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Reit-WM
Pferd stirbt bei Distanzritt vor Mont-Saint-Michel

Reit-WM: Pferd stirbt bei Distanzritt vor Mont-Saint-Michel
Ein Pferd wird nach dem Distanzritt mit Wasser abgekühlt. Ein Tier kam bei dem Rennen ums Leben. FOTO: dpa, ve nic
Santilly. Ein totes Pferd, zwei Reiter im Krankenhaus - eigentlich sollte das Distanzreiten zu einem Höhepunkt der Weltreiterspiele in der Normandie werden. Doch der Tagesritt über 160 Kilometer mit dem weltberühmten Kloster Mont-Saint-Michel als Blickfang endete in einer Tragödie.

Das seit Tagen trostlose Wetter hatte die Piste vor allem für die weniger geübten Starter zur großen Herausforderung gemacht. "Die Strecke war eh schwierig. Durch den Dauerregen und den Matsch wurde alles noch tückischer", sagte FN-Geschäftsführer Soenke Lauterbach, der schon früh morgens genau wie 173 Paare am Start dabei gewesen war.

Für die Reiterin Claudia Romero Chacon aus Costa Rica war die Prüfung zu anspruchsvoll. Die 37-Jährige stürzte am ersten Wendepunkt und musste in die Klinik gebracht werden. Ihr Wallach Dorado war in einem Waldgebiet gegen einen Baum gestoßen und erlag seinen schweren Kopfverletzungen. Zudem zog sich der Reiter Isha Judo (Uruguay) bei einem Sturz mit seinem Pferd JQ Zarial einen Beinbruch zu.

"Das ist natürlich bitter und sollte eigentlich nicht passieren", sagte Lauterbach. Die Veranstalter reagierten und machten das Rennen langsamer, indem sie die zugelassene Minimalgeschwindigkeit von 15 auf 14 Kilometer pro Stunde reduzierten. Fünfmal müssen sich die Pferde auf der langen Strecke bei Stopps untersuchen lassen. Bei auffälligen Pulswerten und Lahmheiten werden sie sofort aus dem Rennen genommen.

Auch im Lager der deutschen Vielseitigkeitsreiter drückte der Todesfall auf die gute Stimmung, nachdem Michael Jung (Horb/40,7) im Sattel von Rocana und Ingrid Klimke (Münster/41,2) mit Escada das Team am ersten Tag der Dressur in die Goldspur geführt hatten. "Das war ein Auftakt nach Maß", sagte Bundestrainer Hans Melzer. "Michi ist geritten wie ein Weltmeister. Das war eine tolle Dressur. Ich habe keinen Fehler gesehen. Auch Ingrid hat es sehr gut gemacht", sagte Melzer.

Am Freitag wird das WM-Programm im 70 Kilometer südlich von Caen gelegenen Haras du Pin mit dem zweiten Teil der Dressur fortgesetzt. Dann gehen die Olympiasieger Sandra Auffarth (Ganderkesee) mit Opgun Louvo und Dirk Scharde (Sprockhövel) mit Hop and Skip ins Viereck.

Beim Distanzreiten indes war die schlechte Organisation zudem ein Ärgernis für viele Besucher und Journalisten, die sich an der Strecke gute Plätze sichern wollten. Der Shuttle-Verkehr klappte nicht wie angekündigt, überall fehlte es an nötigen Informationen zu Zuschauerbereichen. "Zu den Herausforderungen dieser Spiele gehört es, dass der Transport schwierig ist und die Helfer oft nicht Bescheid wissen. Normalerweise legt sich so etwas nach ein, zwei Tagen. Hier aber nicht", meinte Lauterbach.

Durch die WM hat das eh schon angeschlagene Image des Distanzreiten weitere Kratzer abbekommen. Die vor allem im arabischen Raum populäre Disziplin steht schon seit Jahren wegen der Belastung für Ross und Reiter in der Kritik. Ausgerechnet Scheich Mohammed al Maktoum, Ehemann von Reitsport-Weltverbands-Präsidentin Haya, hatte in den letzten Jahren das Ansehen noch weiter ramponiert.

Der mächtige Emir von Dubai ist selbst Distanzreiter, im Umgang mit seinen Pferden soll er aber nicht vor verbotenen Medikationen zurückschrecken. Rund 20 Dopingfälle gehen angeblich auf das Konto des Premierministers der Vereinigten Arabischen Emirate - auch deshalb will oder muss Prinzessin Haya im Winter auf eine erneute Kandidatur als Reiter-Präsidentin verzichten.

(sid)
 
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