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Düsseldorf
Metro-Chef: Weihnachtsgeschäft kommt noch

Düsseldorf. Der Tarifstreit bei der Tochter Real überschattet die wichtige Vorweihnachtszeit bei der Metro. Vorstandschef Olaf Koch ist dennoch optimistisch, wenn er an die Tage bis Heiligabend denkt: 70 Prozent des Geschäfts stehen noch aus. Von Georg Winters

Wer bislang glaubte, dass spätestens mit Beginn der ersten Adventswoche der Stress mit den Weihnachtsgeschenken beginnt, den belehrt Olaf Koch eines Besseren. "70 Prozent des Weihnachtsgeschäfts kommen erst noch", sagt der Metro-Chef, und damit meint er vor allem die letzten Tage vor Weihnachten und jene danach, die dazu dienen, unliebsame Geschenke umzutauschen und Gutscheine einzulösen. Angesichts solcher Perspektiven verweigert sich Koch einer Prognose zum wichtigsten Abschnitt eines Geschäftsjahres und belässt es bei der Aussage, bisher sei das Weihnachtsgeschäft erwartungsgemäß gelaufen.

Weitaus redseliger ist der Manager, wenn es darum geht, die Perspektiven der Metro zu malen. Der Gewinn ist 2014/15 von 127 Millionen auf 672 Millionen Euro geklettert, natürlich auch durch den Verkauf der Galeria Kaufhof an Husons's Bay in diesem Jahr. Das bereinigte operative Ergebnis (Ebit) sank um 1,3 Prozent auf 1,5 Milliarden Euro, der Umsatz um 1,2 Prozent auf 59,2 Milliarden Euro. "Wir haben jetzt eine gute Situation und einen klaren Blick, was wir erreichen wollen", sagt Koch. Nachdem die Nettoverschuldung in den vergangenen Jahren um etwa zwei Drittel auf 2,5 Milliarden Euro gesunken ist, richtet sich der Blick wieder auf Wachstum. 2017 soll Metro Cash & Carry wieder neue Märkte erschließen - das hat die Großhandelssparte der Metro immerhin seit einem halben Jahrzehnt nicht mehr getan.

Media-Saturn hat nach Einschätzung Kochs eine "atemberaubende Entwicklung" hinter sich. Die Euphorie entspringt vor allem der Tatsache, dass die Elektronikfachmärkte der Metro flächenbereinigt drei Prozent mehr umgesetzt haben als im Vorjahr, dass sie erstmals seit 2007 gewachsen sind, und der Online-Anteil am Gesamtumsatz mittlerweile acht Prozent beträgt - Tendenz steigend.

Bleibt das Sorgenkind Real. Ein Unternehmen, das Koch als "wichtige Komponente im deutschen Lebensmittelhandel" bezeichnet, das erhebliche Fortschritte beim Umbau macht, das aber gleichzeitig Milliardeninvestitionen in den kommenden Jahren nötig hat. Aber Teile davon werden wohl nur fließen, wenn mit der Gewerkschaft Verdi und den Betriebsräten eine Lösung im Streit um die Personalkosten gefunden wird. Die ist aber nicht in Sicht. Etwa ein Drittel höher als bei manchen Wettbewerbern seien die Personalkosten bei Real, haben Koch und Real-Chef Didier Fleury mehr als einmal betont. Deshalb ist Real aus der Tarifbindung ausgestiegen, will stattdessen einen Haustarif, um Real konkurrenzfähiger zu machen.

Das treibt die Arbeitnehmer auf den Baum. In Real-Filialen ist die Rede davon, dass die Arbeitszeit nach den Vorstellungen des Managements auf 40 Stunden ohne Lohnausgleich steigen solle, die Arbeitnehmer auf ein bis zwei Tage Urlaub verzichten und Spät- und Schichtzuschläge gekürzt werden sollten. Insgesamt, heißt es, könnten die Einbußen bis zu 2000 Euro pro Jahr ausmachen. Das sind knapp 170 Euro im Monat.

Jedenfalls sitzt der Frust so tief, dass Verdi jüngst in diversen Real-Märkten zum Streik aufrief - was wiederum Koch verärgerte: "Streiks im Weihnachtsgeschäft sind ein schlechtes Beispiel für eine Kooperation." Also ist bei Real noch der Wurm drin. Das zweite Halbjahr war unter anderem wegen des Preiskampfs alles andere als zufriedenstellend, wie Koch einräumt. Auch flächenbereinigt hat das SB-Warenhaus, das im abgelaufenen Geschäftsjahr 14 Standorte geschlossen hat, noch einmal leicht verloren.

Aber weder die Probleme bei Real noch die Konjunktursorgen, die Unsicherheit über die Entwicklung in Russland oder der Preiswettbewerb im deutschen Lebensmittelhandel nagen anscheinend an der Zuversicht des Konzernchefs. Olaf Koch verkündet durchschnittlich zwei Milliarden Euro Investitionen für die nächsten Jahre, er plant für das Geschäftsjahr 2015/16 mit Umsatz und Vorsteuergewinn (Ebit) über Vorjahr. Die Metro sucht Bündnisse mit innovativen Start-ups, die für die Metro-Kunden "Mehrwert", also innovative Serviceleistungen anbieten sollen. Insgesamt 15 Start-ups hat die Metro inzwischen an Bord, aber in die unternehmerische Führung will sie nicht einsteigen.

Quelle: RP
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