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Olympia-Turnheld Andreas Toba im Interview
"Ich bin nicht so ein Typ wie Donald Trump"

Olympia-Turner Andreas Toba im Interview
Andreas Toba in Aktion bei Olympia in Rio. FOTO: dpa, hpl
Cluj-Napoca. Held oder Pechvogel? Oder beides? Acht Monate nach seinem spektakulären Auftritt bei Olympia in Rio muss Andreas Toba wieder das Krankenbett hüten. Nach seiner dritten Knie-Operation kann er den Auftritt der deutschen Turner bei der EM nur via TV verfolgen.

Andreas Toba will endlich wieder angreifen. Die lange Zeit im Krankenhaus nach insgesamt drei Knie-Operationen nervt ihn. Besonders hart trifft den 26-jährige Turner, dass er die am Mittwoch beginnenden Europameisterschaften im Heimatland seiner Eltern nicht als Aktiver erleben darf. Sein Vater Marius Toba startete 1988 bei Olympia in Seoul noch für Rumänien und erkämpfte nach dem Wechsel der Staatsbürgerschaft auch Medaillen für Deutschland.

Wie bitter ist es, wenn die Teamgefährten auf dem Weg zur EM sind und Sie selbst im Krankenhaus das Bett hüten müssen?

Toba Das ist vor allem langweilig. Und die Langeweile bringt einen schon ein bisschen ins Grübeln. Ich freue mich schon sehr darauf, dass ich irgendwann wieder in der Halle bin. Das wichtigste Ziel ist es zunächst, dass die Gesundheit wieder in Ordnung kommt und ich fit werde. Alles andere kommt danach.

Die Kreuzband-Operation nach Olympia hatten Sie ja gut verkraftet, warum mussten Sie nun schon zum zweiten Mal am Meniskus operiert werden?

Toba Das Knie ist nach der ersten Operation am Meniskus immer wieder dick geworden. Bei der Arthroskopie mussten Entzündungskeime entfernt werden.

Wie gehen Sie mit der schwierigen Situation um?

Toba An meinen Zielen hat sich nichts geändert. Ich habe immer gesagt, ein Comeback bei den deutschen Meisterschaften im Rahmen des Turnfests im Juni wäre schön. Diese Chance ist auf ein Minimum gesunken. Ich muss jetzt sehen, wann ich wieder mit der Reha beginnen und ein normales Krafttraining starten darf. Einen Monat Vorbereitung auf einen Wettkampf ist eine sehr knappe Kiste. Ich müsste also spätestens Anfang Mai anfangen, für die Deutschen zu trainieren, dann wäre ein Start in Berlin noch denkbar.

Wie wichtig wäre Ihnen ein Start beim Turnfest zehn Monate nach dem Kreuzbandriss in Rio?

Toba Turnfest ist immer geil. Es wäre cool - ein sehr schöner Wettkampf. Aber es ist keine wichtige Qualifikation. Ich muss die Kirche im Dorf lassen und sehen, ob die Leistung stimmt und ein Start Sinn macht.

Am Mittwoch treten Ihre Teamgefährten zur Qualifikation bei der EM in Rumänien an. Welche Gedanken gehen Ihnen dabei durch Kopf?

Toba Mein Traum war es, im Heimatland meiner Eltern bei der EM zu starten. Es tut schon weh, dass es nun nicht klappt. Jetzt werde ich die Wettkämpfe im rumänischen Fernsehen verfolgen und den Jungs die Daumen drücken.

Was trauen Sie den deutschen Turnern zu?

Toba Für Marcel Nguyen und Lukas Dauser sind Plätze im Barren-Finale drin. Beide haben mit ihren Ausgangswerten keine schlechten Karten. Was Ivan Rittschik als Spezialist am Pferd zu leisten in der Lage ist, weiß ich nicht exakt einzuschätzen. Aber auch zwei Plätze im Mehrkampf-Finale sollten für die Jungs drin sein.

Wie oft denken Sie noch an die Minuten in Rio zurück, in denen Sie zum "Hero de Janeiro" avancierten, als Sie mit Knie-Schmerzen nach dem Kreuzbandriss am Pauschenpferd weiter turnten?

Toba Ja, da denke ich noch oft zurück. Und es scheint mir bis heute alles irreal. Mein Ziel war es immer, im Turnen Erfolge zu erkämpfen und nicht für so eine, für mich selbstverständliche Handlung so gefeiert zu werden. Ich bin nicht so ein Typ wie Donald Trump, der immer sagt: "America first". Ich bin ein Teamplayer, denke immer erst an die anderen. Man empfindet dies heute als ungewöhnlich, weil es in der Gesellschaft nicht mehr überall so üblich ist.

Hat Sie Cheftrainer Andreas Hirsch in Rio ermuntert, trotz der Schmerzen weiter zu turnen?

Toba Nein, das habe ich selbst entschieden. Aber er hat gesagt:
Wenn du jetzt weitermachen willst, dann hör auf zu heulen und konzentriere Dich. Das war genau die richtige Ansage, die habe ich in diesem Moment gebraucht.

Danach gab es Ehrungen und Fernsehauftritte in nie gekanntem Ausmaß. Was ist Ihnen emotional am stärksten in Erinnerung geblieben?

Toba Der Auftritt im Bundestag, das war der Hammer. Es war immer ein Traum von mir, dieses Gebäude mal kennenzulernen. Ich bin an Politik interessiert und habe in der Schule auch den entsprechenden Leistungskurs belegt. Die hohe Würdigung und die Standing Ovations der Abgeordneten im voll besetzten Saal, werde ich nie vergessen.

(dpa)
 
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