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Ab 1. Oktober
Das sollten Sie über den neuen Medikationsplan wissen

Das sollten Sie über den neuen Medikationsplan wissen
Ein bundeseinheitlicher Medikationsplan soll die Häufigkeit gefährlicher Wechselwirkungen reduzieren. FOTO: Shutterstock/Atiwich Kaewchum
500.000 Menschen landen jedes Jahr unnötig in der Notaufnahme. Der Grund: vermeidbare Medikationsfehler. Das soll nun durch einen bundeseinheitlichen Medikationsplan geändert werden. Wie er funktioniert und welche Schwachstellen er hat, lesen Sie hier. Von Tanja Walter

Wenn Medikamente nicht gesund, sondern krank machen, dann läuft etwas schief. Als Ursache dafür haben Ärzte und Pharmazeuten vor allem Wechselwirkungen und Einnahmefehler ausgemacht. Einige Patienten nehmen bis zu 30 Arzneimittel am Tag ein.

Der neue Medikationsplan im Überblick FOTO: Klinikum Fürth

"Nicht mehr vorhersehbar"

Schon "bei drei Medikamenten sind die Wechselwirkungen nicht mehr vorhersehbar", sagt Harald Dormann, Chefarzt der Zentralen Notaufnahme am Klinikum Fürth. Ein bundeseinheitlicher Medikationsplan soll ab dem 1. Oktober mehr Transparenz und Arzneimittelsicherheit schaffen.

Dormann hat diesen Plan zwei Jahre lang gemeinsam mit 2.500 Patienten in einem Pilotprojekt getestet. Aus seiner täglichen Praxis kennt er die Probleme, die bei der Notfallversorgung auf Ärzte zukommen können. Sie müssen Patienten behandeln, deren Medikation sie nicht kennen. Oft sind es unzählige: Jeder dritte über 65-Jährige nimmt fünf oder mehr Wirkstoffe ein. "Das ist wie Russisch Roulette", sagt der Mediziner. Die Zahl derer, die dieses Spiel verlieren, ist hoch. Laut Schätzungen sterben bis zu 25.000 Menschen jährlich nicht an ihren Krankheiten, sondern an Wechselwirkungen.

Hier lesen Sie, bei welchen Medikamenten Sie mit gefährlichen Wechselwirkungen rechnen müssen.

Diese Zahl soll nun eingedämmt werden: Wer drei oder mehr Medikamente einnehmen muss, erhält ab Oktober eine gedruckte Auflistung aller Mittel mitsamt Wirkstoffen und Einnahmeanweisungen. Nach Schätzung des Wissenschaftlichen Instituts der AOK wird das bei mindestens 7,5 Millionen Deutschen so sein. Der Medikationsplan gilt als papierner Vorläufer einer Gesundheitskarte, deren Einführung für das Jahr 2018 geplant ist. Er basiert auf dem E-Health-Gesetz von 2015.

Wer erstellt den Medikationsplan?

In der Regel soll der Hausarzt den Medikationsplan ausstellen. Schließlich hat er regelmäßig Kontakt zum Patienten, überweist ihn wenn nötig an Fachärzte und wird über das Ergebnis solcher Untersuchungen informiert. Auch ein Facharzt könne den Medikationsplan ausfüllen, so Dormann. Der Patient selbst könne dann Einträge ergänzen und auch die Apotheke könne Änderungen eintragen.

Was wird auf dem Medikationsplan vermerkt?

Der Papierplan im Querformat gibt einen Überblick über Wirkstoffe, Medikamentennamen, Stärke des Präparats oder die Darreichungsform. Zudem werden die Dosierung und mögliche Hinweise zur Anwendung notiert.

Hier sehen Sie wie der Medikationsplan aussehen wird und worüber im Detail Auskunft gibt.

Wer ergänzt den Plan bei Neumedikationen?

Der Patient muss den Plan immer bei sich tragen, sobald er zum Arzt oder in die Apotheke geht. Nur so ist gewährleistet, dass alle Eintragungen in dasselbe Papier erfolgen.

Welche Probleme sehen Experten?

  • Eine Aktualisierung kann nur erfolgen, wenn der Patient seinen Plan immer dabei hat. Unabhängig davon zu welchem Arzt oder welchem Apotheke er geht. Dauerhaft ein DIN A4-großes Blatt mit sich herumtragen zu müssen aber scheint vielen lästig zu sein oder wird vergessen.
     
  • Innerhalb der Testphase in Fürth zeigte sich, "dass häufig Patienten den Medikationsplan nicht dabei hatten. Manche fanden das Format zu groß und hatten ihn darum auf Checkkartengröße kopiert", sagt Bettina Plank-Kiegele, Apothekerin im Studienteam in Fürth. Durch einen Barcode soll es möglich sein, das Papier einzulesen und zum Beispiel in der Apotheke bei der Ausgabe von Generika zu aktualisieren. Doch ist der Plan nicht dabei, bleibt nur die Möglichkeit einen neuen auszustellen.
     
  • Der Papierwust potenziert sich besonders in Fällen, in denen Menschen aufgrund von chronischen Erkrankungen beispielsweise dauerhaft Blutverdünner wie Marcumar einnehmen oder Insulin spritzen müssen. Dafür bekommen sie schon jetzt zusätzliche Medikationspläne. Dann den Überblick zu behalten wird nicht einfacher. "Wie stellen wir sicher, dass der Patient immer den richtigen Zettel in der Hand hat und wann kommt beim Hausarzt die Information an, dass weitere Medikamente hinzugekommen sind?" Diese Fragen sind für Apothekerin Isabelle Waltering ungeklärt.
     
  • Eine Schwachstelle ist der Arzneischrank zu Hause. Wer selbst den Medikamentenplan ergänzt, bannt nicht die Gefahr für Wechselwirkungen oder Überdosierung. Denn ihm fehlt die Fachkenntnis.
     
  • Auch bei rezeptfreien Medikamenten wie dem baldrian-ähnlich wirkenden Cava-Cava oder stimmungsaufhellendem Johanniskraut sind Wechselwirkungen nur dann ausgeschlossen, wenn der Patient vor der Einnahme Rat beim Arzt oder Apotheker holt.

    Das fordert dem Betroffenen zusätzliche Mühen ab und bedeutet darum ein Wagnis für den Medikationsplan.
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