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Grausamer Mord in Höxter
Wilfried W. schiebt alles auf seine Frau

Paar hält Frau in Höxter gefangen - zu Tode misshandelt
Paar hält Frau in Höxter gefangen - zu Tode misshandelt FOTO: dpa, mku gfh
Höxter. Das Paar aus Höxter hat auf seinem Bauernhof noch weitere Frauen gequält. Eine 33-Jährige wurde ermordet. Eine Frau konnte fliehen. Von Christian Schwerdtfeger

Es sind oft Nichtigkeiten gewesen, die Wilfried W. (46) auf seine Opfer einschlagen ließen. "Wenn das Messer nicht rechts, sondern links lag, reichte das als Auslöser aus für Schläge, Tritte, Misshandlungen", sagt Ralf Östermann, Leiter der Mordkommission "Bosseborn". Selbst ein so erfahrener Ermittler wie Östermann, der in seiner langen Laufbahn schon in viele menschliche Abgründe geblickt hat, ist bemüht, die richtigen Worte zu finden, die das beschreiben können, was sich jahrelang in einem Gehöft in Höxter abgespielt hat.

Neue Einzelheiten über Grausamkeiten von Höxter

Täglich werden neue Einzelheiten über die Grausamkeiten bekannt, die die Tatverdächtigen Wilfried W. und seine Frau Angelika B. (47) über Jahre hinweg mehreren Frauen auf ihrem Bauernhof angetan haben sollen. Nicht nur eine 41-Jährige ist durch wochenlange Misshandlungen durch die beiden ums Leben gekommen. Sie haben laut Polizei auch noch eine zweite Frau getötet.

Demnach brachte das Paar bereits vor zwei Jahren die Frau um, eine 33-Jährige aus Niedersachsen. Sie hatte nach Angaben der Ermittler Wilfried W. im Herbst 2013 kennengelernt und ihn dann sogar geheiratet. Wenige Monate darauf wurde sie getötet. Ihre Leiche sei, so erklärt es Oberstaatsanwalt Ralf Meyer, zunächst in einer Tiefkühltruhe eingefroren worden. Dann habe das Paar die Leiche zerstückelt und die Körperteile nach und nach in einem Kaminofen verbrannt. Die Asche haben sie anschließend in der Umgebung ihres Hauses im Örtchen Bosseborn verstreut.

Weitere Todesopfer nicht ausgeschlossen

Die Polizei schließt nicht aus, dass es weitere Todesopfer gibt. Auf jeden Fall existieren Hinweise auf noch mehr misshandelte Frauen, die Treffen mit dem Paar überlebt haben – zum Teil schwer verletzt. "Wir kennen bislang ein Opfer aus dem Großraum Berlin, das wir bereits zu dem Fall befragen konnten", sagt Östermann. Die Frau habe sich selbst bei der Polizei gemeldet, weil sie das als "Horror-Haus" bezeichnete Gehöft im Fernsehen wiedererkannt habe. "Das Leben im Haus fand überwiegend in der Dunkelheit statt, man war eher nachtaktiv", so der Ermittler. "Den Opfern wurden zum Teil büschelweise Haare ausgerissen. Oft waren sie ganze Nächte an Heizkörper oder in der Badewanne gefesselt", sagt Östermann. "Diese Aussagen haben selbst die erfahrenen Vernehmungsbeamten ziemlich mitgenommen", berichtet der Leiter der Mordkommission.

Wilfried W. bestreitet, die gegen ihn erhobenen Vorwürfe begangen zu haben. Er schiebt alles auf seine Frau Angelika B., die nach Angaben der Mordkommission bereits ein Geständnis abgelegt hat. Das Motiv soll nicht sexuell begründet gewesen sein, sondern der Polizei zufolge eher im Bereich der Machtausübung gelegen haben. "Es gibt Anhaltspunkte für sadistische Züge", so der Oberstaatsanwalt. Die Polizei hat einen Psychiater in die Ermittlungen eingebunden.

Angelika B. soll selbst misshandelt worden sein

Angelika B. sei ihrem Mann hörig gewesen und von ihm ebenfalls misshandelt worden, habe sie bei ihrer Vernehmung ausgesagt. Ihr 46-jähriger Mann, geboren in Bochum, ist einschlägig vorbestraft. Er ist bereits 1995 zu zwei Jahren und neun Monaten Haft verurteilt worden, weil er seine damalige erste Ehefrau massiv misshandelt hatte. Er ist zuletzt arbeitslos gemeldet gewesen und hat Hartz IV bezogen.

Das Paar soll die Frauen mit Kontaktanzeigen auf sein Gehöft in Höxter-Bosseborn gelockt haben. "Die beiden schalteten die Anzeigen in ganz Deutschland und in Tschechien", so Östermann. Das Paar sei dabei recht planvoll und bedacht vorgegangen. Vom Handy des im Kamin verbrannten 33-jährigen Opfers seien SMS an dessen Mutter geschickt und damit Lebenszeichen vorgetäuscht worden. Außerdem sei die Frau mit dem Hinweis, dass sie in die Niederlande nach Amsterdam umgezogen sei, beim Einwohnermeldeamt abgemeldet worden. "Ihre Mutter hat erst jetzt durch einen Anruf von uns vom Tod ihrer Tochter erfahren", sagt der Leiter der Mordkommission.

Autopanne brachte Ermittler auf die Spur

Es war eine Autopanne, die die Ermittler erst auf die Spur des Paares gebracht hatte. In der vergangenen Woche war es mit seinem Wagen liegengeblieben, als es die 41-Jährige, die wochenlang misshandelt worden war, an ihren ursprünglichen Wohnort zurückbringen wollte. Die Frau war zuvor in einem ungeheizten Raum gefangen gehalten worden und hatte auf dem Fußboden schlafen müssen. Dadurch hatte sich ihr Gesundheitszustand massiv verschlechtert. Wegen der Autopanne riefen sie den Rettungsdienst, und das Opfer kam in ein Krankenhaus, wo es starb. Zuerst hatte das Paar noch überlegt, ein Taxi zu rufen. Sie entschieden sich dann aber für einen Rettungswagen.

Die Ärzte entdeckten am Körper der Frau Spuren von Misshandlungen und schalteten die Polizei ein. Es stellte sich bei der Obduktion heraus, dass die 41-Jährige an einem Hämatom am Hinterkopf gestorben war, einer schweren Schädelverletzung, verursacht durch einen Sturz.

Die Spurensicherung hat das Wohnhaus in Höxter mit weißen Sichtschutzplanken eingezäunt. Das Gelände wird seit Tagen Zentimeter für Zentimeter mit Leichenspürhunden nach möglichen Spuren weiterer Opfer durchsucht. Die Staatsanwaltschaft rechnet damit, dass diese Arbeit bis zu 15 Tage in Anspruch nehmen könnte. Jeder Stein werde umgedreht, heißt es.

Quelle: RP
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