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Probleme bei Fluggastkontrollen
Chaos am Flughafen Düsseldorf – jetzt greift die Bundespolizei ein

Chaos am Flughafen Düsseldorf – jetzt greift die Bundespolizei ein
Auf Anzeigetafeln gab der Flughafen die Wartezeiten für die Passagiere an den Sicherheitskontrollen an. Zwischenzeitlich lagen diese zwischen 90 und 120 Minuten. FOTO: Hetzel
Das Sicherheitsunternehmen Kötter schafft die Fluggastkontrollen nicht mehr. Bundespolizei und Flughafenangestellte helfen aus. Am Freitagmorgen drohte die Lage zu eskalieren. Die Bundespolizei sucht landesweit nach Ersatz. Von Stefani Geilhausen, Robin Hetzel und Laura Ihme, Düsseldorf

Am frühen Morgen zog der neue Chef der Bundespolizei am Flughafen die Reißleine. "Alle verfügbaren Kräfte zu den Kontrollstellen", ordnete Inspektionsleiter Helge Scharfscheer an. Denn vor diesen verloren Menschen, die bis zu anderthalb Stunden warteten, zusehends die Nerven, eine Frau kollabierte, brauchte einen Notarzt.

"Wir mussten mit Tätlichkeiten und sogar damit rechnen, dass ungeduldige Menschen die Kontrollstellen zu durchbrechen versuchen", schildert Bundespolizeisprecher Jörg Bittner die "unhaltbaren Zustände an allen drei Flugsteigen". Teilweise war weniger als die Hälfte der Kontrollspuren besetzt. "Unser Eingreifen war eine polizeiliche Maßnahme zur Gefahrenabwehr." Durch den Einsatz der Bundespolizei konnten elf weitere Kontrollstellen eingerichtet werden.

Am Nachmittag bat Kötter die Bundespolizei um Hilfe

Dienstleister Kötter fehlten für die Frühschicht am Freitag etwa 60 Mitarbeiter, schuld daran ist laut Kötter-Chef Peter Lange ein extrem hoher Krankenstand von etwa 20 Prozent. Dieser sei die "wesentliche Ursache für unsere Dienstleistungsmängel".

Am Nachmittag bat Kötter dann offiziell die Bundespolizei, die das Unternehmen mit den Fluggastkontrollen beauftragt hat, um Hilfe. "Endlich", wie ein Flughafensprecher sagte, denn erst damit sei der Weg für die Bundespolizei frei, selbst nach Ersatz zu suchen. Mit einer schnellen Lösung rechnet der Flughafen offenbar nicht, informierte noch am Freitagabend per Facebook Passagiere über lange Wartezeiten wegen "anhaltender Personalengpässe" an den Kontrollstellen.

Nach Informationen unserer Redaktion hat das Sicherheitsunternehmen intern eingeräumt, auf absehbare Zeit an den Kontrollstellen etwa 60 Positionen nicht besetzen zu können. Am Wochenende – an dem ein erhöhtes Passagieraufkommen erwartet wird – helfen deshalb 50 Freiwillige aus der Flughafenverwaltung, dazu wieder rund 60 Bundespolizisten und Angestellte der Polizei aus. Sie werden dazu teilweise von den Einreisekontrollen und von den Dienststellen abgezogen, die etwa die seit Wochen eingehenden Beschwerden und Schadenersatzforderungen von Fluggästen bearbeiten. Die Aushilfen weisen die Fluggäste ein, bringen leere Plastikwannen zurück. Dadurch sollen die Leute von Kötter entlastet werden.

"Wir leben in einer einmaligen Ausnahmesituation"

Bis zum Frühjahr will Kötter 150 neu ausgebildete Mitarbeiter einstellen, sich in den kommenden Monaten mit 50 Zusatzkräften behelfen. 20 stellt Kötter selbst, 30 kommen von befreundeten Unternehmen, darunter aus Belgien. Darin sieht die Dienstleistungsgewerkschaft Verdi eine "Bankrotterklärung auch von der Bundespolizei", wie Gewerkschaftssekretär Özay Tarim unserer Redaktion erklärte.

"Das Problem ist seit Ende April bekannt, und nun müssen also Kräfte aus dem Ausland beim Thema Sicherheit helfen." Kötter-Chef Peter Lange verspricht derweil: "Wir leben in einer einmaligen Ausnahmesituation, die sich auf keinen Fall wiederholen darf und wird."

 
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