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Borussia Mönchengladbach
Ginters Ziel ist wieder Berlin

Essen - Gladbach: Einzelkritik
Essen - Gladbach: Einzelkritik FOTO: dpa, gki gfh
Der neue Abwehrmann hat schon dreimal im Pokalfinale gestanden. Dorthin soll auch sein Weg mit Borussia führen. Nach seinem Pflichtspieldebüt und dem 2:1-Sieg gegen Viertligist Rot-Weiss Essen sieht er aber Steigerungsmöglichkeiten. Von Georg Amend

Bei seinem Debüt musste der neue Gladbacher Pokalexperte einige Zeit bangen, ob die Saison im DFB-Pokal noch etwas weitergeht für hn und Borussia. 50 Spielminuten war Matthias Ginter mit seinem neuen Team einem Rückstand hinterhergelaufen nach Benjamin Baiers Tor zum 1:0 in der 29. Minute für Rot-Weiss Essen, am Ende langte es nach späten Treffern von Jonas Hofmann (79.) und Raffael (82.) zu einem 2:1-Sieg und dem Einzug in die nächste Runde. "Die Erleichterung ist sehr groß", sagte Ginter nach dem Pokalkampf gegen den Regionalligisten an der Hafenstraße. "Wir mussten geduldig bleiben. Das war schwer. Aber die letzten 15, 20 Minuten waren wir ein bisschen risikoreicher, und das hat sich dann auch ausgezahlt."

Das lange Zittern hätte sich der haushohe Favorit beim Viertligisten durchaus sparen können, die Chancen gab es sowohl für eine eigene Führung vor dem Rückstand als auch für einen früheren Ausgleich. Letzterem am nächsten vor Hofmann war Christoph Kramer gekommen, dessen Schuss aus zwei Metern Torentfernung – allerdings aus Abseits-Position, die nicht geahndet wurde – aber von Baier noch vor der Linie geblockt wurde. "Das war schon eine Riesenchance", sagte Ginter, der angab, froh zu sein, dass "gleich die erste Chance nach dem Ausgleich wieder saß. So konnten wir uns dann die letzten zehn Minuten auf eine Abwehrschlacht konzentrieren". So martialisch, wie es diese Worte vermuten lassen, war es gegen einen am Ende ausgepumpten Viertligisten zwar nicht mehr wirklich gewesen, aber der Confed-Cup-Sieger lobte den Gastgeber: "Essen hat das sehr, sehr gut gemacht. Es war sehr schwer, hier mit der Atmosphäre im Stadion von dem 0:1 zurückzukommen. Wir haben aber in der zweiten Halbzeit auch zielstrebiger gespielt und haben mehr Chancen gehabt. Dann war der Druck irgendwann zu groß für Essen", analysierte Ginter.

Mit Druck und den Wegen, damit umzugehen, kennt sich der Nationalspieler aus. Dreimal stand er mit Borussia Dortmund im Finale des DFB-Pokals, in diesem Jahr konnte er ihn zum ersten Mal gewinnen – gegen Eintracht Frankfurt, das Gladbach im Halbfinale nach Elfmeterschießen besiegt hatte. Seinen neuen Teamkollegen hat er von diesem Erlebnis noch nicht viel berichtet, denn: "Ich weiß nicht, ob es etwas bringt, so viel davon zu erzählen", sagte Ginter. "Man muss es irgendwie erlebt haben. Diese Atmosphäre ist schon riesig, wenn man da einläuft. Aber alle Worte, die ich jetzt benutzen würde, würden es nicht annähend beschreiben, sondern es ist schon das Ziel von allen, dahin zu kommen. Wenn man in so einem Wettbewerb ist, will man nach Berlin kommen, und wenn man schon mal da ist, will man auch gewinnen." Dass diese Pokalsaison doch ein wenig holprig gestartet war nach dem langen Rückstand in Essen, interessierte den Innenverteidiger nicht wirklich: "Ich habe immer fest daran geglaubt, dass wir gewinnen. Irgendwann ist es so, dass der Druck für den Gegner zu groß ist. Zum Glück haben wir es geschafft, das Ding noch zu drehen", sagte Ginter.

Die Abstimmung mit seinen Defensivkollegen habe sich bei seinem Debüt gut angefühlt. "Wir haben auf jeden Fall noch einen weiteren Schritt nach vorne gemacht. Da gilt es natürlich dranzubleiben", meinte der 23-Jährige. Das Gegentor ärgerte ihn, Manager Max Eberl sagte dazu: "Wir haben den Essenern das Tor gewährt. Das machen sie gut, und wir schlafen einfach. Dann rennst du auch der Musik hinterher. Da haben wir gesehen: Wenn du nicht aufmerksam bist, egal ob Bundesliga, Regionalliga oder Zweite Liga – dann frisst du Tore." Der Sportdirektor schloss aber versöhnlich: "Wir haben einen richtig schweren Auftakt in die Pflichtspiele gehabt. Das war ein hartes Stück Arbeit, aber wir haben es gedreht."

Ginter ergänzte: "Klar ist die erste Runde im DFB-Pokal noch mal eine andere Ausgangslage als in der Bundesliga. Aber wir müssen da dranbleiben, uns weiter einstimmen und im Training weiter aufeinander achten." Kommenden Sonntag startet die Liga direkt mit dem Derby zu Hause gegen den 1. FC Köln. Ginter weiß, dass es bis dahin noch Steigerungsbedarf in allen Mannschaftsteilen gibt: "Wir müssen zum Beispiel daran arbeiten, dass wir, wenn wir schnell ins letzte Drittel spielen, auch zielgerichtet zum Tor kommen", mahnte der Abwehrmann. "Das haben wir in der zweiten Halbzeit ganz gut gemacht, aber da gilt es, dranzubleiben."

Mit dem ersten Pflichtspieleinsatz des Ex-Dortmunders – dem zweiten Debüt neben dem des Schweizers Denis Zakaria – war der Manager zufrieden: "Mit Marcel Platzeck hatten sie beide Probleme", erinnerte Eberl an die Duelle gegen den Ex-Gladbacher im Essener Dress. Das Debütanten-Fazit blieb dennoch ausgewogen: "Denis ist etwas nervös gestartet, aber dann hat er durch zwei, drei Läufe in der ersten Halbzeit auch Überzahl geschaffen. Ich fand, dass sein Debüt sehr ordentlich war. Und bei Matthias mit seiner Erfahrung, seiner Ruhe natürlich auch. Für mich haben beide sehr, sehr ordentlich gespielt", sagte Eberl, der aber nachschob: "Das ist für mich aber nicht das Entscheidende. Entscheidend ist, dass wir weitergekommen sind." Das wird Matthias Ginter ähnlich sehen. Denn Essen war so der erste Schritt auf einem Weg, der ihn zum vierten Mal nach Berlin ins Pokalfinale führen soll.

 
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