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Dinslaken
"Konzert zwischen den Jahren" begeistert

Dinslaken: "Konzert zwischen den Jahren" begeistert
Das letzte Mal unterm Sternenhimmel: Die Junge Philharmonie Köln unter der Leitung von Volker Hartung in der Kathrin-Türks-Halle. FOTO: Markus Joosten
Dinslaken. Publikum feiert die Junge Philharmonie Köln vor der Schließung der Kathrin-Türks-Halle. Von Bettina Schack

Und irgendwann war es doch wie immer: Volker Hartung geht in die Pause, während seine Junge Philharmonie Köln noch munter Johann Strauß' "Perpetuum mobile" tuckern lässt, eine halbe Stunde später nimmt er das Publikum im ausverkauften Saal mit "An der schönen blauen Donau" in Empfang. Aber der Abend endet mit Offenbachs quirligem Cancan, nicht mit dem Radetzky-Marsch. Und damit ist es bestätigt: Das hier war tatsächlich nicht wie in 18 Jahren zuvor das traditionelle Neujahrskonzert der Volksbank Dinslaken, sondern ein "Konzert zwischen den Jahren". Ein geschickter Schachzug, der Schließung der Kathrin-Türks-Halle ein Schnippchen zu schlagen und das Publikum, das sich ja schon seit Anfang des Jahres auf die ursprünglich für den 8. Januar 2016 angesetzte Veranstaltung gefreut hat, nicht zu enttäuschen. Denn Volker Hartungs Mix aus Walzerseligkeit und 19. Jahrhundert-Virtuosentum reißt die Menschen in der Kathrin-Türks-Halle jedes Mal zu Begeisterungsstürmen hin. Dieses Mal glänzten der blutjunge Konzertmeister Artem Kononov (Violine), Miltos Mumulides (Klarinette) und Ion Malcoci (Panflöte) als Solisten.

Rossini ist ein Stammgast in den Programmen der Jungen Philharmonie. In der "Rossiniana" des polnischen Komponisten Karol Kurpinskis brillierte Miltos Mumulides mit ausdrucksvollem Ton und erstaunlicher Fingerakrobatik. Pablo de Sarasate steht gleichermaßen für Virtuosität und Leidenschaft. Er ließ die Violine glühen und brachte damit das Publikum zum Schmelzen.

Artem Kononov beherrscht sein effektvolles Spiel voll seufzender Glissandi, resonanzvoller Tremoli und glasklarer Flageoletts perfekt. Sarasates "Zigeunerweisen" kombinieren Spieltechnik demonstrierende Variationen, lyrische Melodien und schließlich ein Feuerwerk an Rhythmus. Im letzteren sind sie mit der Rumänischen Rhapsodie vergleichbar. Ion Malcoci bearbeitete die Zusammenstellung traditioneller Volksmusik für sein Instrument: die Panflöte. In der Schlusskadenz lässt er sie wie Vogelstimmen zwitschern - und das Orchester greift das Spiel mit den Klängen auf.

Für den typischen Balkan-Klang sorgt innerhalb des Orchesterapparats Andrei Pavlinciuc am Zymbal. Das tischgroße Instrument ist eine Art Hackbrett und wird wie dieses mit löffelartigen Holzschlegeln zum Klingen gebracht. Pavlinciucs Können wird allerdings noch an anderen Stellen im Konzert gebraucht: In den "Geschichten aus dem Wienerwald" von Johann Strauß ersetzt das Zymbal die Zither und im "Blumenwalzer" aus Tschaikowskis "Nussknacker" - Hartungs Reminiszenz an Weihnachten - übernimmt das Zymbal den Harfen-Part.

Mit "Gold und Silber" von Franz Lehár endet das offizielle Programm, um mit der ersten Zugabe das Publikum zu überraschen. Hartung greift zur Violine, einer der beiden Kontrabassisten zur E-Gitarre: Balkan-Jazz, auch das beherrschen die Solisten meisterlich. Das Publikum jubelt und genießt.

Quelle: RP
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