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Borussia Mönchengladbach
Eine optimale Zusammenkunft

Trainer-Reaktionen: "Das Remis geht in Ordnung"
Trainer-Reaktionen: "Das Remis geht in Ordnung" FOTO: dpa, ade lre
Mönchengladbach. Thomas Tuchel wird in Dortmund Nachfolger von Jürgen Klopp. Gladbachs Coach Lucien Favre hatte schon am Freitag erklärt, dass er den BVB nicht übernehmen werde. Dass er in Dortmund im Gespräch war, war logisch - aber auch, dass es für ihn kein Thema war. Von Karsten Kellermann

All die Gladbach-Fans, die das mulmige Gefühl hatten, ihren Lieblingscoach an Borussia Dortmund zu verlieren, können beruhigt sein. Seit gestern steht fest: Thomas Tuchel wird ab neuen Saison den BVB betreuen. Favre war auch ein Thema in Dortmund, doch er hatte schon am Freitag klar gestellt, dass er nicht Trainer des BVB werden würde. Danach stellte Sportdirektor Max Eberl fest, dass das Trainerbeben nicht bis nach Mönchengladbach gedrungen sei, und schloss damit ein Thema ab, das für Gladbach keines war.

Dass Favre, bei dem der BVB laut einiger Quellen schon früher erfolglos angefragt haben soll, bei einem Klub wie Dortmund im Gespräch ist, ist indes logisch. Er ist einer der Toptrainer der Bundesliga. Und die westfälische Borussia braucht eine fußballerische Erneuerung. Favre ist für so etwas der richtige Mann. Das zeigt er in Gladbach. Er hat die Mannschaft, die bei seinem Amtsantritt im Februar 2011 nahezu abgestiegen war, reanimiert, restrukturiert und sie mit einem neuen Geist beseelt. Aus dem Fast-Zweitligisten ist eine Spitzenmannschaft der Bundesliga geworden, die seit diesem Wochenende mindestens die Europa-League-Teilnahme definitiv sicher hat.

Favre hat mit seiner akribischen Arbeit die Spieler und damit das gesamte Team viel besser gemacht. Vor allem hat er auch den Umbruch nach Platz vier im Jahr 2012 hingekriegt. Dortmund kaufte ihm das Herzstück der Mannschaft weg - Marco Reus. Favre trauerte, spürte dann aber, dass Gladbach auch zum Trainer steht, wenn es nicht so optimal läuft wie im Jahr davor. Das war anders als in Berlin, wo ein Durchhänger im Jahr nach einem Höhenflug sein Aus bedeutete. Favre weiß seitdem, was er an Borussia hat.

Nun steht er mit seinem aktuellen Team, das er in dieser Saison durch die Stärkung der Flügel abermals ein wenig neu erfunden hat, vor seinem größten Erfolg: Zum ersten Mal kann sich Borussia direkt für die Gruppenphase der Champions League qualifizieren. Das 0:0 in Frankfurt stoppte den Siegeszug nach vier Siegen in Folge, doch der Zweikampf mit Leverkusen bleibt offen. Dass Favre ausgerechnet jetzt, da er die ganz große internationale Bühne der Meisterliga mit der von ihm und Max Eberl erbauten Mannschaft betreten kann, gehen könnte, war ohnehin eine absurde These. Es ist, wie Eberl stets sagt: Favre passt perfekt zu Borussia, doch auch der Klub passt perfekt zu ihm. Borussia hat einen Trainer, der ihre Philosophie lebt - und bietet ihm ein unaufgeregtes, gesundes Umfeld, in dem er seine Ideen in Ruhe umsetzen kann. Favre und Gladbach. Es ist eine optimale Zusammenkunft.

Und wer weiß, wie es woanders wäre, selbst, wenn der Klub einen großen Namen hat wie Dortmund. Für Thomas Tuchel dürfte es dort einschwieriges Unterfangen sein, einem Mann wie Klopp zu folgen, der eine Ikone ist. Alles, was passiert, wird an Klopp und seiner Arbeit gemessen werden. Favre hat sich in Gladbach einen ähnlichen Status erarbeitet wie Klopp beim BVB. Längst haben ihn die Fans "Hennes" gerufen, in Anspielung auf den Meistertrainer Weisweiler. Größer kann die Anerkennung nicht sein. "Hennes" steht für alles Gute, das mit Borussia verbunden wird: Fohlenfußball, Tore, Triumphe. Eberl und Favre haben die moderne Version dieser Borussia geschaffen, Favre ist die Symbolfigur für die schöne neue Fußballwelt am Niederrhein. Und so einen Status gibt ein Trainer nicht einfach so her.

Quelle: RP
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