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In Eching bei München eröffnete die erste Filiale
Von Billy bis Leksvig: Seit 30 Jahren beglückt Ikea die Deutschen

Berlin (rpo). Was würden die Deutschen ohne Ikea machen? Wie kaum ein anderes Unternehmen haben die Schweden die Wohnwelten in Deutschland revolutioniert: Seit nunmehr 30 Jahren lieben die Deutschen die günstige Möbel zum Selberschrauben. Am 14. Oktober 1974 eröffnete in Eching bei München die erste Ikea-Filiale.

Immer wieder samstags machen deutsche Paare den Beziehungs-Elchtest. Er beginnt harmlos mit einem Stau vor dem Warenhaus-Parkplatz, kocht dann beim Gang durch die Möbelausstellung an der Frage "Regal 'Leksvig' oder doch wieder 'Billy'?" langsam höher. Zwischen Mittagessen "Köttbullar" und der Kinderspielecke wird diskutiert, ob die Küchenutensilien "Grunka" unbedingt mit müssen. An der Kasse entscheidet sich dann, ob man wie immer noch einen Riesenpack Teelichter unterm Arm oder gleich einen handfesten Beziehungskrach mit nach Hause schleppt. Die Deutschen lieben ihr skandinavisches Möbelhaus Ikea, von dem am Donnerstag vor 30 Jahren in Eching bei München die erste Filiale hier zu Lande eröffnet wurde.

Mit dem Slogan "Wer jung ist, hat mehr Geschmack als Geld" kam die skandinavische Kette auf den hiesigen Markt - und musste sich sogleich auf einen regionalen Kundenwunsch einstellen: "Die Kundinnen dort fragten nach Eckbänken, die wir nicht im Sortiment hatten", sagt Unternehmenssprecherin Sabine Nold. Sie wurden in den Katalog aufgenommen, "liefen außerhalb Bayerns aber nicht so gut".

Im Gegensatz zum deutschen Schuhschrank - Symbol der Kleiderordnung: Das germanische Möbelstück schaffte es über den internationalen Ikea-Katalog bis nach Amerika. Umgekehrt kamen so die riesigen Latte-Macchiato-Gläser nach Europa: "Die Amerikaner trinken vieles gerne auf Eis, dafür braucht man größere Gläser", erklärt Nold.

Der deutschen Konkurrenz hat der skandinavische Mitbewerber "mehr genützt als geschadet", urteilt Andre Kunz, Geschäftsführer des Bundesverbandes des Deutschen Möbel-, Küchen- und Einrichtungsfachhandels: "Ikea verkauft nicht nur Möbel, sondern Wohnideen und ist somit auch ein Impulsgeber für die deutschen Wettbewerber." Außerdem gebe es bei den Schweden "keine Wartezeiten und mehr oder weniger Spaß beim Aufbauen", fügt Kunz augenzwinkernd hinzu. Und einen Vorwurf habe Ikea ganz sicher widerlegt: "Von den seinerzeit in Anspielung auf die hölzernen Orangenkisten als 'Jaffa'-Möbel bezeichneten Produkte kann man nun wirklich nicht sprechen."

Den deutschen Möbelmarkt dominiert der skandinavische Konzern unverändert. Mit einem Umsatz von 2,25 Milliarden Euro verkauften die Schweden 2003 deutlich mehr als der zweitplatzierte KarstadtQuelle-Konzern mit 1,54 Milliarden Euro. Auf den dritten Platz kam die Berliner Krieger-Gruppe (Höffner, Möbel Kraft, Möbel Walther) mit einem Umsatz von 1,34 Milliarden Euro.

Auch der Waldexperte ist zufrieden

Auch ökologisch darf Ikea "zu den Vorreitern gezählt werden", sagt der Waldexperte Martin Kaiser von der Umweltschutzorganisation Greenpeace: "Ikea hat in den 90er Jahren in Zusammenarbeit mit uns neue Produktvorgaben für die Holzverwendung an seine 50 Zuliefererbetriebe verabschiedet." Holz aus den Urwaldgebieten Europas soll nicht mehr verwendet werden, der Anteil aus nachhaltiger Waldwirtschaft gemäß den Kriterien des Forest Stewardship Council erhöht und die Verwendung von illegal gehandeltem Holz vermieden werden.

Die Kritik von Verbraucherschützern an der jüngsten Ikea-Kampagne zu Preissenkungen kann Unternehmenssprecherin Nold nicht nachvollziehen: "Wir haben unterm Strich Preisnachlässe von 130 Millionen Euro weitergegeben." Darin seien auch "eher geringe Preiserhöhungen" für Verkaufsschlager wie das "Billy"-Bücherregal eingerechnet. Das Unternehmen hatte angekündigt, in Deutschland die Preise um durchschnittlich sechs Prozent zu senken.

Dass Ikea in 30 Jahren Ikea nicht nur die Einrichtungs-, sondern auch die Sprachwelt der Deutschen beeinflusst hat, zeigen allerlei Parodien auf bekannte Werbekampagnen der Skandinavier. Eine der gelungensten beschreibt die letzte Hürde des Ikea-Beziehungstests im trauten Heim: das Aufbauen mit dem Imbusschlüssel, der den Elch als Ikea-Symbol abgelöst hat: "Wohnst Du schon oder schraubst Du noch?"

(afp)
 
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