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Sagan von Tour de France ausgeschlossen
Vom Helden zum Buhmann

Fotos: Sagan bringt Cavendish mit Ellenbogen-Check zu Fall
Fotos: Sagan bringt Cavendish mit Ellenbogen-Check zu Fall FOTO: Screenshot Twitter/Sportschau
Vittel. Peter Sagan floh nach den schwärzesten Minuten seiner Karriere wortlos ins Mannschaftshotel. Mit Schimpf und Schande wurde der exzentrische Radprofi am Dienstag nach einem Kamikaze-Sprint mit brutalem Ellbogen-Einsatz von der 104. Tour de France ausgeschlossen.

Aus seiner Unbekümmertheit, sonst Sagans Stärke und Markenzeichen, war auf den finalen Metern der vierten Etappe nach Vittel Rücksichtslosigkeit geworden - mit gravierenden Folgen für alle Beteiligten. Sagan? Ausgeschlossen. Sturzopfer Mark Cavendish? Im Krankenhaus.

"Was ist Druck? Ich nehme den Radsport nicht so ernst. Ich versuche, Spaß zu haben", hatte Sagan noch am Montag gesagt, nachdem er dem deutschen Team Bora-hansgrohe den ersten Sieg bei einer Frankreich-Rundfahrt beschert hatte. Spaß wird Sagan in den kommenden Tagen und Wochen vorerst wenig haben.

Kaum ein Fahrer zieht die Aufmerksamkeit derart auf sich wie der Slowake, kaum einer ist bei den Fans beliebter - und nur wenige sind erfolgreicher. Im zweiten Jahr in Folge trägt Sagan das Regenbogentrikot des Weltmeisters, acht Etappensiege feierte er mittlerweile bei der Tour, fünfmal trug er das Grüne Trikot nach Paris.

Sagan ist einer der wichtigsten und wenigen Charakterköpfe des Radsports, sein Wiedererkennungswert im Feld enorm. Wenn ein fast 200 Mann starkes Peloton an Zuschauern am Straßenrand vorbeirauscht oder über die TV-Geräte flimmert, sticht er allein optisch mit seiner schulterlangen Mähne heraus. Sein Stil ist einzigartig, seine ausgefallenen Jubelposen sind legendär, die teils flapsigen Interviews Klick-Garanten auf YouTube. Für unfaire Aktionen ist er bei aller Härte nicht bekannt.

Mit der Popularität geht offenbar ein Selbstverständis einher, das an Selbstüberschätzung grenzt. "Da fährt ein Typ im Weltmeister-Trikot, der meint, er könne sich alles erlauben", polterte der deutsche Sprintrivale André Greipel am Dienstag.

Für das Team Bora-hansgrohe war Sagan ein Glücksfall - bis zu diesem Dienstag. Nicht nur sportlich hievt der 27-Jährige die Mannschaft, die nach jahrelangem, sukzessivem Aufbau in die Weltspitze vorgestoßen ist, auf ein neues Level. "Für unsere Sponsoren ist er ein Riesengewinn, durch ihn ist der Output größer", hatte Teammanager Ralph Denk vor dem Tour-Start gesagt.

Sein selbst verschuldetes Tour-Aus ist daher nicht weniger als ein Debakel für das Team, das nun seinen Fokus auf die Bergetappen legen wird. Sagan genoss bei Bora-hansgrohe viele Freiheiten. "Peter ist ein Gefühlsmensch", sagte Denk, der auch dessen älteren Bruder Juraj unter Vertrag nahm: "Wenn er für etwas brennt und motiviert ist, dann reißt er Bäume aus. Wenn er auf etwas keinen Bock hat, dann lässt er es dich deutlich spüren."

Einige seiner Privilegien wird Sagan wohl nun aufgeben müssen.

(sid)
 
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