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Wermelskirchen: Deweco: Keine Abfindung nach 38 Jahren

zuletzt aktualisiert: 04.02.2012

Wermelskirchen (RP). Als 20-Jährige kam sie aus Portugal nach Wermelskirchen. In die Fremde, um hier Geld zu verdienen. Wenig später folgte ihr ihre Schwester. Beide sind in Portugal von der Deweco Verbandstoff-Fabrik Dr. Wüsthoff angeworben worden.

 Die Arbeitsverträge aus September 1973 hat die heute 59-Jährige immer noch. Gearbeitet hat sie erst in der Weberei an der Schillerstraße (heute Kaufpark), später dann in der Produktionsstätte in Neuenhaus.

Gefehlt hat sie selten. Gerade mal zur Geburt ihrer Kinder. Gearbeitet wurde oft im Drei-Schicht-Betrieb. Und wenn erforderlich, sogar am Wochenende. Doch jetzt, nach über 38 Jahren, mit 59, steht sie auf der Straße. Deweco hat zum 31. Januar die Produktionsstätte in Neuenhaus geschlossen, 15 Mitarbeitern gekündigt. Produziert wird nun weiter in Tschechien, wo es seit 15 Jahren diese Produktion gibt.

"Finanziell nichts machbar"

Nun traf die 59-Jährige gestern vor der dritten Kammer des Arbeitsgerichts Solingen auf ihren ehemaligen Chef, Geschäftsführer Gundolf Wüsthoff. Sie hatte mit ihrem Anwalt Ludwig Haag auf Abfindung geklagt – der bereits vorausgegangene Gütetermin verlief ergebnislos. Wüsthoff erklärte, das eine Abfindung "finanziell absolut nicht machbar sei", auch der Direktor des Arbeitsgerichts, Thomas Maercks, sah keine Gesetzesgrundlage. Die Kündigung sei rechtmäßig, in Neuenhaus habe eine "Teilbetriebsstillegung" stattgefunden. Wüsthoff sah dies schon als Sieg, obwohl die Dritte Kammer noch kein Urteil fällte. Es wird den Parteien nach der Beratung schriftlich zu gestellt.

Die Klägerin und ihr Anwalt sehen indes Chancen. Denn noch in 2011 habe es Abfindungen gegeben. Und Haag machte vor Gericht deutlich, dass wohl weitergearbeitet werde, aber eben nur an einem anderen Standort. Und er geht davon aus, dass Deweco weiter mit Gewinn produziere.

Ludwig Haag verwies auf ein Urteil des Bundesarbeitsgerichtes aus 2001, wonach eine Kündigung nicht sozial gerechtfertigt sei, wenn der Arbeitgeber Aufträge weiter annehme, also das operative Geschäft nicht endgültig aufgegeben habe. "Ich warte jetzt den Schriftsatz der Kammer ab, und dann werde ich schauen, ob wir in die nächste Instanz gehen."

Quelle: RP
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