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Vor zehn Jahren
Dinslakener waren unter den ersten Helfern im Hurrikaneinsatz

Fotos: Hurrikan "Katrina" - Zehn Jahre danach
Fotos: Hurrikan "Katrina" - Zehn Jahre danach FOTO: ap
Dinslaken. 2005 schickte das Technische Hilfswerk Dinslaken drei Mitglieder in die USA. Nach dem tropischen Wirbelsturm Katrina, der damals enorme Verwüstungen angerichtet hatte, waren sie als erste Helfer aus dem Ausland vor Ort. Von Florian Langhoff

Als wäre es gestern gewesen, erinnert sich Wolfgang Dappers, der Ortsbeauftragte des THW, an den Anruf, der ihn nach der Hurrikane-Katastrophe im Jahre 2005 erreichte. "Mir wurde gesagt, dass das THW Pumpen in die USA liefern wird und wir uns bereithalten sollen", erzählt er. Wenig später kam dann der Aufruf zum Einsatz. Reisepässe mussten beschafft und Impfmaterial besorgt werden, schließlich ging es für Stefan Linke, Udo Wawerek und Daniel Kleinbölting nach Frankfurt. "Wir sind dann in einer Militärmaschine zwischen der Ausrüstung in Richtung USA gereist", erinnert sich Udo Wawerek. Aber nicht direkt nach New Orleans, sondern erst über den Flughafen Newark zu einer Militärbasis in Charleston. Von dort aus ging es dann zum Einsatz in die vom Hurrikane Katrina verwüstete Stadt im US-Bundesstaat Louisiana. Dieser Hurrikan ist als eine verheerendsten Naturkatastrophen in der Geschichte der Vereinigten Staaten eingegangen.

"Man hat die Zerstörung sofort gesehen. Teilweise waren nur noch Bodenplatten da, wo vorher Gebäude gestanden hatten", erzählt Daniel Kleinbölting. "Trotz der Zerstörung und des Chaos hatten die Amerikaner aber noch alles ganz gut organisiert", kommentiert Udo Wawerek die Lage von damals. Das THW aus Dinslaken zählte zu den ersten Hilfsorganisationen von außerhalb der USA, die vor Ort halfen und ziemlich frei agieren konnten. "Sobald wir ihnen vermittelt hatten, dass wir ehrenamtliche Helfer sind, die für ihren Einsatz kein Geld bekommen, haben wir quasi alles von ihnen bekommen", erzählt Daniel Kleinbölting. Schnell lernten die Amerikaner, das Improvisationstalent und die technischen Fähigkeiten der Helfer aus Deutschland zu schätzen. "Unsere Leute sind alle Ehrenamtler, die hauptberuflich in Unternehmen arbeiten. Daher sind sie auch immer auf dem neusten Stand der Technik", erklärt Wolfgang Dappers.

Vor Ort waren die Helfer aus Dinslaken vor allem mit Pumpen und der Wiederherstellung der Infrastruktur beschäftigt - mit ganz eigenen Gefahrensituationen. "Udo hatte eines Morgens Alligatoren unter seiner Pumpe", berichtet Daniel Kleinbölting. Heute kann Udo Wawerek darüber lachen. "Man hat uns vorher instruiert, was für Risiken uns erwarten. Zum Beispiel, dass unter Steinen mal eine Schlange oder ein Skorpion lauern kann." Von einem Alligator war nicht die Rede. Dreieinhalb Wochen waren die Helfer aus Dinslaken damals vor Ort, bevor sie von einem anderen THW-Team abgelöst wurden. "Das war aber auch nötig bei der Zerstörung, die dort herrschte", sagt Udo Wawerek.

Er selbst bekam die Dankbarkeit der Amerikaner für seinen Einsatz noch Jahre später zu spüren, als er erneut in die USA reiste. "Mein Name war anscheinend noch im Computer gespeichert als Katrina-Helfer", sagt er. "Ich musste im Konsulat nicht, wie andere, auf ein Visum warten und alle möglichen Menschen haben sich noch mal dafür bedankt, dass ich da war", erzählt er. Und auch während seines erneuten Aufenthalts dort dankten ihm die Menschen, mit denen er ins Gespräch kam, immer wieder für seinen Einsatz.

Einen positiven Eindruck hinterließen die Mitglieder des THW Dinslaken nicht nur in den USA. Auch in Rumänien, Polen und Frankreich waren die Helfer schon unterwegs - und in vielen Orten in Deutschland. Meistens, um die Nachwirkungen von Hochwasser oder extremen Wetterlagen anzugehen. "Wir stellen fest, dass die Einsätze, die mit extremen Wetterlagen zu tun haben, immer häufiger werden", sagt Zugführer Maik Schmitz. Für den Einsatz der ehrenamtlichen Kräfte müssen schließlich auch deren Familien mitspielen und die Arbeitgeber, die oft mehrere Tage oder Wochen auf ihre Mitarbeiter verzichten müssen. "Die meisten unterstützen uns da, aber manchmal geht es auch einfach nicht", erklärt Wolfgang Dappers.

Und natürlich braucht man das ehrenamtliche Engagement für die Arbeit des THW. Hier kämpft die Organisation mit dem Wandel in der Arbeitswelt und beim Freizeitverhalten. "Wenn Menschen dann noch freiwillig herkommen, um zu helfen, dann muss man ihnen das hoch anrechnen", sagt Maik Schmitz. Daher ist die Nachwuchsarbeit dem THW auch wichtig. In der Jugendabteilung gibt es mittlerweile 20 Jugendliche, darunter auch sechs Mädchen. Im Alter ab zehn Jahren können sie anfangen, bevor sie mit 15 oder 16 auch mit den Erwachsenen zusammenarbeiten. "Da wissen die Jugendlichen, was auf sie zukommt - und sie freuen sich darauf", sagt THW-Mitglied Sarah Glombiowski. Der Ortsverband Dinslaken des THW wird also wohl auch in naher Zukunft ein schlagkräftiges und eingespieltes Team bleiben.

Quelle: RP
 
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