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Arcandor-Prozess
Strafprozess gegen Middelhoff wird eingestellt

Thomas Middelhoff - Strafprozess gegen Ex-Arcandor-Chef eingestellt
Thomas Middelhoff beim Prozessauftakt in Essen (Archivbild). FOTO: dpa, a gfh hpl
Essen. Thomas Middelhoff bleibt eine weitere Verurteilung wegen seines Verhaltens als Chef des Karstadt-Mutterkonzerns Arcandor erspart. Er kann voraussichtlich noch in dieser Woche die Anklagebank verlassen.

Das Verfahren wegen Anstiftung zur Untreue gegen den Manager soll am Mittwoch eingestellt werden, wie ein Sprecher des Essener Landgerichts mitteilte. Der Schritt sei das Ergebnis eines Rechtsgesprächs zwischen der Kammer, der Staatsanwaltschaft und der Verteidigung. Zuvor hatten das "Handelsblatt" und die "Süddeutsche Zeitung" darüber berichtet.

Die Staatsanwaltschaft hatte dem ehemaligen Arcandor-Chef im Essener Verfahren vorgeworfen, die Aufsichtsräte des Unternehmens zur Untreue angestiftet zu haben, als es um seine Abfindung ging. Der Manager hatten noch wenige Monate vor der Pleite des Konzerns eine Erfolgsprämie von 2,3 Millionen Euro erhalten. Nach Auffassung der Staatsanwaltschaft hatten er keinen Anspruch auf das Geld. Sechs an der Entscheidung beteiligten Aufsichtsräten legte die Staatsanwaltschaft deshalb Untreue zur Last.

Middelhoff bestritt die Vorwürfe stets

Das Verfahren gegen Middelhoff, der die Vorwürfe stets bestritt, soll nach Angaben des Justizsprechers nach Paragraf 154 der Strafprozessordnung eingestellt werden. Er ermöglicht es, Verfahren zu beenden, wenn der Angeklagte schon wegen einer anderen Tat rechtskräftig verurteilt wurde und die zu erwartende weitere Strafe demgegenüber "nicht beträchtlich ins Gewicht fällt".

Middelhoff war bereits 2014 vom Essener Landgericht unter anderem wegen Veruntreuung von Firmengeldern bei Arcandor zu drei Jahren Haft verurteilt worden. Vor gut einem Jahr trat er die Haft an. Middelhoff verbüßt die Strafe im offenen Vollzug und arbeitet tagsüber als Freigänger in einer Behindertenwerkstatt in Bielefeld.

Verfahren gegen andere Angeklagte sollen eingestellt werden

Eine Verfahrenseinstellung nach Paragraf 154 ist nach Angaben des Gerichtssprechers nicht mit einem Schuldeingeständnis verbunden.

Auch die Verfahren gegen die mitangeklagten Aufsichtsratsmitglieder sollen nach Angaben des Gerichtssprechers voraussichtlich eingestellt werden - teils gegen Geldauflagen, teils wegen geringer Schuld auch ohne irgendwelche Auflagen. Allerdings soll dies erst in den nächsten Wochen geschehen.

Das plötzliche Ende des Verfahrens kommt überraschend. Ursprünglich waren für den Prozess insgesamt 34 Verhandlungstage bis zum 21. Dezember 2017 vorgesehen.

(dpa)
 
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