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Tsv Bayer Dormagen
Nach Skandalspiel: Bayer Dormagen legt Protest ein

Tsv Bayer Dormagen: Nach Skandalspiel: Bayer Dormagen legt Protest ein
Solche Szenen hat das Bayer-Sportcenter lange nicht erlebt: Während die Rostocker nach dem Schlusspfiff jubeln, reden die Hausherren auf Zeitnehmer und Unparteiische ein. Die müssen hinterher unter dem Schutz der Ordner aus der Halle geführt werden (Bild rechts). Dass die Gäste alles andere als zimperlich zu Werke gingen, bekam nicht allein Marijan Basic (Foto Mitte) hautnah zu spüren. FOTO: Heinz J. Zaunbrecher
Dormagen. Handball-Zweitligist will bei Pleite gegen Rostock Regelverstöße der Schiedsrichter in der Schlussphase erkannt haben. Von Volker Koch

Einen Regelverstoß haben Florian Gerhard und Tobias Küsters auf jeden Fall begangen: Die Spielverzögerung, mit der Kenji Hövels versuchte, den letzten Angriff des TSV Bayer Dormagen zu unterbinden, hätte von den Unparteiischen mit einer "Disqualifikation mit Bericht" geahndet werden müssen, weil sie in der letzten Spielminute geschah.

Doch statt einer Roten Karte, die in diesem Falle automatisch ein Spiel Sperre nach sich ziehen würde, verpasste das Schiedsrichtergespann aus Saulheim und Ingelheim dem Rostocker nur eine Zeitstrafe. Ob dieser Sachverhalt ausreicht, um eine Neuansetzung der Partie zu erzwingen, scheint fraglich: "Wir werden genau prüfen, ob es Sinn macht, unseren vorsorglich eingelegten Protest aufrecht zu erhalten", sagt Dormagens Handball-Geschäftsführer Björn Barthel - schließlich sind solche Einsprüche selten von Erfolg gekrönt, dafür aber stets mit hohen Kosten verbunden.

Viel ärgerlicher als die nicht gezeigte Rote Karte ist aus Dormagener Sicht das Versäumnis der Unparteiischen, bei Hövels' Regelwidrigkeit die Spieluhr anzuhalten. Zwölf Sekunden sind noch zu spielen (nachzulesen im Live-Ticker auf www.dkb-handball-bundesliga.de), als die Schiedsrichter auf Stürmerfoul gegen einen Rostocker Angreifer entscheiden. Doch es vergehen zehn Sekunden - eine Zeitspanne, in der man Olympiasieger über 100 Meter werden kann - ehe sie Hövels vom Platz stellen und die Hausherren einen Freiwurf ausführen können. Zehn wertvolle Sekunden - denn statt eines Spielzuges bleibt den Dormagenern nur noch ein langer Pass nach vorne. Den zirkelt Jonathan Eisenkrätzer zwar genau auf den frei stehenden Alexander Kübler, der überwindet mit seinem siebten Treffer Rostocks Torhüter Paul Porath zum vermeintlichen Ausgleich - doch dazwischen, so sehen es zumindest die Unparteiischen, ertönt die Schlusssirene, es bleibt beim 26:25-Sieg für die Gäste, die den TSV Bayer damit in allerhöchste Abstiegsnot schicken.

Der hatte, trotz des Fehlens von Torjäger Max Bettin (Einblutung im Knie), bereits 14:8 (35.) geführt. Nach der Roten Karte für Rostocks tschechischen Nationalspieler Roman Becvar (36.) sahen sich die Dormagener vor 1456 Zuschauern zusehens mit unverständlichen Entscheidungen des überforderten Schiedsrichtergespanns konfrontiert - und ließen sich davon so aus dem Konzept bringen, dass die Gäste beim 17:17 (46.) ausgleichen und beim 22:21 (54.) erstmals seit dem 5:4 (16.) in Führung gehen konnten. Rostock zog nun sämtliche Register der Schauspielkunst: In der Deckung provozierten sie Stürmerfouls, auf der anderen Seite versuchten sie ihr Glück ständig in Eins-gegen-eins-Situationen. ließen sich immer wieder von den Dormagenern festmachen und blieben danach erst einmal auf dem Parkett liegen. Die Folge: Vier Zeitstrafen für die Hausherren zwischen der 37. und 48. Minute, fünf Siebenmeter, die Tom Wetzel allesamt verwandelte - so holten die Gäste einen Sieg, der sie dem Ligaverbleib ganz nahe bringt, der aber selbst HCE-Trainer Aaron Ziercke ein wenig peinlich zu sein schien. "Auf der einen Seite freue ich mich natürlich über diesen Sieg, auf der anderen Seite tut es mir auch ein bisschen leid für meinen Freund Jörg und für den TSV Bayer, denn hier wird tolle Arbeit geleistet," sagt der Ex-Nationalspieler, nachdem sich die erhitzten Gemüter ein wenig beruhigt hatten.

Bayer-Trainer Jörg Bohrmann fand hingegen kaum Worte: "Für mich ist das eine schwarze Stunde. Es tut mir leid für die Mannschaft, es tut mir leid für die Fans, aber ich verspreche Euch: Wir kämpfen weiter." Ob zum "Weiterkämpfen" auch eine Neuauflage gehört des Duells mit dem HC Empor Rostock gehört, erscheint jedoch genauso fraglich wie die Erfüllung von Zierckes Wunsch: "Ich hoffe, wir sehen uns nächste Saison wieder."

Quelle: NGZ
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