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Berlin
Siemens: Energiegeschäft bleibt Sorgenkind

Berlin. Trotz des schwierigen Umfelds rechnen die Münchener für 2016 mit einem moderaten Umsatzwachstum. Von Maximilian Plück

Inmitten des Radikalumbaus beim Technologieriesen Siemens hat der Vorstand für das neue Geschäftsjahr ambitionierte Ziele ausgegeben. Und das, obwohl die Münchener mit einer Eintrübung der Weltwirtschaft rechnen und sich auch der Ölpreis weiterhin auf einem niedrigen Niveau bewegen dürfte.

Siemens-Chef Joe Kaeser erklärte bei der Vorstellung der Bilanz, er rechne für das seit Oktober laufende, neue Geschäftsjahr mit einem moderaten Umsatzplus von bis zu fünf Prozent. Zudem versprach er deutlich höhere Auftragseingänge. Die große Unbekannte für die künftige Planung ist die wirtschaftliche Entwicklung in China. "Die Zeiten zweistelliger Wachstumsraten gehören der Vergangenheit an", bilanzierte Kaeser. Aber mit dem von Peking geplanten Ziel von einem Zuwachs um sieben Prozent falle das Wachstum drei- bis viermal höher aus als in der EU, so der Vorstandschef. Es handele sich um eine "Beruhigung auf hohem Niveau". Chancen auf dem chinesischen Markt rechnet sich der Siemens-Chef vor allem für den Bereich Gesundheitstechnik und Automatisierung aus. Auch vom Ausbau der Stromnetze könne Siemens profitieren. Zudem zeigte er sich optimistisch, dass die unmittelbar bevorstehende Wiederaufnahme der Geschäftsbeziehungen mit dem Iran neue Einnahmequellen ermöglichen werde. Um weitere Sparprogramme zu vermeiden, will Siemens künftig stärker auf Innovation setzen. Eine Milliarde Euro sollen zusätzlich in die Forschung fließen.

Im abgelaufenen Geschäftsjahr konnte Siemens trotz eines leichten Umsatzrückgangs um einen Prozent den Gewinn von 5,5 auf 7,4 Milliarden Euro steigern. Allerdings sind dafür neben Währungseffekten vor allem der Verkauf der Hörgeräte-Sparte und der Anteile am Hausgerätehersteller BSH an Bosch verantwortlich. Diese "Portfoliobereinigung" spülte den Münchenern drei Milliarden Euro in die Kasse.

Größtes Sorgenkind bleibt die Division Power & Gas - abgesehen von der Prozessindustrie die einzige der acht Divisionen, deren Ergebnis und Marge schlechter ausfiel als 2014. Zwar zeigte sich Kaeser mit der Arbeit von Vorstandskollegin Lisa Davis zufrieden. Die Amerikanerin habe bei Power & Gas in kurzer Zeit "viel bewegt". Davis hatte dort auch Stellenstreichungen durchgesetzt. In Deutschland fielen der Siemens-Radikalkur unterm Strich 2000 Stellen zum Opfer, im Ausland betrug der Rückgang 6000 Stellen.

Doch Kaeser stimmte darauf ein, dass die Genesung der Energiesparte noch dauern werde: "Innovationen bei Turbinen benötigen in der Regel sieben Jahre. Deshalb wird man sich nicht auf schnelle Änderungen einstellen könne." Trotzdem soll auch Power & Gas im neuen Geschäftsjahr wieder wachsen. Die schwache Entwicklung der Energiesparte konnten die umso erfolgreicheren Divisionen Gesundheitstechnik, Digitale Fabrik und Mobilität ausgleichen. Diese spielten mit ihrer Ertragskraft "in der Champions League" mit, sagte Kaeser.

Aktionäre und Mitarbeiter sollen von der guten Entwicklung profitieren. So schlägt der Vorstand der Hauptversammlung eine Dividende von 3,50 Euro vor - 20 Cent mehr als 2014. Auch zahlreiche Siemens-Mitarbeiter profitieren davon, zählt der Konzern doch 144.000 Mitarbeiter zu seinen Anteilseignern. Und diese könnten in den kommenden Jahren noch weitere Anteile des Münchener Konzerns in ihr Portfolio aufnehmen. Denn Siemens will neben der Auszahlung von Erfolgsbeteiligungen in Höhe von 2,2 Milliarden Euro weitere 200 Millionen Euro in einen Mitarbeiterfonds einzahlen. Sobald dieser auf 400 Millionen Euro gewachsen ist, wird er an die Mitarbeiter, die nicht zum Management zählen, ausgeschüttet - voraussichtlich in Form von Aktien.

Quelle: RP
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