| 09.32 Uhr

Familienministerin Schröder im Interview
Mehr Frauen auf Chefsesseln

Kristina Schröder: Die frühere Familienministerin
Kristina Schröder: Die frühere Familienministerin FOTO: Kristina Köhler
Düsseldorf (RP). Familienministerin Kristina Schröder (CDU) plant ein Gesetz für mehr Frauen in Führungspositionen. Sie schließt im Gespräch mit unserer Redaktion auch eine Quote für Frauen in Aufsichtsräten nicht aus.

Frau Schröder, wie sieht Ihr persönliches Familienbild aus?

Kristina Schröder: Wenn ich jetzt sage, bei uns koche immer ich, dann wird das als Leitbild der Familienministerin gesehen. Und wenn ich sage, bei uns kocht immer mein Mann, dann gilt das als meine Idealvorstellung. Dabei geht es doch gar nicht darum, was ich für ein Bild habe, denn mein eigenes Familienbild spielt für meine Arbeit keine Rolle. Ich möchte den Familien ja gerade kein bestimmtes Familienbild vorschreiben. Und außerdem: Es fragt ja auch niemand den Finanzminister, wie er mit seinem Geld umgeht.

In der kommenden Woche tagt erstmals der runde Tisch zum Thema Missbrauch. Soll es am Ende eine Entschädigung der Opfer geben?

Schröder: Dazu wird die Beauftragte der Bundesregierung, die ehemalige Familienministerin Christine Bergmann, Vorschläge machen. Sie ist die Ansprechpartnerin für die Opfer. Beim Thema Entschädigung geht es ja nicht nur um Geld, es geht auch um seelische Unterstützung. Bei möglichen Entschädigungszahlungen sind für mich die Institutionen in der Pflicht, die den Missbrauch zu verantworten haben.

Der Fokus in der Öffentlichkeit richtet sich auf die katholische Kirche. Teilen Sie die Vorwürfe der Justizministerin, dass die katholische Kirche zu wenig für die Aufklärung unternimmt?

Schröder: In der Vergangenheit gab es in der katholischen Kirche in der Tat Versäumnisse, zumindest in Einzelfällen. Aber es war auch ein katholischer Pater, der durch seine mutige Aufklärung den Stein ins Rollen gebracht hat. Leider sind Misshandlungen und Missbrauch nicht nur in kirchlichen Einrichtungen zu beklagen – sondern in unterschiedlichen Bereichen wie in Internaten, in Sportvereinen aber auch in der Familie. Ich finde es daher falsch, eine Institution herauszugreifen und  an den Pranger zu stellen. Was die aktuelle Situation angeht, habe ich für die Aufklärungsarbeit der katholischen Kirche großen Respekt.

Wie wollen Sie den Kinderschutz verbessern, um Missbrauch und Misshandlung von Kindern in Zukunft zu vermeiden?

Schröder: Ich möchte bis Ende des Jahres ein neues Kinderschutzgesetz vorlegen. Damit wollen wir die Vernetzung zwischen Ärzten und Jugendämtern verbessern, indem Ärzte in den Fällen von ihrer Schweigepflicht entbunden werden, in denen sie Anzeichen von Missbrauch oder Misshandlung bei Kindern feststellen. Außerdem soll der Datenabgleich unter den Jugendämtern verbessert werden, damit Eltern nicht von einem Amt zum nächsten wechseln können.  Und: Wir brauchen dringend eine klare Regelung, wie das Jugendamt bei Hinweisen auf eine Kindeswohlgefährdung ganz konkret vorgehen soll. Kinderschutz braucht Handlungs- und Rechtssicherheit.

Müssen Lehrer, Sporttrainer und Jugendgruppenleiter besser kontrolliert werden?

Schröder: Menschen, die besonders viel und engen Kontakt zu Kindern haben, sollen in Zukunft ein erweitertes polizeiliches Führungszeugnis vorweisen müssen. Nur so kann man sicher sein, dass sie in der Vergangenheit keinerlei nachgewiesene Straftaten in Bezug auf Kinderpornographie oder sexuellen Missbrauch begangen haben. Wir als Bundesfamilienministerium können dies allerdings nur für Menschen regeln, die im Bereich der Jugendhilfe beschäftigt sind – aber nicht zum Beispiel für Lehrer und Sporttrainer. Dies müsste durch die Länder geschehen.

