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München
Münchener Rück bunkert Gold und Bargeld

München. Der Konzern erwartet den dritten Gewinnrückgang in Folge. Die Gründe: das Zinstief und die Probleme bei Ergo.

Die Münchener Rück sucht angesichts der Strafzinsen der Europäischen Zentralbank (EZB) nach Alternativen bei der Kapitalanlage. Schon vor geraumer Zeit habe der weltgrößte Rückversicherer Gold in den Tresor gelegt, sagte Vorstandschef Nikolaus von Bomhard bei der Bilanzvorlage. Vor Kurzem habe die Münchener Rück zudem einen zweistelligen Millionenbetrag in bar gebunkert, sagte von Bomhard und ergänzte: "Wir probieren das jetzt mal aus. Daran sehen sie, wie ernst die Situation ist." Die EZB verlangt für Geld, das Banken über Nacht bei ihr parken, inzwischen einen Strafzins von 0,4 Prozent. Von Bomhard hatte zuvor heftige Kritik an der Geldpolitik der EZB geübt. Deren Präsident Mario Draghi müsse nun klar machen, dass die Notenbank mit ihren Maßnahmen am Ende und die Politik nun am Zug sei. "Eine Bazooka funktioniert nicht mehr, die Regierungen müssen jetzt aktiv werden", sagte der Münchener-Rück-Chef.

Der weltgrößte Rückversicherer stellt sich wegen der Niedrigzinsen und des Preiskampfs in der Branche auf den dritten Gewinnrückgang in Folge ein. Für das laufende Jahr gab der scheidende Chef von Bomhard ein Gewinnziel zwischen 2,3 Milliarden und 2,8 Milliarden Euro aus. Im vergangenen Jahr waren es noch 3,1 Milliarden Euro gewesen. Die Nullzins-Politik der EZB habe verheerende Auswirkungen auf die gesamte Branche und die Sparer in Deutschland.

Der zweite Grund für die getrübten Aussichten ist der Umbau des Sorgenkindes Ergo. Der Versicherer aus Düsseldorf hat 2015 nach Abschreibungen auf Firmenwerte rote Zahlen geschrieben. In diesem Jahr sollen 250 bis 350 Millionen Euro übrig bleiben, rund 200 Millionen weniger als in den Jahren davor. "Wir haben das Ergo-Ergebnis auf eine realistischere Basis gestellt", sagte von Bomhard. Der neue Ergo-Chef Markus Rieß will spätestens im Juli seine neue Strategie vorstellen. "Wir wollen Ergo zu einem modernen, digitalen und internationalen Versicherer ausbauen", sagte er. Auf Dauer könne und müsse Ergo deutlich mehr verdienen als heute. Der Umbau wird zunächst aber Geld kosten. "Die Zahlen werden nicht klein sein", sagte von Bomhard. "Es geht aber nicht darum, die Ergo gesund zu sparen." Er hoffe, die Konzernziele für 2016 wegen der Umbaukosten nicht kassieren zu müssen. Der Münchener-Rück-Chef räumte Fehler bei der Tochter ein. Der Mutterkonzern habe dort im Lebensversicherungsgeschäft nicht konsequent genug gegengesteuert, obwohl man die Schwierigkeiten früh erkannt habe.

(rtr/dpa)
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