| 13.25 Uhr

Gladbach gegen Köln
So sieht gesunde Rivalität aus

Fotos: Fans protestieren beim Derby gegen DFB
Fotos: Fans protestieren beim Derby gegen DFB FOTO: Dirk Päffgen
Meinung | Mönchengladbach. Die Gewalt-Epoche rund um das rheinische Derby ist zum Glück vorbei. Gladbacher und Kölner zeigten am Sonntag und auch im Vorfeld des Spiels, wie eine innige, aber gesunde Rivalität im Fußball aussehen kann. Von Jannik Sorgatz

Die "dritte Halbzeit" fand allein auf den Rängen und rein akustisch statt. "Europapokaaal!", sangen die Kölner Fans trotz der Derby-Niederlage ihrer Mannschaft. Und wenn sich die Borussen kurz ins Jahr 2012 zurückversetzten, dann konnten sie es ihren Rivalen kaum übel nehmen, dass die Vorfreude auf das bevorstehende internationale Abenteuer den Schmerz über die verdiente Pleite am ersten Bundesliga-Spieltag linderte. Unterm Strich konnte sich die Gladbacher Nordkurve im Sangeswettstreit genauso durchsetzen wie zuvor die Mannschaft auf dem Platz. "Die Nummer eins am Rhein sind wir!" und "In Europa kennt euch keine Sau!" standen auf der Playlist. In diesem Fall hieß es also: 2:1 statt 1:0.

Man könnte weitermachen mit den intensiven Derby-Momenten in fast 97 Spielminuten. Da verdiente sich Denis Zakaria mit einer heftigen Grätsche den Spitznamen "Xhakaria", da musste Matthias Ginter nach Jhon Córdobas harten Foul erst einmal am Boden verschnaufen, und da wurde in der Nachspielzeit an der Eckfahne gerungen, als gehe es um die Olympia-Qualifikation.

Es dauert also bei der Gesamtbetrachtung des Sonntags eine Weile, bis es um Themen geht, die in früheren Jahren die Derby-Berichterstattung dominiert haben. Im Februar 2015 stürmten Kölner Ultras in Maleranzügen den Platz, dann gab es zwei Duelle mit reduziertem Gästekontingent, die weitgehend friedlich verliefen, aber eben den faden Beigeschmack hatten, von dem beide Fanlager heute deutlich sagen: Nie mehr! Doch war wohl gerade diese Grenzerfahrung in gewisser Weise heilsam.

Die Saison 2016/2017 brachte bereits zwei Derbys, die anschließend mit einem "So soll es sein!" bewertet wurden. Am Sonntag zog die Polizei aus Mönchengladbach Bilanz: "Ein Verstoß gegen das Betäubungsmittelgesetz (Mitführen einer geringen Menge Betäubungsmittel), eine Körperverletzung, ein Widerstand gegen Polizeivollzugsbeamte, sowie fünf Verfahren gegen Unbekannt wegen des Einsetzens oder Mitführens von Pyrotechnik". Die Einordnung wurde gleich mitgeliefert: "Diese Bilanz entspricht den Ereignissen einer üblichen Bundesligabegegnung."

Alles, was sich kritisieren lässt, hatte keinen derbyspezifischen Hintergrund, sondern passiert ab und zu genauso, wenn Hannover in Gladbach zu Gast ist oder Gladbach nach Mainz fährt: Pyrotechnik im Block oder Sachbeschädigung im Entlastungszug. Absolut unnötig ist das nach wie vor, erreicht auf der Empörungsskala von 0 bis 10 aber allenfalls eine 3,1. Kein Grund, von der grundsätzlichen Bewertung "Es geht doch!" abzuweichen.

Fanvertreter beider Vereine haben in diesem Jahr wichtige Zeichen gesetzt, indem sie im Frühjahr erst in Köln und in der vergangenen Woche nun in Gladbach zusammenkamen. "Es geht nicht darum, sich gegenseitig in den Armen zu liegen, aber es muss eine gesunde Rivalität sein, die es möglich macht, sich auf die Spiele zu freuen", hatte Thomas Ludwig, der Vorsitzende des FPMG Supporters Clubs, vorab im Interview mit unserer Redaktion gesagt. Schon vor dem nächsten Rheinischen Derby Mitte Januar lässt sich sagen: Man kann sich drauf freuen.

Vereint waren die Rivalen am Sonntag in ihrem Protest gegen den DFB. Die Aufforderung an den Fußballbund zum Geschlechtsverkehr mit sich selbst ist natürlich nicht gerade gewitzt formuliert und reich an Argumenten. Aber ein vorbildliches Derby ist eben nicht gleich ein perfektes – was wiederum für beide Seite galt. Denn ein Wasserwerfer vor dem Gästeblock fügte sich eher in die überzogene Kriegsrhetorik in diesem Konflikt.

Dass einem "So kann es weitergehen!" nur die Kölner Fans und dann auch nur aus sportlichen Gründen widersprechen werden, ist nach einer martialischen Derby-Epoche von 2007 bis 2015 ein Riesenfortschritt.

 
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