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Privatisierung der Raumfahrt
Himmelfahrtskommando

Himmelfahrtskommando - Wie die Raumfahrt privatisiert wird
Zehn Minuten dauerte der Flug der Falcon-9-Rakete, bevor sie wieder auf die Erde zurückkehrte. Nachdem zuletzt zwei Versuche gescheitert waren, landete die Rakete nun senkrecht auf der Cape Canaveral Air Force Base in Florida - was die Mitarbeiter des privaten Raumfahrtunternehmens SpaceX mit Jubel quittierten. FOTO: ap
Düsseldorf. Früher nutzten USA und UdSSR den Weltraum, um Stärke zu demonstrieren. Nun versuchen Digitalunternehmer, die Raumfahrt zu privatisieren - mit erstaunlichen Ergebnissen. Von Florian Rinke

Elon Musk wählte weniger pathetische Worte für seinen Triumph als Neil Armstrong, der erste Mann auf dem Mond. Statt vom großen Schritt für die Menschheit zu sprechen, twitterte er bloß "Willkommen zurück, Baby", als Falcon 9 auf dem Boden aufsetzte. Zehn Minuten dauerte der Flug der Rakete, bevor sie heil und aufrecht zum Startplatz zurückkehrte. Nie zuvor war dies bei einem regulären Flug gelungen. Elon Musk, Chef des privaten Raumfahrtunternehmens SpaceX, hat es allen gezeigt: der Nasa, den Russen, den Chinesen.

Rückblickend könnte die Landung von Falcon 9 eine neue Epoche der Raumfahrt einläuten. Statt wie bisher im Meer zu zerschellen, sinken die Raketen nun mit umgekehrtem Schub auf die Erde zurück.

Der Erfolg könnte eine ähnliche Wirkung haben wie der Sputnik-Schock. Als die Sowjetunion am 4. Oktober 1957 mit einer Trägerrakete den Satelliten Sputnik in den Weltraum brachte, wurde den USA schlagartig klar, wie verwundbar sie waren. Wieso sollte eine solche Rakete nicht auch Atombomben über den großen Teich bringen?

Die Antwort der USA formulierte 1961 der neue US-Präsident John F. Kennedy: Bis zum Ende der 1960er Jahre, so das ehrgeizige Ziel, müssten die USA in der Lage sein, einen Menschen auf dem Mond landen zu lassen und ihn anschließend zurück zur Erde zu bringen.

Elon Musk war damals nicht mal geboren. Und als US-Astronaut Neil Armstrong acht Jahre später den ersten Fuß auf den Mond setzte, war Jeff Bezos gerade fünf Jahre alt. Doch heute sind es diese Milliardäre, die ihr Vermögen mit Digitalunternehmen wie dem Bezahldienst Paypal bzw. dem Online-Händler Amazon gemacht haben, die die neue Epoche der Raumfahrt einläuten. Mit ihren Unternehmen versuchen sie, die Kosten für Weltraumflüge so radikal zu senken, dass daraus ein Massenmarkt wird. Nicht nur das Militär ist interessiert, auch Tourismusanbieter oder Unternehmen, die Satelliten ins All befördern wollen, etwa um Kartendienste anbieten zu können, beobachten die Entwicklung genau.

Milliarden stehen im Feuer

Es ist ein Himmelfahrtskommando, ein riskantes Spiel mit Milliardensummen, bei dem jede Panne das Aus bedeuten kann. Davon gab es bei den privaten Raumfahrtfirmen schon einige. Beispielsweise Richard Branson: Der Milliardär sorgte für Schlagzeilen, als sein "Space Ship Two" 2014 abstürzte. Branson will mit den Raumgleitern seines Unternehmens Virgin Galactic Weltraumtourismus möglich machen.

Auch Musk musste immer wieder Rückschläge bei seinem 2002 gegründeten Projekt SpaceX hinnehmen. Obwohl er profilierte Wissenschaftler und Ingenieure anwarb, stürzten Raketen ab, zündeten Triebwerke nicht richtig. Mehrmals stand das Projekt auf der Kippe. Auch diesmal war der Druck hoch, nachdem es zuletzt zwei Fehlversuche gegeben hatte. Vor sechs Monaten war eine Rakete nach dem Start explodiert.

Doch parallel machten die Ingenieure enorme Fortschritte - auch beim Kostensenken. Das liegt auch daran, dass Musk mit vielen Regeln brach. So beschreibt der Autor Ashlee Vance in seiner Biografie über Musk, wie SpaceX den Preis für Funkeinheiten um das Zehn- bis Zwanzigfache senkte. Zwischen 50.000 und 100.000 Dollar habe die Nasa bislang für Geräte bezahlt, die Raumfahrtstandard entsprachen. SpaceX baue seine für 5000 Dollar. Es gebe Dutzende Fälle, in denen dem Start-up ähnliches gelungen sei - zum Beispiel, indem man frei verfügbare Konsumelektronik nutze statt spezielle Weltraumtechnik. "Die Nasa davon zu überzeugen, dass Standardelektronik sich inzwischen mit der teuren Spezialausrüstung messen kann, dauerte Jahre", schreibt Vance.

Dennoch hat die US-Weltraumbehörde großes Interesse am Erfolg von Musk - immerhin ist sie sein wichtigster Kunde. Ab dem Jahr 2017 soll SpaceX Astronauten zur internationalen Raumstation ISS bringen. Ähnliches könnte bald auch Amazon-Gründer Bezos anbieten. Auch sein Unternehmen Blue Origin hat bei einem Testflug die Rakete "New Shepard" landen lassen. Schon bald könnte dies angesichts der Erfolge der Unternehmen so normal sein wie der Start. Musk reicht das jedoch offenbar nicht: "Er will die Kosten von Raketentechnik so weit drücken, dass es wirtschaftlich und praktisch möglich wird, Abertausende von Versorgungsflügen zum Mars zu unternehmen und dort eine Kolonie zu gründen", schreibt Ashlee Vance.

Quelle: RP
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