Der FDP-Finanzexperte Solms hat vorgeschlagen für Steuersenkungen das Elterngeld zu streichen. Er sagt, es sei eine Sozialleistung für Leute, die es nicht nötig haben. Richtig?

Schröder: Der Aussage von Herrn Solms liegt ein zweifaches Missverständnis zugrunde. Erstens: Das Elterngeld ist gerade keine Sozialleistung. Es verteilt nicht Geld von oben nach unten um. Zweitens ist es auch falsch zu behaupten, das Geld gehe an Familien, die es nicht brauchen. Im Gegenteil, den jungen Eltern bricht bei der Geburt des Kindes die Hälfte ihres Einkommens weg, während die Kosten erst einmal steigen. Gerade junge Akademiker verdienen heute schlechter als in den vergangenen Jahrzehnten, ihre Kaufkraft ist schwächer. Da ist es lebensfern zu sagen, die Eltern bräuchten das Geld nicht.

Die Frauenunion hat sich für eine Quote in Aufsichtsräten ausgesprochen. Machen Sie sich das zu eigen?

Schröder: Für mich ist die Quote in Aufsichtsräten eine ultima ratio. Das heißt, ich schließe eine Quote für Aufsichtsräte nicht aus. Grundsätzlich bin ich von der Quote aber nicht begeistert, denn sie doktort nur an den Symptomen herum ohne die Ursachen zu bekämpfen.

Wie können Sie dann mehr Frauen in Führungspositionen bringen?

Schröder: Ich will eine Veröffentlichungspflicht einführen, die zeigt, wie viele Frauen in dem jeweiligen Unternehmen in Führungspositionen arbeiten. Öffentliche Rankings werden die Unternehmen unter Druck setzen, Frauen zu fördern und familienfreundliche Arbeitsbedingungen zu bieten. Davon verspreche ich mir eine deutlich bessere Beteiligung von Frauen in Führungspositionen.

Wollen viele Frauen vielleicht auch einfach nicht Chefin werden. Oder ist das Chauvi-Gerede?

Schröder: Nein, aber wir müssen uns die Gründe ansehen. In vielen Führungsetagen sind die zeitlichen Anforderungen so, dass sie sich mit familiären Aufgaben nicht verbinden lassen. Das wollen Frauen meist noch weniger als Männer. Deswegen wäre sehr viel gewonnen, wenn auch die Männer häufiger sagen würden: Wir akzeptieren nicht, dass ein Meeting unbedingt abends um 19 Uhr stattfinden muss.

Das Land diskutiert über die Rente mit 67. Wie beurteilen Sie die Lage als Seniorenministerin: Kann der Dachdecker, der keine Ziegel mehr schleppen kann, eine Alternative finden?

Schröder: Die Welt besteht ja nicht nur aus Dachdeckern. Aber der Handwerker, der seinen Beruf aus körperlichen Gründen nicht mehr ausüben kann, möchte stattdessen vielleicht Büroarbeit übernehmen – und nicht zum alten Eisen zählen.

Viele Senioren, die bereits im Ruhestand sind, möchten gerne noch etwas tun. Wie können die sich sinnvoll betätigen?

Schröder: Wir müssen in der Arbeitswelt mehr Modelle schaffen, dass die Menschen länger arbeiten können, wenn sie das wollen. Darüber hinaus möchte ich die Freiwilligendienste für alle Generationen ausbauen. Das funktioniert in einigen Kommunen schon sehr gut. In anderen Kommunen müssen sich die freiwillig arbeitenden Senioren dagegen wie Sauerbier anbieten. Das werden wir besser organisieren. Da müssen Mindeststandards festgelegt und versicherungsrechtliche Fragen geklärt werden. Viele Senioren möchten sich engagieren – und es ist doch schön, wenn der Handwerker auf seine alten Tage nicht allein im Heim sitzt, sondern die Kinder für seinen Beruf begeistert – etwa indem er mit ihnen Vogelhäuser bastelt.

(born)
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