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Neues Kapitel im Tourismus
Prickelnder Polarflug: Piccolo am Nordpol

Unvergessliche Eindrücke am Nordpol
Unvergessliche Eindrücke am Nordpol FOTO: Deutsche Polarflug
Düsseldorf (RPO). Bei der Premiere des Polarfluges feierten die Passagiere das Erreichen des Nordpols mit einem Glas Champagner. Und freuten sich, Pioniere der europäischen Tourismusgeschichte zu sein. Von Dagmar Dahmen

"Viel Spaß beim langweiligsten Flug des Tages!" So begrüßt ein vermeintlich witziger Mitarbeiter des Düsseldorfer Flughafen-Bodenpersonals die Passagiere des Fluges LT 9999 mit Ziel Nordpol, als sie ihre Bordkarte vorzeigen. 13 Stunden später hätten die rund 300 Polarflieger diesem Herrn liebend gern ihre unzähligen Fotos und Videos der beeindruckenden Premiere des Polarfluges präsentiert.

Dank des guten Wetters über Spitzbergen und der Ostküste Grönlands sind die Sichtverhältnisse bestens. Angela und Jens Jagst aus Leipzig haben stolze 1.099 Euro für ihre beiden Plätze in der Reihe 22 der Economy Class gezahlt – für einen Fensterplatz und den Sitz direkt daneben. Restlose Begeisterung bei dem Pärchen, das mit den beiden Elch-Maskottchen Helge und Werner im Flieger sitzt "Über diese Gegend fliegt man vielleicht nur einmal in seinem Leben. Das war es wert." Immer wieder zücken die Leipziger ihre Digital- und Videokamera. "Mir kribbelt es schon wieder in den Füßen. Ich war schon mal in Spitzbergen. Am liebsten würde ich sofort wieder hin", schwärmt Jens Jagst.

Verhüllter Nordpol

Der Nordpol spielt bei aller Euphorie der Fluggäste des Airbus A330-220 nicht ganz mit, zeigt sich ein wenig in Wolken verhüllt. Dennoch feiern die Polar-"Pioniere" das Erreichen des nördlichsten Punktes der Erde gebührend mit Champagner und Applaus. Schließlich sind sie die ersten Flightseeing-Touristen, die von Europa aus den Nordpol erreicht haben. LTU-Chefpilot Josef Moser fliegt extra mehrere Runden über den 90. Grad Nord und überquert dabei auch die Datumsgrenze. "Wenn ich da mal morgen nicht Jetlag habe", schmunzelt ein Passagier angesichts der kleinen "Weltumrundung" durch den Kapitän.

Auch für den Mann im Cockpit ist der Flug zum Nordpol eine Art Jungfernflug. So weit in den Norden ist der mit 35 Berufsjahren überaus erfahrene Josef Moser auch noch nicht geflogen. Daher hat es sich der 54-Jährige nicht nehmen lassen, die rund 300 Passagiere höchstpersönlich von Düsseldorf zur Arktis zu befördern. Immer wieder meldet sich Moser aus dem Cockpit dank einer Kamera-Live-Schaltung und weist auf die landschaftlichen Highlights hin. Mithilfe von sieben fest installierten Kameras im Cockpit können die Passagiere auch auf ihren Bildschirmen über den Sitzen einen zusätzlichen Blick auf Dänemark, Norwegen oder Spitzbergen werfen.

Unbeschreibliche Schönheit

Mit Fotoapparaten und Videokameras ausgerüstet versammeln sich die Polarflieger immer wieder an den kleinen Fenstern des Flugzeuges – sitzend oder stehend -, um die unbeschreibliche Schönheit der Arktis zu dokumentieren. Problemlos werden dabei Plätze getauscht oder auch der teuer bezahlte Fensterplatz für andere Fluggäste kurzzeitig bereitgestellt.

Schnell entwickelt sich eine Art Polarflug-Solidargemeinschaft. Bei dieser gelösten Stimmung und dem unbeschreiblichen Anblick des ewigen Eis vergisst Rita Keller aus Oberschwaben schnell ihre Flugangst. "Ab den Siedlungen von Spitzbergen hat es mich richtig gepackt. Schon erstaunlich, mit wie wenig man dort leben kann. Alles zusammen, Schnee, Himmel, Eis – das war einfach faszinierend. Jetzt ist der Südpol dran."

13 Nationen an Nord

13 Nationen waren an Bord des ersten Polarfluges von Düsseldorf zum Nordpol – darunter Spanier, Luxemburger und Polen. Veranstalter sind die LTU und die Deutsche Polarflug aus Münster. Als Beweis für die Teilnahme an der Flugexpedition zum geographischen Nordpol erhalten alle Passagiere ein Zertifikat. Jeder Polarflieger zahlt 50 Euro Klimakompensation an den Umweltschutzverein "PrimaKlima weltweit", der mit den Geldern Aufforstungsprojekte betreut.

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