehler-Ritt sicherte sich die zweimalige Team-Olympiasiegerin Ingrid Klimke im Finale erstmals den Sieg in der Vier-Sterne-Prüfung des Klassikers. Die 47-Jährige aus Münster verteidigte ihre Führung nach der Dressur und dem Gelände mit nur 0,1 Strafpunkten Vorsprung auf die Neuseeländerin Jonelle Price auf Faerie Dianimo. Dritter wurde Doppel-Olympiasieger Michael Jung aus Horb mit seinem Ausnahmepferd Sam.

Benjamin Winter stirbt nach Sturz im Gelände FOTO: dpa, phs nic

Dass die tragischen Geschehnisse 2014 noch immer das Turnier überschatteten, räumte auch Bundestrainer Hans Melzer ein. "Da waren viele Emotionen dabei", sagte der Coach, der in unmittelbarer Nähe zu der Turnier-Anlage in Luhmühlen lebt.

Die Veranstalter und der Verband hatten nach dem tödlichen Sturz des 25-jährigen Benjamin Winter im Vorjahr viel getan. In der schon seit 2013 eingerichteten Task Force bei der FN wurden die Sicherheits-Diskussionen intensiviert.

Neue Kurse in Luhmühlen waren zwar schon vor Winters Unfall für dieses Jahr eingeplant gewesen. Doch jetzt flossen erste Ergebnisse aus der Task Force bei den Planungen ein. Es wurde verstärkt darauf geachtet, die Hindernisse so zu positionieren, dass die Reiter das Tempo vor den Sprüngen reduzieren mussten. Weitere Sicherheitselemente an den Sprüngen, die bei starker Berührung zu einem Abklappen der Hindernisse führen, wurden angebracht.

Zudem wurden die Sprünge im Profil angeschrägt und optisch so gestaltet, dass die Pferde die Aufgabe besser erkennen können. Beispielweise durch gute farbliche Kontraste oder Sprinkleranlagen an den Wasserhindernissen.

Die Bilanz in diesem Jahr: Auf der 6365 Meter langen Vier-Sterne-Strecke mit ihren 45 Sprüngen kamen von den 35 Startern 13 ohne Fehler ins Ziel, neun Reiter gaben auf, zwei schieden aus. Auf dem knapp 3000 Meter kürzeren Drei-Sterne-Parcours mit 33 Sprüngen schafften drei Paare jeweils eine Nullrunde, zwei der 27 Teilnehmer beendeten freiwillig vorzeitig ihre Ritte.

Doch bei allen positiven Aspekte warnte FN-Sportchef Peiler: "Ein Risiko bleibt immer." Die Diskussionen um die Sicherheit gehen weiter. Das Vielseitigkeitsreiten steht weiter unter Beobachtung einer kritischen Öffentlichkeit.

(dpa)
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