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Stuttgart
Staatsanwalt klagt Schlecker in 36 Fällen an

Stuttgart. Die Pleite der Drogeriemarkt-Kette Schlecker hat für den Firmengründer und seine Familie ein strafrechtliches Nachspiel. Die Staatsanwaltschaft Stuttgart bestätigte gestern die Anklage gegen den Firmengründer Anton Schlecker (71), seine Frau Christa sowie die Kinder Lars und Meike. Sie wirft dem ehemaligen Milliardär vor, vor der Insolvenz 2012 in 36 Fällen Vermögenswerte beiseite geschafft zu haben, obwohl ihm klar gewesen sei, dass die einst größte deutsche Drogeriekette vor der Zahlungsunfähigkeit stehe. Insgesamt geht es nach Angaben der Staatsanwaltschaft um mehrere Millionen Euro. Seine Frau und die Kinder sollen ihm dabei geholfen haben.

Ob das Verfahren eröffnet wird, muss nun die Große Wirtschaftsstrafkammer des Landgerichts Stuttgart entscheiden. Das dürfte mehrere Wochen dauern. Auf der Anklagebank wollen die Staatsanwälte auch zwei Wirtschaftsprüfer der Stuttgarter Prüfungsgesellschaft EY (Ernst & Young) sehen. Sie sollen Bilanzen für 2009 und 2010 testiert haben, obwohl sie erkannt hätten, dass Schlecker diese manipuliert habe. Anton Schlecker selbst habe im Zusammenhang damit auch vor dem Insolvenzgericht gelogen. EY wollte sich gestern nicht äußern.

Wenn eine Insolvenz droht oder kurz bevorsteht, darf ein Eigentümer seinem Unternehmen keine Finanzmittel mehr entziehen, damit die Gläubiger nicht geschädigt werden. Tut er es doch, wird das juristisch als Bankrott bezeichnet. In 13 der 36 Fälle, die die Staatsanwaltschaft ermittelt haben will, geht es um Bankrott in einem besonders schweren Fall. Darauf steht in jedem Fall eine Freiheitsstrafe von sechs Monaten bis zehn Jahren.

Schlecker hatte seinen Milliarden-Konzern in Ehingen bei Ulm als "eingetragener Kaufmann" geführt, Privat- und Firmenvermögen waren damit nicht getrennt. In den Jahren vor der Pleite hatte er Immobilien und andere Firmenteile an seine Kinder und an seine Ehefrau verkauft oder verschenkt. Bei Schlecker war es zum Zeitpunkt der Insolvenz bereits seit Jahren abwärts gegangen. Die Logistiktochter, die die einst 3000 Filialen mit Waren belieferte, wurde von Schleckers Kindern geführt. Die Ermittler werfen ihnen vor, noch mehrere Millionen Euro angeblichen Gewinn herausgezogen zu haben, als das Unternehmen längst überschuldet war. Auch Schleckers Ehefrau habe Geld bekommen, das ihr nicht zustand. Ein Logistikzentrum in Österreich hatte Schlecker nur sechs Tage vor Anmeldung der Insolvenz für rund 2,5 Millionen Euro an die Kinder verkauft.

(rtr)
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