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Mönchengladbach
"Wir wollen ein Zeichen setzen"

Mönchengladbach: "Wir wollen ein Zeichen setzen"
Die Fans von Borussia Mönchengladbach boykottieren das Derby in Köln. FOTO: Christian Verheyen
Mönchengladbach. Zwei der Initiatoren des Fan-Boykotts für das Derby beim 1. FC Köln sprechen über die Beweggründe und Ziele der Aktion.

Herr Adam, Herr Nellis, Sie beide gehören zu den Initiatoren des Fan-Boykotts für das Derby der Borussen beim 1. FC Köln. Wie können Sie es mit Ihrer Fan-Seele vereinbaren, auf dieses Spiel zu verzichten und der Mannschaft somit den Support im Stadion zu verwehren?

Adam Wir haben uns die Entscheidung nicht leicht gemacht, glauben Sie mir. Und es tut sehr weh, auf dieses Spiel zu verzichten. Aber es stehen Dinge auf dem Spiel, die wichtiger sind als das Derby zu sehen.

Welche Dinge sind das?

Borussia: Borussia startet Vorbereitung für Bremen-Spiel FOTO: Dirk Päffgen

Nellis Wir Gladbach-Fans werden bestraft, obwohl es Kölner waren, die den Platz gestürmt haben beim letzten Derby. Die Nordkurve hat sehr besonnen reagiert und hat sich nicht provozieren lassen. Dass wir nun für das Derby ein begrenztes Ticketkontingent von sieben Prozent statt der normalerweise zehn Prozent bekommen und die übrigen drei Prozent der Karten an Kölner Fans verkauft werden, ist nicht akzeptabel. Zudem werden die Tickets personalisiert. Wir werden dreifach bestraft.

Aber das ist bei Länderspielen und Weltmeisterschaften auch so.

Adam Ja. Aber das ist etwas anders. Es geht hier um ein Bundesligaspiel. Da geht so etwas nicht. Darum wollen wir mit dem Boykott ein Zeichen setzen - für alle Fußballfans. Nellis Wichtig ist, dass wir klarstellen, dass sich der Boykott nicht gegen die Mannschaft und gegen den Verein richtet. Wir waren von Anfang an mit Borussia in einem guten Dialog. Bei einem ersten Treffen war Geschäftsführer Stephan Schippers noch skeptisch, aber bei einem zweiten Treffen hat er unsere Gründe akzeptiert. Es soll am Derby-Spieltag eine Gegenveranstaltung nach dem Motto ,Heimspiel gegen Köln' geben und nach dem Derby wollen wir das Team im Borussia-Park empfangen. Wir erarbeiten zusammen mit Borussia ein Konzept, das in der Länderspielpause festgezurrt werden soll. Noch mal: Das DFB-Urteil trifft eine Fanszene, die sich in dem Derby nichts zu Schulden hat kommen lassen.

Fotos: Kölner Fans sorgen mit Platzsturm für Chaos FOTO: Dieter Wiechmann

Waren es bei vergangenen Derbys gegen den rheinischen Rivalen aus Köln nicht auch Gladbacher Fans, die aufgefallen sind?

Adam Natürlich hat es früher auch aus unserer Fanszene Aktionen gegeben bei Derbys. Aber der DFB hat diese Strafe explizit auf die Vorkommnisse beim letzten Derby bezogen und nicht eine Gesamtstrafe für Vergehen aus der Vergangenheit ausgesprochen. Nellis Bei diesem Spiel war es ja sogar so, dass es ein sehr gutes Beispiel für die von der Gladbacher Fanszene seit 25 Jahren gelebte Selbstregulierung der Fans war. Und dafür werden wir jetzt bestraft.

Wäre es für die Teile der Gladbacher-Fanszene, die auch schon auffällig geworden ist, nicht ein Anlass zur Selbstreflexion?

Neuer Rasen für den Borussia-Park FOTO: Dirk Päffgen

Adam Die gibt es schon längst. Wir sind immer im Dialog mit dem Verein und sind immer bereit, das aufzuarbeiten, was schief gelaufen ist.

Dass es bei den Derbys personalisierte Tickets geben würde, war jedoch lange bekannt. Das hat der DFB in seinem Urteil kurz nach den Vorkommnissen im Derby bekannt gegeben. Ist es nicht vor allem der Spielplan, der das Gefühl der Ungerechtigkeit verschärft: Wäre das erste Derby in Gladbach gewesen, hätte es zunächst die Kölner getroffen.

Nellis Das kann sein. Trotzdem ist es uns wichtig, auf solche Ungerechtigkeiten zu reagieren. Die DFL und der DFB rühmen gern die tolle Stimmung in den Stadien, und so geht man gegen die vor, die sie machen. Es geht auch um die Fankultur im Allgemeinen. Kollektivstrafen sind grundsätzlich ein Problem.

Gehören zur Fankultur auch Platzstürme und Bengalos?

Adam Platzstürme sicher nicht. Aber Fangesänge, Choreos, Fahnen, die Stehplätze mit Ticketpreisen unter 20 Euro und ein freier Zugang zum Stadion. Der ist mit personalisierten Tickets nicht mehr gegeben. Dass sich über 300 Fanklubs schriftlich zum Boykott bekannt haben und mitmachen werden, zeigt, dass wir den richtigen Weg gewählt haben. Fans aus allen Facetten unserer Fanszene sind dabei. Nellis Wir hoffen, dass wir einen noch größeren Teil der Fanszene erreichen. Es ist wichtig, dass die Fanszene zusammensteht. Unsere Fanszene ist eine der größten in Deutschland, daher würde es medial eine große Wirkung haben, wenn wir dem Derby geschlossen fernbleiben. Wir müssen diese Aufmerksamkeit erregen, um auf die Missstände hinzuweisen.

Was ist mit den Fans, die sich entscheiden, doch zum Derby nach Köln zu fahren?

Adam Wir werden ganz sicher nicht sagen: Das sind die schlechten Fans. Wir wollen die Fanszene ja nicht teilen. Man muss es akzeptieren. Trotzdem appellieren wir an alle, nicht nach Köln zu fahren, sondern zu unserer Gegenveranstaltung zu kommen. Wir rechnen mit einigen tausend Borussen-Fans.

Wo wird die Veranstaltung stattfinden? Im Borussia-Park?

Adam Wie gesagt, wir sind mit Borussia in Gesprächen. Die sind aber noch nicht abgeschlossen. Nellis Sprechen werden wir übrigens auch noch mit der Mannschaft. Wir wollen den Spielern unsere Beweggründe erklären. Lars Stindl hat so einen Boykott ja mit Hannover 96 schon erlebt, auch wenn die Fanszene dort andere Beweggründe hatte und das nicht mit unserer Situation zu vergleichen ist.

KARSTEN KELLERMANN FÜHRTE DAS GESPRÄCH.

Quelle: RP
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