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Heimschlappe für deutsche Springreiter
Beerbaum hält Brandrede: "Es muss ein Ruck durch uns gehen"

Springreiten: Ludger Beerbaum nimmt Deutschland in die Pflicht
Ludger Beerbaum hat die deutschen Springreiter nach Platz drei beim Nationenpreis in Deutschland in die Pflicht genommen. FOTO: dpa, ua nic
Der verpasste Mannschaftssieg beim 100. Nationenpreis von Deutschland ärgerte Ludger Beerbaum gewaltig. Deutschlands erfolgreichster Reiter nahm seine Mitstreiter in die Pflicht.

Ludger Beerbaum hatte endgültig genug. Nach einer neuerlichen Heimschlappe der deutschen Equipe schlug der beste Springreiter der Republik mit einer Brandrede Alarm. "Es muss endlich ein Ruck durch uns alle gehen. Wir müssen es wieder richtig wollen, ganz vorne zu stehen", forderte der viermalige Olympiasieger nach dem dritten Platz beim 100. Nationenpreis in Mannheim und schimpfte weiter: "Ich weiß nicht, zum wievielten Mal wir das jetzt schon wieder nicht geschafft haben."

2008 hatten die so erfolgsverwöhnten Reiter zum letzten Mal bei einem Mannschaftswettbewerb vor heimischer Kulisse ganz oben auf dem Podest gestanden. Für den Jubiläumswettbewerb hatten sich alle Beteiligten im Vorfeld auch die Beendigung der frustrierenden Durststrecke vorgenommen.

Tatsächlich waren die Lokalmatadoren in Mannheim auch ganz nah dran am ersehnten Heimsieg. Im Stechen aber patzte Christian Ahlmann mit einem Abwurf, so dass die USA vor den ebenfalls fehlerfreien Belgiern siegten.

"Wir sagen immer: Knapp daneben ist auch vorbei", meinte Beerbaum, der in der Kurpfalz seinen 128. Nationenpreis ritt. Der vermeintlich ordentliche dritte Rang konnte den Routinier denn auch nicht täuschen: "Wir waren nach dem ersten Umlauf nicht vorne, nach dem zweiten nicht und auch nach dem Stechen nicht. Wir waren einfach nie vorne."

Der Olympiasieger hatte kurz nach dem Krimi aber "auch keine Lösung" parat. Mit Blick auf die bevorstehende EM in Aachen (11. bis 23. August) warnte der 51 Jahre alte Riesenbecker aber davor zu glauben, "dass dann schon alles gut gehen wird". Bei ihm selbst jedenfalls lief es immerhin nach Plan. Zwei fehlerfreie Ritte zauberte Beerbaum auf seiner Stute Chiara in den Parcours.

Wie Beerbaum dachte auch der in den ersten beiden Umläufen ebenfalls überzeugende Ex-Europameister Ahlmann schon an die EM. "Wir waren gut, aber nicht gut genug. Das ist schon ein bisschen enttäuschend. Ich hoffe, dass wir es bei der EM hinbringen werden", sagte der 40-Jährige.

Mit ihrer Kritik widersprachen Beerbaum und Ahlmann, die für den Saisonhöhepunkt in Aachen neben dem in Mannheim nicht nominierten Weltranglistenzweiten Daniel Deußer gesetzt sein dürften, ihrem Coach deutlich. Otto Becker sagte zwar, "dass wir den Sack vielleicht schon im zweiten Umlauf zumachen konnten, vielleicht auch mussten". Der frühere Weltklasse-Reiter, der weiter auf seinen ersten Heimsieg als Chef d'Equipe warten muss, nahm aber dennoch "eine sehr gute Leistung" seiner "hervorragenden Paare" wahr.

Wahrscheinlich wusste Becker die Leistung einfach richtig einzuordnen, denn von den in Mannheim schwächelnden Kandidaten Meredith Michaels-Beerbaum und Hans-Dieter Dreher wird ohnehin nur einer bei der EM dabei sein. "Ich habe wichtige Erkenntnisse sammeln können", sagte Becker ohne Nennung von Details: "Dann könnte ich ja auch gleich die Nominierung verkünden."

Das will Becker aber erst Anfang August machen, wenn seine Reiter im englischen Hickstead ein letztes Mal vor der EM satteln werden. Mit einem Sieg bei der EM-Generalprobe wäre auch sicherlich Beerbaum wieder positiv gestimmt.

(sid)
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