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Fortuna Düsseldorf
Warum Frank Kramer heute entlassen wird

Kramer und Azzouzi diskutieren am Tag nach dem MSV-Spiel
Kramer und Azzouzi diskutieren am Tag nach dem MSV-Spiel FOTO: Falk Janning
Düsseldorf. Warum eigentlich niemand beim Zweitligisten Fortuna Düsseldorf Cheftrainer Frank Kramer entlassen will – und warum er nach Informationen unserer Redaktion dennoch heute gehen muss. Von Bernd Jolitz

Es ist ein bisschen so wie in einem Physik-Hörsaal. Der Dozent, ein anerkannter Fachmann, hat eine komplizierte und beeindruckende Versuchs-Apparatur aufgebaut, die seine Studenten, die Uni-Leitung und die Fachpresse staunend betrachten. Alles ist bereit und zuversichtlich, dass das Modell Aufsehen erregen und drängende Energieprobleme lösen kann - doch als der Dozent auf den Knopf drückt, fließt kein Strom. Kein Lämpchen brennt, kein Zeiger schlägt aus, am Ende der Apparatur kommt nichts an. Und niemand weiß warum.

An diesem Punkt ist das "Physik-Modell" Fortuna angekommen. Der in der Theorie so viel versprechend aussehende Versuch mit Trainer Frank Kramer, seinem erfahrenen Assistenten Peter Hermann und einigen namhaften, wenn auch zuletzt nicht mehr in der ersten Reihe agierenden Spielerverpflichtungen hat in der Praxis schlichtweg nicht funktioniert.

Das ist Frank Kramer FOTO: Wolff

Letzte Zweifel an dieser bitteren Schlussfolgerung hat am Freitagabend das Heimspiel gegen Zweitliga-Schlusslicht MSV Duisburg beseitigt. Das 1:1 in Kramers persönlichem Endspiel war zwar vom Ergebnis her kein eindeutiges Urteil, wohl aber vom Spielerischen her. Zwar kämpften die Düsseldorfer in den zweiten 45 Minuten, aber das ist nicht mehr als eine Grundbedingung, die immer und überall erfüllt werden muss. In Sachen Spielaufbau, Ballsicherheit sowie Kreation und Verwertung von Torchancen bestätigte Fortuna ihren Abwärtstrend, war in einigen Punkten phasenweise sogar schwächer als die ergreifend schlechten Duisburger.

Alles deutet nun darauf hin, dass die Vereinsführung Kramer heute noch vor dem um 15 Uhr beginnenden Training beurlauben wird. Warum haben Vorstand, Aufsichtsrat und Sportdirektor Rachid Azzouzi denn überhaupt so lange mit diesem Schritt gewartet, werden jetzt einige fragen, wo doch der Negativtrend seit langem erkennbar ist? So merkwürdig es klingen mag: Die abwartende Haltung ist nachvollziehbar. Fortuna hat schon viel zu oft in ihrer an Rückschlägen und Unruhe reichen Vereinsgeschichte zum scheinbaren Allheilmittel Trainerwechsel gegriffen, als dass man noch an dessen garantierte Tauglichkeit glauben könnte.

Reaktionen: "Es ist natürlich nicht das Ergebnis, das wir uns gewünscht hatten"

Was aber noch wichtiger ist: Frank Kramer hatte diese Geduld verdient, so unklug das Abwarten für manchen auch aussieht. Wer sich mit dem 43-Jährigen, der früher wirklich Uni-Dozent (wenn auch für Sport, nicht für Physik) war, über Fußball unterhält, den kann er auch überzeugen. Kramer redet nicht in den branchenüblichen Floskeln, er hat gute Ideen, er kann rhetorisch mitreißen und kennt sich in der Szene aus.

Deshalb standen die meisten, die direkt mit ihm zu tun haben, so lange fest zu ihm, wünschten ihm den Erfolg und glaubten auch daran. Der kommissarische Vorsitzende Paul Jäger, Rachid Azzouzi und die Mehrheit der Aufsichtsräte gehörten ebenso dazu wie Journalisten und andere im Vereinsumfeld. Jetzt ist allerdings der Punkt gekommen, an dem Fortuna das Hemd näher sein muss als die Jacke. Wer die schwachen Duisburger im eigenen Stadion nicht schlägt, dem kann man auch nicht mehr ohne Weiteres zutrauen, den Abstiegskampf erfolgreich zu überstehen.

Einzelkritik: Demirbay und Rensing waren die besten Fortunen FOTO: dpa, mb lof

Deshalb muss Kramer gehen. Nicht weil er ein schlechter Trainer wäre, denn das ist er nicht. Sein Modell hat nur in der Praxis nicht rechtzeitig funktioniert.

Quelle: RP
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