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Dormagen
Direktoren fordern Ruhe in der Schullandschaft

Dormagen: Direktoren fordern Ruhe in der Schullandschaft
G8 oder G9? Das ist hier die Frage. FOTO: dpa, awe mov lof sja
Dormagen. Abitur nach acht oder neun Jahren? Die Diskussion um G8 und G9 wird hitzig geführt. Was sagen Dormagens Schulleiter zu dem Hin und Her? Von Anneli Goebels

Rückkehr zur neunjährigen Schulzeit, jede Schule entscheidet selbst, ob sie Abitur nach acht oder neun Jahren anbietet, oder aber parallel laufende Systeme an einem Gymnasium - entschieden ist noch nichts und wird es auch vor der Landtagswahl im Mai 2017 nicht. Zumindest das ist ein Ergebnis der vorerst letzten Sitzung des "Runden Tisches zu G8/G9" der Landesregierung. Also erst einmal weiter Ungewissheit und Unruhe im Schulalltag, auch in Dormagener Gymnasien. Er hält eine Rückkehr zu G9 für illusorisch. Theodor Lindner, Schulleiter des Bettina-von-Arnim-Gymnasiums, spricht klare Worte: "Die Triebkraft, wieder G9 ins Gespräch zu bringen, kommt von der Sorge der Eltern, dass durch G8 zu viel Druck auf die Schüler ausgeübt wird. Ich glaube, dass eine Verlängerung um ein Jahr das nicht ändert."

Unabhängig von G8 oder G9 müsse seiner Meinung nach der Druck generell herausgenommen werden. Wie? "Durch eine gute Schulorganisation und dadurch, dass wir ein Umfeld schaffen, in dem man sich entspannt fühlen kann", so Lindner. Hin- und hergerissen ist Hans-Jürgen Niehaus, Vorsitzender des Dormagener Vereins Stadt-Eltern. Er kennt beide Seiten, seine Tochter habe in neun Jahren Abitur gemacht, die Söhne in acht. "Ich hatte nicht den Eindruck, dass die Jungs stärker belastet waren", sagt Niehaus, der aber eine Änderung für sehr sinnvoll hält: "Die zweite Fremdsprache soll erst wieder in Klasse 7 einsetzen." Eine generelle Umwandlung von G8 zu G9 hält der Familienvater für sehr fragwürdig. "Die Schulen habe doch gerade erst den Weg zu G8 gemacht. Eine erneute Umstrukturierung wäre doch ein riesiger Kraftakt"

Das sieht Johannes Gillrath, Schulleiter des Norbert-Gymnasiums, ähnlich. "G8 beizubehalten schafft Ruhe, und die brauchen wir dringend", sagt er. Eine "Mischlösung", also beide Möglichkeiten anzubieten, hält der Pädagoge für sehr problematisch. "Darunter würde klar die Vielfalt der Kurse leiden", erklärt Gillrath. "Wir sind schon eine große Schule mit jeweils 160 Schülern in jedem Oberstufenjahrgang. Würden wir die in G8- und G9-Schüler aufteilen, wären die Wahlmöglichkeiten sehr eingeschränkt."

Dass die Diskussion um die beiden Modelle endlich aufhören müsse, das ist die klare Meinung von Herbert Kremer, Schulleiter des Leibniz-Gymnasiums. Sein favorisiertes Modell: "Die Sekundarstufe I soll sechs Jahre dauern, die Oberstufe flexibel zwei oder drei Jahre." In neun regulären Jahren zum Abi - das ist in Dormagen zurzeit nur an der Bertha-von-Suttner-Gesamtschule in Nievenheim möglich. Deren Leiter, Dirk Rimpler, ist froh, dass es diese zwei Modelle gibt: G9 an den Gesamtschulen, G8 an den Gymnasien. "Ich würde es begrüßen, wenn es so bleibt, wie es jetzt ist", sagt er. Schüler sollten einfach die Wahl haben, sich für ein Modell und zu entscheiden.

Und was sagen Schüler zu der Diskussion? "Ich finde es besser, neun Jahre aufs Gymnasium zu gehen. Das eine zusätzliche Jahr ist einfach nötig, um erwachsen zu werden", sagt die 17-jährige Tasia Tempel. Viele wüssten nach dem Abi gar nicht, was sie machen sollten und gingen erst einmal ins Ausland oder entschieden sich für ein Freiwilliges Soziales Jahr. Genau das ist nach der Meinung von Jan Mau (16) doch das Gute an G8: "Man hat ein Jahr Zeit, Anderes kennenzulernen und ist nicht mehr an die Schule gebunden."

Quelle: NGZ
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