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Köln/Düsseldorf
Junikäfer irritieren Städter - "harmlose Torkelkäfer"

Junikäfer irritieren Städter am Rheinufer in Düsseldorf und Köln
Junikäfer ähneln Maikäfern. FOTO: dpa, tho axs rho
Düsseldorf. Am Rheinufer in Köln und Düsseldorf tauchen sie derzeit regelmäßig auf, wenn die Dämmerung eintritt: Junikäfer schwärmen bei den hochsommerlichen Temperaturen abends zu hunderten aus. Die brummenden Verwandten des Maikäfers sind auffällig, aber völlig harmlos.

Die idyllische Abendstimmung auf der Wiese wird  plötzlich getrübt: Hunderte große, brummende Käfer tauchen wie aus dem Nichts auf und fliegen scheinbar unkoordiniert umher. Vor allem in Großstädten sind Menschen irritiert, ängstlich oder laufen den Insekten mit Schmetterlingsnetzen kreischend hinterher. Die sogenannten Junikäfer sind Verwandte der Maikäfer und auf Paarsuche.

"Junikäfer sind völlig harmlos", sagt Rainer Michalski vom Naturschutzbund Nabu Hessen. "Sie landen aber schon mal aus Versehen auf der Fensterscheibe, dem Grill oder im Bier." Wegen ihres unkoordinierten Flugs würden sie auch "Torkelkäfer" genannt. Deshalb und wegen des brummenden Flügelschlags der behaarten Käfer entstünde bei manchem der Eindruck, er werde angegriffen.

"Wir sind eine Millionenmetropole, da irritiert manchmal alles, was Natur ist", sagt Derk Ehlert von der Berliner Senatsverwaltung schmunzelnd. "Sie beißen und stechen aber nicht", betont Klaus-Dieter Klaas vom Forschungsinstitut Senckenberg in Dresden. Überall in Deutschland, unter anderem im Frankfurter Grüngürtel oder auf dem Tempelhofer Feld in Berlin, sind die Krabbler unterwegs. 

Die Insekten orientierten sich bei ihrem Schwarmflug am Horizont und flögen auf etwas Hohes wie Bäume oder Häuser zu, sagt Käferspezialist Günter Hofmann aus dem unterfränkischen Stockstadt am Main. Da könne es auch schon mal passieren, dass sie bei einem Erwachsenen in den Haaren landeten.

Als Junikäfer werden nach Einschätzung von Fachleuten eine ganze Reihe von mit dem Maikäfer verwandte Arten bezeichnet. Am häufigsten und bekanntesten sei der Gerippte Brachkäfer. Acht Arten dieses Amphimallon solstitiale seien in Deutschland nachgewiesen, sagt Lutz Behne vom Institut Senckenberg. Die meiste Zeit lebten sie als Larven in der Erde, eine Delikatesse für Wildschweine. Die Entwicklungsdauer der Käfer betrage im Durchschnitt zwei Jahre, hänge aber von der Bodenart und den Temperaturen ab.

"Sie werden erst als Rentner so richtig hübsch und fliegen aus", beschreibt es Ehlert. Von Juni bis August sind die erwachsenen Käfer zu beobachten. "Wenn sie Glück haben, leben sie drei bis vier Wochen.
Im Juli werden es schon schlagartig weniger", sagte Michalski vom Nabu. Wie viele Insekten wählten die Junikäfer - aus Schutz vor Vögeln - die Dämmerung für ihre Paarungsflüge. Aufgabe der Käfer sei es, sich zu paaren und die Eier im Boden abzulegen, bevor sie sterben. Dabei fressen sie vor allem Blätter von Laubbäumen.

"Die Larven fressen andauernd, die Käfer nicht mehr viel", sagt Bernd Hannover vom Nabu Hessen. Anders als der Maikäfer finde sich der Gerippte Brachkäfer eher auf Wiesen und im Brachland. Trockener Rasen könne ein Zeichen für die Larven sein. Ihre Fraßschäden hielten sich aber in Grenzen.

Ob die Käfer 2015 häufiger sind als sonst, können die Fachleute nicht sicher sagen. "Es gibt immer wieder Jahre, in denen das ein bisschen kulminiert", sagt Käferforscher Hofmann. Möglicherweise hätten die vergangenen milden Winter einfach mehr Larven überleben lassen. Außerdem gebe es erhebliche regionale und lokale Unterschiede. Fest steht, dass den Tieren die Klimaerwärmung zu gute kommt. "Sie fliegen erst ab einer bestimmten Temperatur", sagt Käferforscher Behne. "Und nicht bei Regen", ergänzt Hofmann: "Der heiße Sommer ist für sie genial." 

(dpa)
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