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Düsseldorf
Eltern wollen nicht, dass Kinder gründen

Düsseldorf. Das Problem ist: Immer mehr Jobs werden durch die Digitalisierung verschwinden. Eine neue Datenbank zeigt, welche. Von Florian Rinke

Millionen Zuschauer schalten ein, wenn Gründer ihre Ideen bei Fernsehsendungen wie "Die Höhle der Löwen" vorstellen. Sie sind fasziniert vom Erfindergeist, dem Einfallsreichtum - und dem Mut der - oft jungen - Unternehmensgründer.

Ihren eigenen Nachwuchs sehen Eltern jedoch lieber in klassischen Jobs. Darauf deutet zumindest eine repräsentative Studie des IT-Branchenverbands Bitkom hin. 63 Prozent der Eltern würden ihren Kindern demnach davon abraten, ein Start-up zu gründen. Befragt wurden Eltern schulpflichtiger Kinder. Nur acht Prozent würden dem Nachwuchs uneingeschränkt zu einer Gründung raten. Mütter sind der Umfrage zufolge etwas aufgeschlossener als Väter, das Gleiche gilt für Eltern von Hauptschülern gegenüber denen von Gymnasiasten.

"Es reicht nicht, immer ein bisschen neidisch auf das Silicon Valley zu schauen, wir brauchen in Deutschland auch einen echten Gründergeist", sagt Lucie Volquartz, die sich beim Bitkom um das Thema Start-ups kümmert. Dazu sei eine Ermutigung von jungen Menschen unbedingt notwendig.

Über die Gründe kann nur spekuliert werden, abgefragt wurden sie vom Bitkom nämlich leider nicht. Möglicherweise liegt es daran, dass viele Eltern die Auswirkungen der Digitalisierung auf die Arbeitswelt für überschaubar halten. Darauf deutet wiederum eine andere Studie hin, die gestern veröffentlicht wurde. Demnach glauben neun von zehn Befragten nicht, dass ihr Arbeitsplatz durch Computer oder Algorithmen bedroht ist. Das haben die Kölner Marktforscher von Respondi in einer repräsentativen Arbeitnehmer-Umfrage herausgefunden. Ein Großteil der Arbeitnehmer, nämlich 75 Prozent, geht demnach lediglich davon aus, dass sich der Aufgabenbereich durch die neuen technischen Möglichkeiten verändern wird.

Schon jetzt können viele Aufgaben, die Berufstätige Tag für Tag erledigen, von Maschinen übernommen werden. In vielen Fabriken arbeiten Roboter und Mensch immer enger zusammen am Band, statt Bankschalter steuern viele nur noch den Geldautomaten an - und das ist erst der Anfang.

Das Institut für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung (IAB) der Bundesagentur für Arbeit hat anlässlich einer Themenwoche des Fernsehsenders ARD eine Datenbank erstellt, in der man nachgucken kann, wie hoch der Anteil am eigenen Job ist, der schon heute von Maschinen oder Software übernommen werden kann. Interessierte finden die Seite unter https://job-futuromat.ard.de.

Quelle: RP
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