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Hilden
Qiagen holt Silicon Valley ins Rheinland

Hilden. Drei Biowissenschaftler aus den USA verstärken das Forscher-Team in Hilden. Ihr Ziel: Innovationen vorantreiben. Von Beate Wyglenda

Es gilt als Heimat der Innovation, Kreativität und Genialität, das Silicon Valley ist Hort der Visionäre und Macher. Drei dieser Visionäre hat es aus dem Valley jedoch lieber nach Deutschland gezogen - genauer gesagt nach Hilden. Warum ausgerechnet in die 55.000-Einwohner-Stadt? Weil hier Deutschlands größtes Biotechnologie-Unternehmen sitzt: Qiagen, der weltweit führende Anbieter von Technologien zur Gewinnung molekularer Erkenntnisse aus biologischen Proben. Und von dem könne selbst das Silicon Valley noch einiges lernen, meinen Brad Crutchfield, Jason Gammack und Colin Baron.

Auf der anderen Seite des Atlantiks ist das allerdings wohl noch nicht angekommen: "Als ich meinen Freunden erzählt habe, dass ich nach Deutschland ziehe, waren alle geschockt", erzählt Jason Gammack (44) lachend. "Für viele Amerikaner ist das Silicon Valley immer noch 'the place to be' (der Ort, wo man sein muss), um in einem aufstrebenden Unternehmen Karriere zu machen." Das sieht der Marketingleiter im Bereich Lebenswissenschaften anders: "Viele Leute realisieren gar nicht, dass Qiagen ein Pionier auf seinem Gebiet ist und die Medizin revolutioniert hat", sagt er. Deshalb, aber auch wegen seiner Familie, ist er vor etwas über einem Jahr samt Frau und drei Kindern nach Deutschland gekommen. Und er fühlt sich - trotz des Wetters - immer noch wohl.

Ähnlich empfinden das die Kollegen. Brad Crutchfield (51) ist ein Urgestein der Forschungsindustrie. Vor neun Monaten wurde er in den Qiagen-Vorstand berufen. Kurz darauf zog er mit seiner Frau nach Deutschland. Auch Colin Baron (38) stieß erst vor eineinhalb Jahren von der Konkurrenz zu Qiagen. Er ist Leiter des Produktmanagements im Bereich Next-Generation-Sequencing. Auf den Wechsel folgte auch bei ihm der Umzug samt Frau und Sohn über den Atlantik. "In den USA besteht das Vorurteil, dass die Deutschen kühl und distanziert seien", sagt Baron. "Tatsächlich ist das genaue Gegenteil der Fall. Ich habe die Menschen hier als sehr hilfsbereit und freundlich erlebt - gerade wenn man die Sprache noch nicht beherrscht." Auch ansonsten kann Deutschland überzeugen. Vor allem Düsseldorf gefällt. Es sei das deutsche Beverly Hills, eine Stadt des Erfolgs, wie Crutchfield sagt. Und: "Man muss nicht weit fahren, um einen anderen Teil des Landes mit einer komplett anderen Lebensweise kennenzulernen, Köln etwa ist ganz anders als Düsseldorf."

Ausflüge gehören jetzt zum Leben der Forscher. In den USA war das anders. Dort wurde durchgearbeitet, blieb kaum Zeit für Familie und Freizeit. "Urlaub zu nehmen ist in einigen US-Unternehmen Zeichen von Schwäche", sagt Gammack. Er könne sich nicht erinnern, wann er in den USA mal zwei Wochen am Stück frei hatte. Die Amerikaner sind sich einig: Die Work-Life-Balance ist etwas, das sich das Silicon Valley von Deutschland abgucken kann. "Die Leute arbeiten hier wirklich hart, aber das Wochenende gehört ihnen", so Crutchfield. Zugleich fühlten sich die Deutschen persönlich verpflichtet, ihren Job gut zu machen und seien stolz auf ihre Arbeit. Etwas, das weltweit vorangetrieben werden sollte, sagt er.

Im Gegenzug müsse Deutschland noch lernen, etwas risikobereiter zu sein. "Manchmal ist es ok, etwas zu wagen und einen Fehler zu machen, solange man daraus lernt", erklärt Baron. "Gründet etwa jemand in Deutschland ein Unternehmen, das scheitert, hat er kaum Chancen für einen Neubeginn", bestätigt Gammack. Dabei hätten im Silicon Valley doch alle großen Gründer gleich mehrere Fehltritte hinter sich.

Quelle: RP
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