| 14.24 Uhr

Vikings-Kicker weint nach Patzer
"Muss ich mit einer Wassermelone machen"

Twitter-Reaktionen auf das verpasste Field Goal von Blair Walsh
Twitter-Reaktionen auf das verpasste Field Goal von Blair Walsh
Minneapolis/Köln. Bei klirrender Kälte sind die Titelträume der Minnesota Vikings in der US-Football-Profiliga NFL auf dramatische Weise geplatzt. Der sicher geglaubte Sieg war dahin, als Kicker Blair Walsh Sekunden vor Schluss der Fuß zitterte.

Eingepackt in die dicksten Jacken, mit Mützen, Schals, Gesichtsmasken und teilweise sogar Skibrillen, zitterten die Fans bei klirrender Kälte buchstäblich mit ihren Minnesota Vikings. Sekunden vor Schluss gefror ihnen das Blut. Dem sonst so zuverlässigen Kicker Blair Walsh versagten die Nerven, der sicher geglaubte Sieg gegen die Seattle Seahawks war nach seinem Fehlschuss dahin, die Football-Saison ist für das NFL-Team vorbei - ein Drama.

Der ungemütliche Nachmittag in Minneapolis hatte für die Vikings schon denkbar schlecht begonnen. Wegen der Temperaturen um minus 20 Grad Celsius zerbrach das berühmte Gjallarhorn des Klubs, ein überdimensionales nordisches Blashorn, das vor jedem Spiel im Stadion gespielt wird. Ein schlechtes Omen am Wildcard-Wochenende, dennoch hätte wohl niemand gedacht, dass der Start in die Play-offs der US-Profiliga für die Gastgeber mit einem Schock enden würde.

Drei von drei Field-Goal-Versuchen hatte Walsh bis dahin verwandelt und für alle Punkte der Vikings gesorgt. Beim Stand von 9:10 nahm er 22 Sekunden vor Schluss wieder Anlauf und setzte den Ball aus 27 Yards links an den Stangen vorbei. Headcoach Mike Zimmer, Mitspielern und Fans stand die Bestürzung ins Gesicht geschrieben. Für kurze Zeit waren ausnahmsweise kaum Atemnebel auf der Tribüne zu sehen.

"Den muss ich machen, selbst mit einer Wassermelone", sagte der untröstliche Walsh nach dem "drittkältesten" Spiel der NFL-Geschichte in der warmen Kabine. Der Kicker kämpfte mit den Tränen, als er sein Missgeschick erklärte und die ganze Schuld an der Niederlage auf sich nahm. Walsh wusste, dass er im entscheidenden Moment versagt hatte. Denn seine Mitspieler hatten den Ball vor dem recht kurzen Kick, quasi einem Elfmeter ohne Torwart, ordentlich platziert. "Ich bin der einzige, der seinen Job nicht erledigt hat." Nach dem Interview konnte er die Tränen nicht mehr zurückhalten.

In der Karriere des 26-Jährigen war es erst sein zweiter Fehlschuss bei 35 Versuchen aus unter 30 Yards Entfernung. Wie sicher er ist, hatte Walsh zuvor aus 22, 43 und 47 Yards gezeigt. Doch der Druck vor der letzten Aktion des Spiels war wohl zu groß, bei Minusgraden zitterte der Fuß, und Tausende frierende Fans wurden nach stundenlangen Qualen auch noch um das Happy End beraubt.

Für Minnesota, 1970 zum bislang einzigen Mal NFL-Champion, ist der Traum vom Titelgewinn erneut geplatzt. Die bereits so gut wie geschlagenen Gäste dürfen dagegen auf den zweiten Super-Bowl-Gewinn nach 2014 hoffen. Bedanken können sie sich dafür bei Walsh - und bei Russell Wilson. Dem Seahawks-Quarterback gelang im Gegensatz zu seinem Gegenüber Teddy Bridgewater ein Touchdown-Pass.

Auf Seattle wartet am kommenden Wochenende allerdings ein ganz dicker Brocken. Im Viertelfinale geht es für den Vorjahresfinalisten zu den Carolina Panthers, in der Hauptrunde mit nur einer Niederlage beste Mannschaft der Liga. Dann muss vieles besser laufen, das weiß Headcoach Pete Carroll: "Wir hatten Glück. Meistens gehen solche Kicks rein. Aber man muss sie eben erst mal machen."

(sid)
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