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Frankfurt
Deutsche Börse trommelt für Mega-Fusion

Frankfurt. Die Wunschpartner Frankfurt und London legen große Eile an den Tag. Das wundert Experten in der Bankenszene am Main, auch weil der Verbleib Großbritanniens in der EU unklar ist. Von Brigitte Scholtes

Es soll schnell gehen mit der Fusion der Deutschen und der Londoner Börse. Drei Wochen nach der Ankündigung forcieren die Beteiligten das Tempo. Bis Ende dieses Jahres, spätestens Anfang 2017 soll das Zusammengehen vollzogen sein. Beide Seiten werben mit großem Wachstumspotenzial und hohen Einsparungen. Rund 450 Millionen Euro bringe die Fusion jährlich, kündigten die Partner an - weitaus mehr als beim letzten, schließlich gescheiterten Fusionsversuch der Deutschen Börse, damals mit der New Yorker Börse. Da war das Einsparpotenzial auf nur 300 Millionen Euro geschätzt worden. Das Zusammengehen würde die "Superbörse" an die Weltspitze katapultieren. Aktionäre und Aufsichtsbehörden müssen noch zustimmen.

Die große Eile hat zur Folge, dass vieles noch nicht klar ist: So sollen zwar wichtige Funktionen der dann weltgrößten Börse auch in Frankfurt angesiedelt sein, und Deutsche-Börse-Chef Carsten Kengeter als Spitzenmann des neuen Unternehmens mit Sitz in London will auch "viel Zeit" in der Mainmetropole verbringen. Was das für die Arbeitsplätze in Frankfurt bedeute, könne er aber noch nicht genau sagen, so Kengeter. Es sei zu früh, darüber zu spekulieren.

Die Auswirkungen gerade auf den Standort Frankfurt beobachten aber die Akteure am Main trotz grundsätzlicher Zustimmung zu einer Fusion mit großer Sorge. Es sei nicht "egal", was da geschehe, sagte Stefan Winter, Präsident des Verbands der Auslandsbanken, gestern. Eine Börse sei ein starker Infrastrukturfaktor für jeden Standort. Grundsätzlich halten die Banken die Fusion für richtig und verweisen dabei auf die Wettbewerber aus den USA und Asien und auf neue Technologieplattformen. Aber es sind noch einige Hürden zu überwinden.

Warum aber ein solches Tempo, bevor klar ist, ob die Briten im Referendum über den Verbleib in der EU abgestimmt haben? Das fragt sich Christoph Schalast von der Frankfurt School of Finance and Management. Ein möglicher Brexit könnte die Abstimmung der Aktionäre verändern. Die sollen um den Zeitpunkt des Referendums am 23. Juni abstimmen. Die Briten sehen die Übernahme ihrer Börse durch die Deutschen als "feindlich", denn die Londoner Börse wäre mit 46 Prozent Juniorpartner, und Kengeter würde Chef. In Deutschland stößt man sich daran, dass der rechtliche Sitz der Superbörse London sein soll. Das, so meint Sparkassen-Präsident Georg Fahrenschon, sei schwierig, wenn die größte Börse für den Euroraum nicht ihren juristischen Sitz im Euroraum haben werde. Zudem ist auch die Zustimmung der Anteilseigner der Deutschen Börse nicht gesichert: Schon bei früheren Fusionsversuchen hatten sich vor allem Hedge Fonds und andere große Anteilseigner skeptisch gezeigt.

Und schließlich müssen auch die Aufsichts- und Wettbewerbsbehörden dem Vorhaben noch zustimmen. Das grundsätzliche Einverständnis der Aufseher sollte man sich vorher eingeholt haben, hofft Schalast. Aber ob die Kartellbehörden das Zusammengehen durchwinken, steht noch nicht fest, auch wenn Xavier Rolet, Chef der Londoner Börse, versicherte, man plane eine solche Fusion nicht ohne vorherigen Kontakt zu den Aufsichtsbehörden. Er schränkte aber ein, man könne natürlich nicht genau abschätzen, wie die Analyse und das Ergebnis der Wettbewerbsbehörden ausfallen würden.

Ein weiterer möglicher Hinderungsgrund: Es wurden wieder Vorwürfe laut, Deutsche-Börse-Chef Kengeter habe Bescheid gewusst über die Manipulationen von Leitzinsen wie dem Libor in seiner Zeit bei der Schweizer Großbank UBS. Kengeter selbst sagte dazu gestern nur: "Die Anschuldigungen sind falsch."

Quelle: RP
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