| 14.43 Uhr

Borussia Mönchengladbach
Fünf nach oben, fünf nach unten

Einzelkritik: Vestergaard bester Feldspieler, Herrmann unsicher
Einzelkritik: Vestergaard bester Feldspieler, Herrmann unsicher FOTO: afp
Offensiv fehlte den Borussen gegen den FC Bayern die Substanz, um den Rekordmeister ernsthaft zu gefährden. Doch die Basics wie Laufbereitschaft und Moral machen Dieter Hecking Mut, dass Gladbach nicht mehr unten reinrutscht. Von Jannik Sorgatz

Ein paar Ausfälle zu viel

In Hamburg hatten noch 36 Pflichtspieltore gefehlt, gegen Schalke 24 und gegen die Bayern wieder 30, wobei Dieter Hecking immerhin zehn davon einwechseln konnte, weil Thorgan Hazard überraschend wieder im Kader gestanden hatte. Borussia ist in den vergangenen beiden Bundesligaspielen mit Offensivreihen aufgelaufen, die so wohl nicht mehr zusammenspielen werden. Beim 1:2 gegen den HSV war Mo Dahoud nach vorne auf die Zehn gerückt, Josip Drmic spielte im Sturmzentrum, Patrick Herrmann und Jonas Hofmann auf den Außenbahnen. Gegen die Bayern, beim 0:1, setzte Hecking nun auf das Sturmduo Raffael und Hofmann, rechts agierte Herrmann und links André Hahn bei seinem ersten Startelfeinsatz seit vier Wochen. Man muss an der Personalie nicht festmachen, wie dünn Borussia am Sonntag offensiv besetzt war, aber man kann. Wobei Hahn in einer der aussichtsreichsten Szenen bei einem Konter von Hofmann ignoriert wurde. Da konnte er nun gar nichts für.

Die Zahl auf dem Tacho ist ein Mutmacher

Die Laufleistung lag knapp über dem Durchschnitt. Was dürftig klingt, ist bei Borussia jedoch Woche für Woche bemerkenswert – weil der Schnitt unter Hecking derart gestiegen ist. Bei 118,8 Kilometern liegt er nach neun Bundesligaspielen im Jahr 2017, 120,4 Kilometer lief Gladbach gegen Bayern, das waren 8,2 mehr als der Gegner. Doch es ist nicht von der Hand zu weisen, dass dabei auch viel Hinterher- und Festlaufen war. Die Bayern sind schließlich laut Statistik eines der lauffaulsten Teams der Liga, was sie allerdings nicht daran hindert, die Tabelle mit 13 Punkten Vorsprung anzuführen. Trotzdem gilt mit Blick auf Borussia: Die Zahl auf dem Tacho ist ein Mutmacher. "Die Mannschaft hat eine unwahrscheinliche Moral", sagte Hecking. "Das ist es, worauf wir in den kommenden Wochen setzen, die genauso anstrengend bleiben."

Hochgerechnet winken noch 16 Punkte

Die englischsten Wochen der Vereinsgeschichte mit 13 Spielen in 44 Tagen sind vorbei. Trotz des enttäuschenden Endspurts – zwei Niederlagen in der Liga, zwei Unentschieden in Europa – ist die Bilanz sehr gut. Sieben Siege, zwei Unentschieden und vier Niederlagen bedeuten 23 Punkte, wenn man die Pokalwettbewerbe mitzählt, und das bei sieben Auswärtsspielen (von denen nur eins verloren ging). Hochgerechnet könnte Gladbach also mit weiteren 16 Punkten in der Liga rechnen – zur Einstelligkeit sollte das reichen, wobei das genaue Schicksal auch davon abhängt, gegen wen die Punkte eingefahren werden.

Seit zwölf Jahren keine Klatsche

Um den Bayern ähnlich große Probleme zu bereiten wie in den vergangenen Jahren, fehlte Borussia am Ende der englischen Wochen und angesichts der Verletzungsprobleme die Substanz. Trotzdem war ein Punkt bis zum Abpfiff drin. Erst zum fünften Mal seit 1987 haben die Bayern ein Bundesligaspiel in Gladbach gewonnen, drei davon in den vergangenen vier Jahren. Während der HSV sich zuletzt mehrmals der Zweistelligkeit genähert hat, ist Borussia seit August 2005 klatschenfrei gegen den Rekordmeister – und damals fielen zwei der drei Tore in den Schlussminuten. "Vielleicht sieht man sich ja nochmal wieder", sagte Hecking mit Blick auf ein mögliches Pokalfinale gegen die Bayern – und hatte gute Gründe, zuversichtlich zu gucken.

Grenzgänger unter sich

Das größte Mittelfeld seit Einführung der Drei-Punkte-Regel, der größte Abstiegskampf bzw. der größte Kampf um Europa – je nach Sichtweise – hat sich am Wochenende geradezu entzerrt. Zehn Punkte beträgt der Abstand zwischen dem Sechsten und 16., zuvor waren es neun. Im Schnitt liegen diese beiden Plätze nach 25 Spieltagen gut 14 Punkte auseinander, nur dreimal (1998, 2006, 2007) waren es weniger als die aktuellen zehn. Borussia liegt punktemäßig genau zwischen Gut und Böse, fünf sind es nach oben, fünf nach unten. Passenderweise treffen der 1. FC Köln und der Hamburger SV, die beiden Grenzteams des Pulks, am kommenden Spieltag aufeinander. Borussia muss zur Eintracht nach Frankfurt und könnte wichtige Punkte holen, um wieder mehr nach oben zu schauen.

 
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