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Amphetamin nach Finnland verkauft
Haftstrafen für sechs Bandidos

Hintergrund: Das bedeuten die Symbole auf den Kutten
Hintergrund: Das bedeuten die Symbole auf den Kutten FOTO: dpa
Münster. Sechs Rocker der Bandidos aus dem Münsterland sollen jahrelang mit Marihuana und Amphetamin gehandelt haben. Ein Kronzeuge hatte die Männer beschuldigt. Am Freitag hat das Landgericht die Urteile gesprochen.

Die Drogen schwappten in mit Geschenkpapier umwickelten Wodkaflaschen, die Zöllner merkten nichts: Eine Gruppe von Mitgliedern des Rocker-Clubs Bandidos soll mehrmals selbst hergestelltes Amphetaminöl aus dem Münsterland nach Finnland geschmuggelt haben. Am Freitag wurden sechs Männer vom Landgericht Münster zu Haftstrafen von dreieinhalb bis neun Jahren verurteilt.

Die Ermittlungen gegen das Steinfurter Bandidos-Chapter "Stone City" waren ins Rollen gekommen, nachdem ein früheres Mitglied bei der Polizei umfangreich ausgesagt hatte. Der Mann wurde inzwischen ins Zeugenschutzprogramm aufgenommen. Im Prozess vor dem Landgericht Münster wurde er an insgesamt vier Tagen vernommen.

Die Verteidiger der sechs ehemaligen und aktiven Bandidos waren auch danach noch davon überzeugt, dass der Mann bei seinen Angaben zu den Geschäften mit illegalen Drogen in weiten Teilen übertrieben und gelogen hat. Die Richter sagten jedoch: "Der Kronzeuge war am Ende nur eines von vielen Puzzlestücken, die zur Verurteilung geführt haben."

Rocker: So haben sich die Mitgliederzahlen entwickelt FOTO: RP

Neben den Geschäften mit Amphetaminöl, das für befreunde Bandidos in Tampere bestimmt gewesen sein soll, sollen die Angeklagten auch intensiv Handel mit Marihuana betrieben haben. Laut Urteil wurde das Rauschgift zunächst auf mit Sand beladenen Anhängern aus den Niederlanden geholt. Später sollen die Rocker auch hier vom Dealer zum Eigenproduzenten geworden sein. Nach Ansicht der Richter geht der Betrieb von insgesamt vier Marihuana-Plantagen in Nordrhein-Westfalen und Brandenburg auf das Konto der Angeklagten.

Im Mai 2015 hatte sich die Polizei zum Zugriff entschlossen: Bei einer europaweiten Razzia wurden gleichzeitig rund 40 Objekte in Deutschland, den Niederlanden und Finnland durchsucht. Dabei konnten die Beamten neben Rauschgift und Bargeld auch Schlagringe, scharfe Schusswaffen und sogar eine Handgranate sicherstellen. Der Prozess dauerte über fünf Monate. Die Richter haben über 70 Zeugen vernommen, sieben Gutachter befragt und Hunderte mitgeschnittener Telefongespräche angehört.

 

(top/lnw)
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