| 00.00 Uhr

Dormagen
Stadt muss Einwohnerprognose ändern

Dormagen: Stadt muss Einwohnerprognose ändern
Mehr als 1100 Flüchtlinge leben derzeit in Dormagen. FOTO: Georg Salzburg
Dormagen. Die Arbeitsgruppe Demografie wird am 17. März im Hauptausschuss neue Handlungsempfehlungen auf den Tisch legen. Sie orientieren sich am Bevölkerungswachstum durch den Flüchtlingsstrom. Über 70.000 Bürger sind möglich. Von Klaus D. Schumilas

Mehr als 1100 Flüchtlinge leben in der Stadt. Wie viele es in diesem Jahr noch werden, kann zurzeit niemand sagen. Klar ist nur, dass viele von ihnen hier bleiben werden, Dormagen für sie zur neuen Heimat wird. Das hat Folgen, vor allem für die Demografie. Die muss von Kerstin Belitz, die im Rathaus das Thema Demografischer Wandel bearbeitet, neu geschrieben werden. Als 2010 eine Bevölkerungsprognose für 2030 erstellt wurde, wurden für die Stadt 59.141 Einwohner angenommen. Fünf Jahre später sieht die aktuelle Prognose für 2030 stattdessen 66.207 Einwohner - also über 7000 Einwohner mehr. "Wir rechnen mit Mittelwerten", sagt Belitz, "wie viele Menschen es tatsächlich sein werden, kann heute niemand sagen." Ende letzten Jahres wurden 64.838 Einwohner gezählt.

Grafik

Es gibt eine eigene Arbeitsgruppe, bestehend aus Verwaltungsmitarbeitern und Vertretern der politischen Fraktionen, die unter externer Moderation das Thema Demografie bearbeiten. Aus diesem Kreis wird es in der nächsten Sitzung des Hauptausschusses eine umfassende Darstellung der demografischen Situation geben. So viel steht fest: Von einem Rückgang der Bevölkerung ist überhaupt keine Rede mehr. "Bislang galt immer", sagt Belitz, "dass wir weniger, älter und bunter werden. Den Rückgang kann man so nicht mehr sehen, das Älterwerden bleibt und die bunter werdende Gesellschaft ist überdeutlich. Wir können von einer Internationalisierung der Gesellschaft sprechen." Es sind zwar auch EU-Ausländer, die in Dormagen heimisch werden, aber zu einem größeren Teil macht der Flüchtlingsstrom die Wende in der Prognose aus. Lag der Wanderungssaldo (Verhältnis von Weg- und Zuzügen) 2013 noch bei 240 Menschen, so waren es 2014 schon 542 und im vergangenen Jahr 1391. Wie viele Flüchtlinge tatsächlich dauerhaft in Dormagen bleiben werden, darüber kann nur spekuliert werden.

Die Folgen betreffen alle Lebensbereiche: Kita, Schule, Wohnen, Arbeit. "Vor Jahren wurde in der Politik noch darüber diskutiert, die Infrastruktur zu reduzieren", sagt Bürgermeister Erik Lierenfeld, "also Sportplätze und Grundschulen zu schließen, Kitaplätze abzubauen. Diese Haltung hat sich deutlich gewandelt." Konstante Bevölkerungszahlen oder auch ein Wachstum bedeuten eine Auslastung der vorhandenen Infrastruktur, von Kanälen bis zu Schulräumen. Aber es muss auch investiert werden, macht Lierenfeld deutlich: "Derzeit wird der Kindertagesstätten-Bedarfsplan aufgestellt. Da wird es auch um An- oder Neubauten gehen." Am Sportplatzkonzept will man allerdings festhalten, das heißt Modernisierung bei gleichzeitigem Verzicht auf Aschenplätze.

"Wir haben eine Internationalisierung der Gesellschaft", sagt Demografie-Expertin Kerstin Belitz. FOTO: "Tinter, Anja (ati)"

Lierenfeld bezeichnet es als schwierig, langfristig zu planen, wenn es nicht um Stadtplanung geht. Zum einen, "weil es Politik schwerfällt, Entscheidungen über eine Wahlperiode hinaus zu treffen, zum anderen wissen wir einfach nicht, wie sich die Bevölkerungszahl entwickelt". Er hält es für möglich, dass Dormagen im Jahr 2030 bei 75.000 Einwohnern liegen könnte.

Quelle: NGZ
Diskussion
Das Kommentarforum zu diesem Artikel ist geschlossen.