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Handynutzung in Europa
Vodafone schafft Roaming-Gebühren weitgehend ab

Die wichtigsten Roaming-Regeln
Die wichtigsten Roaming-Regeln FOTO: dpa, Andrea Warnecke
Exklusiv | Düsseldorf. Der Telefonkonzern Vodafone Deutschland schafft für neue Kunden und für Verlängerer von Verträgen die Roaming-Aufschläge für Telefonieren und Online-Surfen in den meisten Tarifen ab. Das sagte der Vorsitzende der Geschäftsführung, Hannes Ametsreiter, in einem Gespräch mit unserer Redaktion. Von Reinhard Kowalewsky

Ametsreiter wörtlich: "Noch in diesem Monat heißt es Goodbye Roaming: Dann schaffen wir für Neukunden und Vertragsverlängerer in den meisten Tarifen die Roamingzuschläge in der EU ab." Konkret betroffen sind alle sogenannten "Red-Tarife", aber auch der 34,99 Euro im Monat kostende Smart-L-Tarif und auch Inklusiveinheiten bei CallYa-Smartphone-Tarifen (Prepaid).

Außerdem gibt es keine Obergrenzen mehr beim neuen superschnellen Standard LTE. "Ab 14. April öffnen wir unser LTE-Netz für alle Privatkunden. Sie alle können dann mit maximaler LTE-Geschwindigkeit surfen."

Mit der Tarifreform will der seit Oktober im Amt befindliche Manager Vodafone sowohl gegenüber der Telekom wie gegenüber dem Wettbewerber Telefónica Deutschland (O2) wieder stärker in Stellung bringen. Gleichzeitig passt sich der Konzern dem Trend der ohnehin sinkenden Roaming-Gebühren an.

Fotos: Neues aus der Smartphone-Welt FOTO: HTC

Die gehen zum Teil massiv nach unten, weil die Europäische Union (EU) Höchstpreise gegenüber dem Endkunden festgelegt hat. Obendrein hat sie die Telefonkonzerne verpflichtet, die gegenseitigen Verrechnungspreise zu senken, wenn Kunden einer Telefonfirma im Netz der anderen unterwegs sind.

Die Telefonkonzerne dürfen ab 30. April auf ein Gespräch im Ausland nur fünf Cent Aufpreis nehmen, für ein im Ausland angenommenes Gespräch darf nur ein Cent zusätzlich berechnet werden. Für ein Megabyte an Daten sind fünf Cent mehr fällig. Ab Juni 2017 sind Roaming-Aufschläge in der EU ganz verboten.

Anders als Vodafone, die jetzt auf diesen Trend aufspringen, ging bislang kein Unternehmen so weit, wirklich großen Teilen der Kundschaft das Netz im EU-Ausland zu Inlandstarifen zur Verfügung zu stellen.

Bei O2 erhalten Kunden bei einigen Tarifen freie Gespräche im EU-Ausland. Doch mobiles Surfen ist auf ein Gigabyte beschränkt, obwohl viele Nutzer im Urlaub deutlich mehr Daten herunterladen als zu Hause.

Bei der Telekom ist das EU-Ausland automatisch nur beim 79,99 Euro teuren Edeltarif Magenta Mobil L im Preis inbegriffen. Jetzt ist damit zu rechnen, dass der deutsche Marktführer teilweise nachzieht.

Die Vodafone-Kunden profitieren auch von einer Kräfteverschiebung innerhalb des Konzerns: Der Österreicher Ametsreiter sitzt im erweiterten Weltvorstand. Er konnte dafür werben, dass die Schwesterfirmen in Italien oder Spanien es hinnehmen, künftig keine Roaming-Gelder aus Deutschland mehr zu erhalten.

Vodafone kann leichter als Wettbewerber auf Roaming-Preise verzichten, weil kein Telefonkonzern in so vielen Ländern Europas mit eigenen Netzen vertreten ist. Das Unternehmen muss nur selten Geld an andere Firmen zahlen, wenn seine Kunden ihr Smartphone in der EU nutzen.

Harte Kritik äußert Ametsreiter an der Telekom. Die rüste ihre Ortsnetze mit der Vectoring-Technik auf und schotte sie somit für Wettbewerber ab. "Das ist ein falscher und für Deutschlands digitale Zukunft schädlicher Weg. Es darf nicht sein, dass die Telekom die Netze wieder so dominiert, wie es die Bundesnetzagentur nun erlauben will. Wir hoffen, dass die EU-Kommission da noch ein Signal Richtung Wettbewerb gibt."

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