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Borussia Mönchengladbach
Traoré: "Will ein bisschen deutscher spielen"

Borussia Mönchengladbach: Traoré: "Will ein bisschen deutscher spielen"
Ibrahima "Ibo" Traoré berichtet exklusiv für unsere Leser über seine Tage in Borussias Trainingslager. FOTO: afp, tob/dg
Rottach-Egern. Ibrahima "Ibo" Traoré berichtet exklusiv für unsere Leser über seine Tage in Borussias Trainingslager.

Bonjour, Gladbach! Mir ist aufgefallen, dass uns Fußballern bei Interviews oft immer wieder dieselben Fragen gestellt werden. Ich würde gern einfach mal über andere Dinge reden – über Literatur, über Religion, über das Leben. All das interessiert mich. Ich habe mir vorgenommen, meine Kolumne hier zu nutzen, um einfach mal über solche Sache zu schreiben.

Ich fange an mit meinem Leben als "Deutscher". Ich bin jetzt seit neun Jahren in Deutschland. Ich fühle mich immer noch als Pariser, das wird auch immer so bleiben. Aber Deutschland ist meine zweite Heimat geworden. Ich mag das Leben hier. Und ich verstehe mehr und mehr die deutsche Mentalität. Die ist anders als die französische. Im Ausland hat man ein Bild von den Deutschen, danach sind alle strikt und ordentlich und wollen immer Gerechtigkeit. Deutschland ist ein Land, in dem viel Seriosität herrscht. Diese Mentalität hat mich reifer gemacht, dadurch bin ich ein Mann geworden. Wenn ich noch in Paris wäre, wäre ich ganz anders, glaube ich. In Deutschland übernimmt man viel früher Verantwortung als in Frankreich. Die deutsche Mentalität hat mich auch als Fußballer weitergebracht.

Aber ein deutscher Fußballer bin ich nicht. Da bin ich noch immer so, wie ich es auf den Straßen von Paris gelernt habe. Mein Fußball hat viel Risiko, und ich versuche, schön zu spielen. Dafür kommen die Leute doch ins Stadion, oder? Aber ich will auch für die Mannschaft spielen und effektiv sein. Wenn man drei, vier tolle Dribblings macht und es kommt nichts dabei heraus, dann bringt das nichts. Die Effektivität ist das deutsche Element im Fußball - und sie kommt bei mir mehr und mehr an. Das ist etwas, das mir unser Trainer Lucien Favre beigebracht hat, aber ich muss es noch ein bisschen mehr verinnerlichen.

Das nehme ich mir dann auch für die kommende Saison vor: Ich will schön, aber ein bisschen deutscher spielen.

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