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Bundesagentur für Arbeit
Langzeitarbeitslosigkeit ist die größte Herausforderung

13 Fakten zu Hartz IV
13 Fakten zu Hartz IV FOTO: dpa, Oliver Berg
Nürnberg . Eigentlich kann die Bundesagentur für Arbeit (BA) derzeit gute Zahlen vorweisen. Erwerbstätigkeit und sozialversicherungspflichtige Beschäftigung in Deutschland sind nahezu auf Rekord-Niveau, und die Arbeitslosigkeit ist im Juni um 49.000 auf 2,833 Millionen gesunken. Das entspricht einer Arbeitslosenquote von 6,5 Prozent, wie die Nürnberger Behörde am Dienstag mitteilte. Dennoch ist die BA-Spitze nicht zufrieden. Der Grund: Die Langzeitarbeitslosigkeit stagniert seit Jahren bei gut einer Million.

Im Juni waren erneut 1.059.000 Menschen seit mehr als einem Jahr auf Jobsuche. Zugleich waren bundesweit 462.000 offene Stellen gemeldet. Dennoch geben viele Arbeitgeber den Betroffenen erst gar keine Chance. "Es gibt weiterhin verbreitete Vorurteile gegenüber Langzeitarbeitslosen", bestätigte eine Sprecherin der BA.

Nach einer aktuellen repräsentativen Umfrage der Arbeitsagenturen, die der Nachrichtenagentur dpa vorliegt, führen 82 Prozent der Arbeitgeber andauernde Erwerbslosigkeit auf fehlende Motivation der Betroffenen zurück. Zugleich haben aber nur etwas mehr als die Hälfte von ihnen überhaupt jemals eigene Erfahrungen mit Langzeitarbeitslosen gemacht. Und von denen ist immerhin ein knappes Drittel zufrieden oder sehr zufrieden mit den neuen Mitarbeitern.

Ein Punkt, an dem sich ansetzen lässt, wie BA-Vorstand Heinrich Alt meint. Zwar sei die Lage auch nicht ganz so schlecht, wie es auf dem ersten Blick scheine. Denn während die Zahl der Langzeitarbeitslosen stagniert, drängen jedes Jahr rund 150.000 Menschen zusätzlich auf den deutschen Arbeitsmarkt - vor allem Zuwanderer, Rückkehrer aus der Elternzeit oder Ältere. Zudem hatten noch vor drei Jahren rund 330.000 Hartz-IV-Bezieher einen Ein-Euro-Job und wurden deshalb in der Statistik nicht als Arbeitslose geführt - inzwischen sind es nur noch 100.000.

Dennoch könne die Lage noch besser sein, betont Alt. Er hält es für möglich, die Langzeitarbeitslosigkeit bis 2017 um ein Drittel zu senken. "Wenn der Arbeitsmarkt so gut funktioniert wie jetzt, haben wir eine realistische Chance - wenn wir unser Geschäft noch näher an die Betriebe rücken." Selbstkritisch moniert er, dass die Vermittler in den Arbeitsagenturen die Bedürfnisse der Unternehmen oft nicht gut genug kennen.

Außerdem müssten gerade diejenigen, die in die Langzeitarbeitslosigkeit zu rutschen drohten, rechtzeitig intensiv betreut werden. "Unsere schärfste Waffe ist hier das Fallmanagement", erläutert Alt. Dabei betrachten die Arbeitsvermittler nicht nur die beruflichen Qualifikationen, sondern helfen auch bei der Lösung anderer Probleme - denn häufig belasten etwa eine fehlende Kinderbetreuung oder Schulden die Arbeitslosen. Auch psychische Probleme oder etwa eine Alkoholsucht verhindern, dass sich Menschen auf eine Job-Bewerbung konzentrieren können.

"Die Schmalspur-Sanierung ausschließlich im Bereich Arbeitsmarkt bringt die Menschen nicht näher an den Markt", konstatiert Alt nüchtern. Er weiß auch, dass die Jobcenter in dieser Hinsicht noch viel Potenzial haben - allzu lange war die Fluktuation dort ausgesprochen hoch, viele Vermittler haben keine Fachausbildung.
Nötig sei aber ein maßgeschneidertes Maßnahmepaket für jeden Einzelnen. "Wir machen noch zu viel Konfektion."

Dennoch gelingt es 230.000 Langzeitarbeitslosen pro Jahr, einen Arbeits- oder Ausbildungsplatz zu ergattern. Doch nahezu die Hälfte davon landet innerhalb eines halben Jahres erneut in der Grundsicherung. Diesen "Drehtüreffekt" will die BA minimieren. Sie hat deshalb ein Pilotprojekt gestartet, bei dem sowohl die ehemaligen Langzeitarbeitslosen als auch die Betriebe nach einer Arbeitsaufnahme weiter betreut werden. Erste Ergebnisse zeigen, dass nach sechs Monaten immerhin 64 Prozent der betreuten Neu-Arbeitnehmer ihren Job noch haben.

Hartz-Statistik

Unterdessen ist die Zahl der Hartz-IV-Empfänger in Deutschland nach einer Hochrechnung des Deutschen Landkreistages im Juni nahezu unverändert bei rund 6,13 Millionen geblieben. Gegenüber Mai bedeute dies einen Rückgang um etwa 14.500, teilte der Landkreistag am Dienstag in Berlin mit. Die bundesweite Quote der auf die staatliche Hilfe angewiesenen Menschen lag demnach bei 7,6 Prozent. In Berlin verringerte sich der Anteil der Hartz-IV-Bezieher an der Bevölkerung zwar, mit 16,8 Prozent liegt der Stadtstaat aber noch immer mit Abstand vorne. Den geringsten Anteil an Hartz-IV-Beziehern an der Bevölkerung hat Bayern mit 3,4 Prozent.

(dpa)
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