| 06.13 Uhr

Olympia
Das war die Nacht in Rio

Alle Olympiasieger von Rio de Janeiro
Alle Olympiasieger von Rio de Janeiro FOTO: dpa, hpl
Rio de Janeiro. Tim Röhler beschert den deutschen Leichathleten einen versöhnlichen Abschluss, Caster Semenya ist über 800 Meter nicht zu schlagen und Fünfkämpfer Patrick Dogue verpasst die Medaille nur knapp. Das waren die wichtigsten Ereignisse der Nacht in Rio.

+++ Thomas Röhler streckte die Arme in den Nachthimmel über Rio und lief völlig losgelöst in die Ehrenunde: 44 Jahre nach dem legendären Klaus Wolfermann hat der Jenaer ein Speerwurf-Märchen geschrieben und sich als zweiter deutscher Weitenjäger Olympia-Gold gesichert. Röhler setzte sich mit fantastischen 90,30 m durch. "Olympiasieger - mehr kann ich nicht sagen", sagte er mit heiserer Stimme, "es ist ziemlich verrückt." Mit einem Traumwurf mit seinem lila geringelten Lieblingsspeer setzte sich der 24-Jährige im fünften Durchgang an die Spitze. Johannes Vetter (85,32) verpasste Rang drei nur um sechs Zentimeter. "Für Thomas freue ich mich riesig, er hat es sich so verdient", sagte Vetter, "bei mir ist es ein bisschen schade, aber ich bin so stolz, es ist einfach nur hammergeil." Julian Weber (81,36) belegte Platz neun.

+++ Neymar lag weinend vor Glück im Strafraum und 70.000 Brasilianer feierten in ihrem Fußball-Tempel Maracana den Olympiasieg, als Horst Hrubesch sich als Tröster gefordert sah. Der Trainer der deutschen Auswahl ging auf Pechvogel Nils Petersen zu, dessen Fehlschuss den Goldtraum auf dramatische Weise hatte platzen lassen und umarmte den Freiburger. "Wir gehen hier als Gewinner raus, nicht als Verlierer", sagte Hrubesch in der ARD: "Ich hätte gerne die Goldene gehabt und die Jungs auch, aber was wir geleistet haben, war toll." Trotz des aufopferungsvollen Kampfes seiner Mannschaft blieb Hrubesch, blieb Kapitän Max Meyer und Co. das Happy End beim 4:5 i.E. verwehrt. Das Feuerwerk, das nach dem ersten Olympiasieg der brasilianischen Fußballer über Rio de Janeiro explodierte, sahen sie mit Tränen in den Augen.

+++ Sebastian Brendel stieß nach seiner grandiosen Goldfahrt im Canadier-Zweier einen Urschrei aus, der Kajak-Vierer wurde nach seinem Olympiasieg zum Partyboot und auch der Rest der deutschen Kanu-Flotte war in Feierlaune: Mit zweimal Gold, einmal Silber und einmal Bronze haben die schier unersättlichen Medaillenjäger des DKV für einen krönenden Abschluss der olympischen Regatta gesorgt. "Das ist eine Wahnsinns-Truppe. Ich bin so stolz auf sie", sagte der scheidende Cheftrainer Reiner Kießler. Mit vier Gold-, zwei Silber- und einer Bronzemedaille in den zwölf Disziplinen ist es das beste Abschneiden seit den Sommerspielen 2004 in Athen (4-3-0).

+++ Das britische Lauf-Idol Mo Farah hat als zweiter Läufer der olympischen Geschichte zum zweiten Mal in Folge Gold über beide Langstrecken geholt. Nach seinem Triumph über die 10.000-m-Distanz setzte sich der Topstar in 13:03,30 Minuten auch über die halbe Distanz durch. Als erster Läufer hatte dieses Kunststück der große Finne Lasse Viren 1972 und 1976 geschafft. "Das zeigt, dass es in London kein Zufall war", sagte Farah.

+++ Die USA haben zum sechsten Mal in Folge olympisches Gold in der 4x-400-m-Staffel der Frauen gewonnen - und Schlussläuferin Allyson Felix (30) damit den sechste Olympiasieg ihrer Karriere errungen. Dazu kommen drei Silbermedaillen.

+++ Topfavoritin Caster Semenya, Silbermedaillengewinnerin von London 2012, lief in 1:55,28 Minuten über 800 m zu Gold. "Es war ein fantastisches Rennen in einem starken Feld, ich bin einfach nur glücklich, dass ich gewonnen habe", sagte die Südafrikanerin.

Der 15. Tag in Rio – die anderen Deutschen

+++ Marie-Laurence Jungfleisch ist beim Hochsprung leer ausgegangen. Die 25-Jährige kam mit übersprungenen 1,93 m auf Platz sieben.

+++ Patrick Dogue ritt auf dem Rücken von Wallach "El Star" rdicht an die Medaillenränge, doch mit der Laserpistole zitterte er sich im abschließenden Combined an Edelmetall vorbei. Nach einem der besten Wettkämpfe seines Lebens kam der zweimalige deutsche Meister im Modernen Fünfkampf völlig ausgepumpt als Sechster ins Ziel. Fünf Sekunden fehlten zur ersten Olympia-Medaille eines Deutschen seit 80 Jahren.

+++ Die deutschen Wasserspringer müssen auf ein Happy End verzichten: Martin Wolfram und Sascha Klein haben eine Medaille vom Turm verpasst. Ex-Europameister Wolfram landete trotz Schmerzen in der Schulter auf Rang fünf, der ehemalige Synchron-Weltmeister Klein enttäuschte in seinem letzten olympischen Wettbewerb auf Platz neun.

+++ Sabine Spitz hat zum Abschluss ihrer großen olympischen Karriere eine Enttäuschung erlebt - Platz 19 im Mountainbike-Rennen. Wegen einer Knieinfektion war ihr fünfter Olympia-Start lange fraglich gewesen. "Mir hat es sehr viel bedeutet, dieses Rennen zu fahren", sagte die 44-Jährige, "ich hatte keine Probleme mit dem Knie, aber die acht Tage Training haben gefehlt." Helen Grobert wurde Zwölfte.

+++ Triathletin Anne Haug hat die erhoffte Medaille klar verfehlt. Die ehemalige Vize-Weltmeisterin belegte einen enttäuschenden 36. Platz. Auch Laura Lindemann verpasste als 28. die angestrebten Top 10 deutlich.

+++ Die Golferinnen Caroline Masson und Sandra Gal haben das Turnier mit ordentlichen Runden abgeschlossen. Masson spielte auf dem Par-71-Kurs wie Gal eine 69 und beendete den Wettbewerb mit 282 Schlägen auf Platz 21. Gal benötigte einen Schlag mehr und landete auf dem 25. Rang.

+++ Das Finale in der Rhythmischen Sportgymnastik fand wie erwartet ohne die Gruppe des Deutschen Turner-Bundes statt. Anastasija Khmelnytska, Daniela Potapova, Sina Tkaltschewitsch, Julia Stavickaja und Natalie Hermann belegten in der Qualifikation den zehnten Platz.

(sid)
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