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Düsseldorf
Firmengründer sind die neuen Fernsehstars

Essener  Uli Sambeth sichert sich Deal mit allen Investoren
Essener Uli Sambeth sichert sich Deal mit allen Investoren FOTO: Vox/Bernd-Michael Maurer
Düsseldorf. Casting-Shows waren schon totgeglaubt. Bis die TV-Sendung "Die Höhle der Löwen" kam. Hier treten Gründer mit neuen Geschäftsideen an und gewinnen im Idealfall Kapitalgeber. So wie Uli Sambeth, der mit dem "eball" eine neue Art von Elektroroller herstellt. Von Lisa Kreuzmann

Ute Günther ist ein alter Hase in der jungen Start-up-Szene. Das sagt sie zumindest über sich. Seit Ende der 90er Jahre vermittelt die Vorsitzende des Business Angels Netzwerk Deutschland mit Sitz in Essen zwischen privaten Geldgebern, den Business Angels, und Unternehmensgründern. Dieses Zusammenspiel fasziniert sie nach wie vor: "Es gibt nichts Schöneres, als junge, innovative Unternehmen zu sehen, die tolle Ideen entwickelt haben", sagt Günther.

Dass sie damit nicht allein ist, hat der Fernsehsender Vox spätestens nach drei Staffeln der Serie "Die Höhle der Löwen" gezeigt. Die Start-up-Show schalteten zuletzt 2,7 Millionen Zuschauer ein. Besser lief zur Hauptsendezeit nur das Länderspiel Deutschland gegen Nordirland. Der Gründergeist hat auch das TV-Publikum gepackt - und macht Casting-Shows in Deutschland wieder salonfähig.

Dabei hatten Medienwissenschaftler schon vor Jahren das Ende der Casting-Ära prophezeit. Das Land sei "durchgecastet", hatte Berhard Pörksen, Autor von "Die Casting-Gesellschaft" erklärt. Bitte keine neuen Models, Sänger, Talente mehr. Deutschland wolle das nicht mehr sehen. Nur konnte keiner ahnen, dass Unternehmer die neuen Popstars werden würden. Die Start-up-Szene hat nicht nur Unternehmertum wieder sexy gemacht, sondern auch Casting-Shows.

Uli Sambeth dürfte in dieser Welt so etwas wie der nächste Superstar sein. Seine Geschäftsidee ist der "eball", eine Ufo-ähnliche Plattform, auf der man stehen und in alle Richtungen fahren kann - elektrisch und bis zu 20 Stundenkilometer schnell. Sein Erfinder sagt ihm das Potenzial nach, das Segway als Lifestyle-Transportmittel abzulösen.

Das sah "Show-Löwe" Ralf Dümmel offenbar ähnlich: Der Juror investierte. Und nicht nur er. Zum ersten Mal schloss ein Gründer einen Deal mit allen fünf Investoren ab. "Ich bin wirklich glücklich", sagt Sambeth. "Was mir passiert, war traumhaft."

Mit seiner Idee möchte Uli Sambeth die Fortbewegung revolutionieren. Und die Juroren Jochen Schweizer, Judith Williams, Carsten Maschmeyer, Frank Thelen und eben Ralf Dümmel wollen das auch. Millionen Fernsehzuschauer sahen zu, wie die fünf Investoren sich für die Idee begeisterten und die Geschäftsidee unterstützen.

In der Gründerszene erklärt man sich den Erfolg der ungewöhnlichen Fernsehshow mit ihrem Bezug zum realen Leben. "Die Sendung ist lebensnah, es geht um echtes Geld und greifbare Produkte", sagt Florian Nöll vom Bundesverband Deutsche Startups. "Das ist interessant." In Wahrheit seien die Pitchs, also die Präsentationen von Geschäftsideen, natürlich weniger "romantisch". Trotzdem sei das Format auch bei Insidern gerne sehen. "Ich denke, der Grund, warum auch Unternehmer die Show gerne gucken, ist derselbe, warum Politiker gerne 'House of Cards' sehen: Weil es realistisch ist."

Die Show, in der Uli Sambeth Kapitalzusagen einsammeln konnte, wurde bereits vor einiger Zeit gedreht und gestern gesendet. Uli Sambeth hält inzwischen nur noch 51 Prozent an seiner Firma. Ursprünglich wollte der Essener nur 12,5 Prozent abgeben. Die Anteile seien nach Aufnahme der Show im März noch einmal nachverhandelt worden, erzählt der 49-jährige Erfinder von eball.

Bei "Die Höhle der Löwen" habe er mitgemacht, weil ihm die Expertise gefehlt habe, den eball in Serie zu produzieren und zu vermarkten. "Die machen das jetzt; das ist jetzt ihr Baby", sagt Uli Sambeth, der von Haus aus eigentlich Medizininformatiker ist. Und darüber ist er froh. Nun kann der eball auch online bestellt werden.

Für die Gründer sei "Die Höhle der Löwen" vor allem eine große, kostenlose Werbemaschine, weiß Ute Günther. Aber auch für potenzielle Investoren sei die Show interessant. "In Deutschland gibt es viel zu wenig Business Angels", sagt Günther. Für alle anderen mag die Show ein Stück amerikanischer Traum im eigenen Wohnzimmer sein. Hier kann man vom Sofa aus studieren, dass man mit der richtigen Idee auch in Deutschland zum Millionär werden kann.

Quelle: RP
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