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Dormagen
Kammerchor meistert ein Riesen-Pensum

Dormagen. Unter der Leitung von Bert Schmitz präsentierte der Chor die sechs Kantaten des Bach'schen Weihnachtsoratoriums. Von Christian Oscar Gazsi Laki

Aus dem weihnachtlichen musikalischen Reigen sind Aufführungen von Johann Sebastian Bachs Weihnachtsoratorium nicht wegzudenken. Sie tauchen die Adventszeit in barocken Glanz. Diesen Glanz auf authentische Weise herauszuarbeiten, haben sich Bert Schmitz und sein Kammerchor an der Basilika Knechtsteden auf die Fahnen geschrieben. Schön, welch ausbalancierten und dennoch vollen Klang der kompakte Chor kultiviert und mit überraschender stimmlicher Agilität aufwartet.

Nun ist es mit der "authentischen" Aufführungspraxis so eine Sache. Wer wollte von sich behaupten, diesbezüglich den Stein der Weisen gefunden zu haben? Doch überzeugend historisch informiert präsentierte man, unterstützt durch das Kölner Orchester Concert Royal, das gesamte Werk, also alle sechs Teile.

Ein großes Pensum sowohl für die Ausführenden als auch für die Aufmerksamkeitsspanne der Zuhörer. Allerdings wählte man eine sehr gelungene Form: zwei voneinander, auch getrennt, besuchbare Blöcke. Für diejenigen, die sich die vollumfängliche Pracht des Oratoriums gönnen wollten, gab es zudem in einer ausgedehnten Pause die Gelegenheit für eine kulinarische Stärkung auf dem Klostergelände. Das tat gut, um anschließend bei den Kantaten IV-VI die Konzentration bis zuletzt aufrecht erhalten zu können.

Wird es auch seltener gewagt, so gibt es gute Gründe, das Chorwerk als Gesamtes zu spielen. In den sechs Kantaten erwartet den Zuhörer eine überwältigende, sowohl kompositorische als auch emotionale Vielfalt, die in der Knechtstedener Basilika Sänger und Instrumentalisten überzeugend zur Entfaltung brachten. Auch Dank dem Dirigat von Bert Schmitz, der um Präzision bemüht war, Dinge aber auch einmal laufen ließ. Das Concert Royal, ein um ein Bläserensemble herum gewachsenes komplettes Barockorchester, bot nicht nur dem Chor einen angenehm federnden, aber zugleich geerdeten Nährboden. Auch die Gesangssolisten konnten sich in weiten Teilen auf die instrumentale Umrahmung verlassen. So Nadine Balbeisis fragiler feinkörnig timbrierter Sopran. Altus Arnon Zlotnik fügte sich perfekt in den historisierenden Gesamtklang. Schön und weich seine Tiefen, glänzend vollmundig die gehaltenen Höhen. Lothar Blum, ein - wie üblich - schlanker Evangelist. Doch dankenswerter Weise verlor er nicht wie manche seiner Kollegen die Bodenhaftung. Baritonal, durchweg am stimmigsten, präsentierte sich allerdings Bass Erik Sohn.

Zu Recht gab es in der Basilika viel Applaus für diesen rundherum auf einem hohen Niveau bleibendem Abend.

Quelle: NGZ
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