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Borussia Mönchengladbach
Statistisch gesehen reif für die Königsklasse

Rangliste: Das sind Borussias Topscorer 2014/15
Rangliste: Das sind Borussias Topscorer 2014/15 FOTO: dpa, dna jai
Mönchengladbach. "Fußball ist keine Mathematik", sagte Karl-Heinz Rummenigge vor mehr als sieben Jahren und fiel damit dem damaligen Bayern-Trainer Ottmar Hitzfeld in den Rücken. Falls der Satz jemals gestimmt haben sollte, dann noch zu jener Zeit, als Heatmaps, Passquoten und Kilometerstatistiken fußballerische Kernphysik waren. Inzwischen strebt ein beachtlicher Teil der Fußballfans in Richtung Vordiplom. Die Rechnerei ist salonfähig geworden. Von Jannik Sorgatz

Bevor Jörg Seidel den "Goalimpact" erfand, war er nur semi-fußballinteressiert. Auf den Algorithmus kam der Physiker, weil er 2004 seine Chancen bei einem EM-Tippspiel verbessern wollte. Das Modell habe ihm den Sieg gebracht, sagt Seidel im Interview mit dem Fußballblog "Zweierkette". Mehr als zehn Jahre später wendet er den "Goalimpact", also den "Tor-Einfluss", nicht mehr nur auf ganze Teams, sondern auf einzelne Spieler an. Sein Algorithmus prognostiziert nach jetzigem Stand: Borussia Mönchengladbach wird Dritter in der Bundesliga.

Ziel des "Goalimpact" ist es, zu bestimmen, wie sich die Tordifferenz einer Mannschaft durch die Anwesenheit eines Spielers auf dem Platz ändert. Nehmen wir das Beispiel Martin Stranzl: Mit dem Österreicher hat die Borussia ein Torverhältnis von 17:6, ohne ihn steht es bei 11:11. Eine Differenz von elf Treffern spricht für einen ziemlich guten "Goalimpact", zumindest für einen, der sich in dieser Saison verbessert hat. Denn der Wert berücksichtigt Leistungen langfristig.

Den Kern seiner Berechnungen hält Seidel geheim, aber er twittert regelmäßig eine Tabelle mit Prognosen für das Abschneiden der 18 Bundesligaklubs:

Der aktuellen Version nach dem 21. Spieltag ist zu entnehmen, dass es sich nicht lohnt, über den Titelgewinn des FC Bayern (97 Prozent Wahrscheinlichkeit) und die Vize-Meisterschaft des VfL Wolfsburg (82,9 Prozent) zu diskutieren. Doch schon danach folgt, wenn auch mit großem Abstand, die direkte Champions-League-Qualifikation für Borussia Mönchengladbach (33,4 Prozent). Addiert man die einzelnen Werte, kann Gladbach laut "Goalimpact" zu fast zwei Dritteln mindestens mit Platz vier planen, die generelle Europacup-Wahrscheinlichkeit liegt bei 88,8 Prozent.

Dass eine Prognose so deutlich ausfällt, ist in dieser Saison alles andere als selbstverständlich. Vom Siebten aus Hoffenheim bis zum 15. aus Dortmund lässt sich kein Team zu mehr als 60 Prozent einem Fünf-Plätze-Korridor zuordnen. Mit zehnprozentiger Wahrscheinlichkeit schafft es der BVB noch ins internationale Geschäft, mit 13-prozentiger Wahrscheinlichkeit muss er sich mindestens auf die Relegation einstellen. In diesem Fall ist der "Goalimpact" natürlich eher ein Argument für die Thesen "Niemand weiß, was passiert" und "Alles ist möglich".

Aber das liegt weniger an der Berechnungsweise als an der Ausgeglichenheit der Bundesliga. Seidel verweist auf die Premier League, wo der grüne Streifen in der Mitte für sich spricht. In England wissen etliche Teams schon sehr genau, wohin die Reise für sie geht: 

Relativ düster sieht es demnach für den VfB Stuttgart aus, der rares Grün in der Bundesliga-Übersicht verursacht. Dass die Schwaben auf dem letzten Platz verharren, wird mit einer Wahrscheinlichkeit von 29,6 Prozent nur von den Champions-League-Prognosen der Top Drei übertroffen. In der Zahlenwüste des Fußballs findet sich für Stuttgart kaum noch eine Oase, die Mut macht.

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