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Berlin/Düsseldorf
Gabriel fordert Kaiser's-Kompromiss

Berlin/Düsseldorf. Der Ausgang der Gespräche zwischen Tengelmann und Kaiser's ist ungewiss.

Vor einem Spitzentreffen zur Krise bei der angeschlagenen Supermarktkette Kaiser's Tengelmann hat Bundeswirtschaftsminister Sigmar Gabriel einen Kompromiss angemahnt. Er könne nur an die Beteiligten appellieren, eine Lösung zu finden, sagte der SPD-Chef und Vizekanzler. Es drohe eine Zerschlagung des Unternehmens. Damit seien bis zu 8000 Arbeitsplätze gefährdet. "Das ist nur dadurch aufzuhalten, dass die beteiligten Unternehmen zu etwas bereit sind, zu dem sie vor dem Verfahren nicht bereit waren -nämlich, eine gemeinsame Lösung zu finden", sagte er mit Blick auf den Streit vor Gericht.

Die Chefs der Handelsketten Edeka, Tengelmann und des Wettbewerbers Rewe sowie Vertreter von Verdi wollen heute Abend über die Zukunft von Kaiser's Tengelmann sprechen. Das Treffen hatte die Dienstleistungsgewerkschaft vermittelt. Branchenprimus Edeka und Kaiser's Tengelmann hatten die Fusion vor etwa zwei Jahren beschlossen. Der Zusammenschluss ist jedoch fraglich und hängt auch von Gerichtsentscheidungen ab.

Gabriel hatte Edeka per Ministererlaubnis gestattet, Kaiser's Tengelmann unter Auflagen zu übernehmen. Er hatte den Erhalt von Arbeitsplätzen als Gemeinwohlinteresse angeführt. Nach Klagen von Wettbewerbern, darunter Rewe, stoppte das Oberlandesgericht (OLG) Düsseldorf die Fusion vorläufig.

Wie die Chancen für die Angestellten im Entlassungsfall stehen, ist schwer zu sagen. Im deutschen Einzelhandel sind gut ausgebildete Kräfte derzeit Mangelware. "Wir suchen qualifizierte Mitarbeiter gerade für den Lebensmitteleinzelhandel", sagte der Hauptgeschäftsführer des Handelsverbands Deutschland, Stefan Genth, der den Fall mit dem Ausgang der Schlecker-Auflösung vergleicht. Ob sich daraus neue Chancen für Mitarbeiter von Kaiser's Tengelmann bei einem möglichen Jobverlust eröffnen könnten, hänge auch von der Möglichkeit der Angestellten ab, für einen neuen Job umzuziehen.

Vor dem Spitzengespräch über die Zukunft von Kaiser's Tengelmann erlitten die Bemühungen der Supermarktkette um mehr Spielraum im Fusionspoker einen Rückschlag. Das OLG Düsseldorf signalisierte gestern wenig Bereitschaft, die vom Bundeskartellamt ausgesprochene Untersagung eines gemeinsamen Einkaufs mit Edeka aufzuheben.

(dpa/bur)
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