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Dormagen
CDU: Ministerpräsidentin versagt bei Organisation der Flüchtlingshilfe

Dormagen. In einem offenen Brief an Ministerpräsidentin Hannelore Kraft (SPD) kritisiert CDU-Fraktionsvorsitzender André Heryschek Kurzfristigkeit und Informationslücken bei der Anordnung, 150 Flüchtlinge in der Stadt unterzubringen: "Dass den Verantwortlichen der Stadtverwaltung dies erst am selben Tag gegen Mittag mitgeteilt worden ist", halte er für unzumutbar. "Als Haushaltssicherungskommune fühlen wir uns allein gelassen", so Heryschek, der erklärte, dass er gern im Rat die Entscheidungen getroffen, die Bevölkerung frühzeitig informiert und die Infrastruktur bereitgestellt hätte: "All dies konnte durch das Organisationsversagen Ihrer Landesregierung, das bereits seit Monaten offenkundig ist, nicht gewährleistet werden." Er kritisierte, dass NRW nicht die Kosten für alle Flüchtlinge komplett übernehme. Von Carina Wernig

Derweil reißt die Hilfsbereitschaft für die 150 Flüchtlinge, die in Dormagen in der vorläufigen Notunterkunft im Auftrag des Landes untergebracht sind, nicht ab. Immer wieder bringen Dormagener Kleidung, Handtücher, Windeln und andere benötigte Sachen zur Realschule am Sportpark oder zur Turnhalle, wo seit Montagabend auf Geheiß des Landes der Platz für die 150 Flüchtlinge eingerichtet ist. "Ich bin überwältigt, wie groß die Hilfsbereitschaft der Dormagener ist, die Sachspenden abgeben oder sich als Ehrenamtliche melden", sagte Bürgermeister Erik Lierenfeld (SPD). Bei der Stadt unter 02133 257-600 oder per Mail an asyl@stadt-dormagen.de können Hilfsangebote gemacht werden und es kann erfragt werden, welche Dinge gerade benötigt werden. "Es macht mich stolz und glücklich, wie viele Dormagener sich für die Flüchtlinge engagieren", betonte Lierenfeld.

Angeordnet für "vorerst drei Wochen" durch die Bezirksregierung, könnte sich die Notunterkunft in ihrer Belegung auch kurzfristig verändern, da die Flüchtlinge in der Regel nur einige Tage bleiben. "Dazu haben wir zurzeit keine weiteren Informationen, so wie wir auch nur kurzfristig erfahren werden, dass Flüchtlinge zu anderen Stellen transportiert werden müssen oder wir dafür neue Flüchtlinge erwarten", erläuterte Lierenfeld die logistischen Probleme am Dienstagabend den Teilnehmern des "Runden Tisches Dormagen", die die Flüchtlinge noch mehr unterstützen möchten. Nun gebe es ein Betreuungsproblem, da alle vier Organisationen keine Kapazitäten mehr frei hätten. "Für die nächsten vier Tage bekommen wir vier zusätzliche DRK-Kräfte, danach müssen neue Lösungen her, um den Menschen ein gutes Umfeld zu bieten." Ärztliche Untersuchungen, auch im Kreiskrankenhaus, seien gut organisiert. "Ein Mann ging auf Krücken, weil er seit zwei Monaten einen gebrochenen Fuß hatte", erläuterte Dr. Norbert Sijben, der mit einigen Kollegen vom Praxisnetz Dormagen die Flüchtlinge in der Unterkunft untersuchte.

Eine Turnhalle als Quartier herzurichten - die Kosten für die Unterbringung trägt das Land -, sei die einzige Möglichkeit gewesen, in der geforderten Zeit von offiziell sechs Stunden die 150 Plätze herzurichten, wie Lierenfeld erklärte: "Ich habe immer gesagt, ich will keine Menschen in Turnhallen unterbringen - als Stadt mache ich das auch nicht, nur als Amtshilfe für das Land." Die regulär ihr zugewiesenen Flüchtlinge leben in drei Wohnheimen und 17 Wohnungen - Ende der Woche werden es 404 sein.

Quelle: NGZ
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