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Ulrike Nasse-Meyfarth wird 60
Vom Wundermädchen zur "Welt-Jahrhundert-Hochspringerin"

Nasse-Meyfarth wird 60: Vom Wundermädchen zur "Welt-Jahrhundert-Hochspringerin"
FOTO: Uwe Miserius/Bayer AG
Hamburg/Leverkusen. Wundermädchen und Gold-Lady: Mit ihren zwei Olympiasiegen wurde Ulrike Nasse-Meyfarth zum Darling der Nation. Am Mittwoch wird die ehemalige Hochspringerin 60 Jahre alt.

Mit 16 wurde sie als Wundermädchen gefeiert, zwölf Jahre später stieg sie zur Golden Lady auf: Mit ihren beiden Olympiasiegen wurde Hochspringerin Ulrike Nasse-Meyfarth zum absoluten Darling der Nation. 1972 in München noch ein schüchternes junges Küken, das wie aus dem Nichts in Rampenlicht sprang, zwölf Jahre später in Los Angeles der erneute Triumph als selbstbewusste Athletin - eine filmreife Geschichte vor den Toren Hollywoods.

"Da hat sich der Kreis geschlossen. Es war eine schöne Zeit, die einem keiner mehr nehmen kann", sagte Nasse-Meyfarth unlängst dem SID. Zweimal Gold bei Olympia mit zwölf Jahren Abstand - für eine Frau einmalig in der Geschichte der Sommerspiele. Am Mittwoch feiert die "Welt-Jahrhundert-Hochspringerin" ihren 60. Geburtstag.

Ihr Coup von München hat sich in das kollektive Gedächtnis der Deutschen zwar viel tiefer eingebrannt, doch für Nasse-Meyfarth glänzt das Gold von L.A. wertvoller. "Ich wollte allen beweisen, dass ich keine Eintagsfliege war. München 1972, da war ich 16, da ist mir Gold quasi in den Schoß gefallen", sagte sie: "Danach habe ich den Anschluss verloren und musste richtig ackern, um ihn wiederzufinden. In dem zweiten Gold steckte viel mehr Arbeit drin." Zudem sprang sie mit 2,02 m zehn Zentimeter höher als in München.

Mit ihrem Verzicht, in die Hall of Fame des Weltverbandes IAAF aufgenommen zu werden, sorgte sie zuletzt für Aufsehen. Die zahlreichen Skandale (Doping, Korruption) der krisengeschüttelten Leichtathletik bezeichnet sie als "Schande", auch in den neuen IAAF-Präsidenten Sebastian Coe hat sie kein großes Vertrauen. Sie habe ihre Zweifel, "ob Sebastian Coe nun der integre Präsident ist, der den Laden richtig aufräumen wird, ob er das Rückgrat hat und die russischen Leichtathleten von den Spielen in Rio ausschließt", sagte sie der Welt am Sonntag: "Ich würde es tun."

Für die Überfliegerin Nasse-Meyfarth, die mit ihrem Mann und den zwei Töchtern in der Nähe von Leverkusen lebt, war der Weg zu "Deutschlands Springerin des Jahrhunderts" steinig. Nach München hagelte es Niederlagen und Kritik, 1976 konnte sie, die Olympiasiegerin, sich nicht mal für Montreal qualifizieren. 1980 boykottierte die BRD die Moskau-Spiele. "Zwölf Sommer Einsamkeit vergingen", schrieb sie in einem Buch. Doch dann lief der Wettkampf in L.A. "wie am Schnürchen". Sie habe "nur den Fehler gemacht, nach dem Sieg mit 2,02 Metern noch über 2,07 springen zu wollen, Weltrekord. Da war ich ein bisschen übermütig", sagte sie.

Und trotzdem wird Nasse-Meyfarth, die viermalige "Sportlerin des Jahres" (1981 bis 1984), eigentlich nur auf ihren Coup von München angesprochen. "Leute erzählen mir, wo sie das miterlebt haben, dass sie etwa gerade im Taxi saßen und Radio hörten", sagte sie: "Natürlich ist der Sieg im eigenen Land vielen Menschen präsenter als der bei der Nachtschicht in den USA."

(ems/sid)
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