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Mirja Cordes
Die Grünen haben jetzt eine zweite Chefin

Mirja Cordes: Die Grünen haben jetzt eine zweite Chefin
Mirja Cordes kam von Hamburg über internationale Zwischenstationen nach Düsseldorf. Sie schätzt die rheinische Geselligkeit, weiß aber auch um eine hanseatische Stärke: "Abwarten können, bis ein Sturm vorüber ist." FOTO: Anne Orthen
Düsseldorf. Die Grünen haben mit 94 Prozent eine neue Sprecherin gewählt. Mirja Cordes führt die Partei nun gemeinsam mit Paula Elsholz.

Es leuchtet ein, dass Ihre Partei zwei Plätze an der Spitze hat, damit mindestens einer von einer Frau besetzt wird. Wenn aber wie jetzt kein Mann kandidiert, warum haben Sie dann zwei Frauen an der Spitze?

Mirja Cordes Bei uns ist es üblich, dass es einen Frauenplatz und einen offenen Platz zu besetzen gibt, bedeutet, dass auch eine Frau auf dem offenen Platz kandidieren kann.

Aber ist das nicht ungerecht für die Männer?

Cordes Nein. Es ist ja nicht so, dass sie nicht auch auf den offenen Platz hätten kandidieren können.

Na gut, dann anders: Wer kümmert sich denn jetzt um die Belange der Männer in Ihrer Partei?

Cordes Wir haben im gesamten Vorstand vier Frauen und vier Männer. Wir arbeiten und entscheiden sehr viel in der Gruppe. Genauso wie unsere Männer leben auch unsere Frauen Gleichberechtigung. Sprich: Darum muss sich niemand sorgen machen.

Sie kommen aus Hamburg und sind dort über die Anti-AKW-Bewegung zu den Grünen gekommen. In Ermangelung von Atomkraftwerken: Was sind hier Ihre Ziele?

Cordes Atomkraftwerke sind keine Besonderheit des Nordens, sondern ein bundes- und europaweites Thema. Zum anderen müssen wir auch auf lokaler Ebene gucken, wer am Ende den Ausstieg vom Ausstieg vom Ausstieg bezahlt. Das dürfen nicht die Steuerzahler sein. Es gibt darüber hinaus viele Umweltthemen, die wir angehen müssen.

Welche?

Cordes Zum Beispiel die Themen: Mobilität, Verbraucherschutz und Abfallwirtschaft.

Was ist Ihre konkrete Forderung?

Cordes Eine Mobilitätswende Richtung Rad und ÖPNV, eine ernstgemeinte Aufklärung des Verbrauchers oder der Verbraucherin und ein nachhaltiger Wertstoffkreislauf.

Sie haben vier Jahre in den Niederlanden gelebt. Was war Ihr Eindruck, als Sie 2014 ins als fahrradfreundliche Stadt zertifizierte Düsseldorf kamen?

Cordes Ich sag es mal so: Inzwischen rege ich mich nicht mehr auf, wenn ein Radweg im Nirgendwo endet oder zugeparkt ist und ich doppelt solange für eine Strecke brauche, weil die Ampelschaltung so überhaupt nicht passt. Wir müssen Radschnellwege, ein gutes Radwegehauptnetze und vernünftige Nebenstrecken schaffen. Und auch gute Abstellmöglichkeiten. Da sind wir dran.

Oberbürgermeister Thomas Geisel war Gast Ihres Parteitags und Teil eines recht harmonischen Gesprächskreises. Ist er also 2020 auch Ihr Kandidat?

Cordes Wir werden mit einer eigenen Kandidatin oder einem eigenen Kandidaten antreten. Aber die Zusammenarbeit in der Ampel ist insgesamt gut.

Viele in der Ampel klagen über die Kommunikation. Der Oberbürgermeister informiere zu spät und nehme seine Partner nicht ausreichend mit.

Cordes Kommunikation ist immer wichtig. Das gilt für die Politik intern ebenso wie für den Dialog zwischen Politik und Bürgerinnen und Bürgern.

Bleiben wir noch bei der Ampel: Die SPD profiliert sich mit dem Oberbürgermeister, die FDP hat die Schuldenfreiheit zu ihrem zentralen Thema gemacht. Was ist der Anteil der Grünen in der Politik der Ampel-Kooperation?

Cordes Wir setzen auf Sachthemen wie Mobilität, Bildung, Kultur und Umwelt.

Scheuen Sie sich, die viel gelobte Arbeit der Flüchtlingsbeauftragten Miriam Koch, die auch Grüne ist, für ihren politischen Erfolg zu nutzen?

Cordes Miriam Koch macht einen wahnsinnig guten Job. Ja, sie ist Grüne, aber in erster Linie ist sie die Flüchtlingsbeauftragte der Landeshauptstadt. Ihre Arbeit ist ein großer Gewinn, nicht nur für die Grünen, sondern für die geflüchteten Menschen und alle Bürgerinnen und Bürger dieser Stadt. Den würde sie aber nicht meistern können, ohne den unermüdlichen Einsatz der Ehrenamtlichen. Dafür sind wir sehr dankbar.

Was können die Düsseldorfer Grünen von den Hamburger Grünen lernen?

Cordes Meine früheren Kollegen in Hamburg haben gerade eine interessante Initiative auf den Weg gebracht. Alles, was dort in der Verwaltung angeschafft wird, muss Nachhaltigkeitsstandards entsprechen. Ich halte viel davon, mit gutem Beispiel voranzugehen. Das sollte bei der Stadt vor allen bei den Themen Gleichberechtigung, Nachhaltigkeit und Mobilität passieren.

CHRISTIAN HERRENDORF FÜHRTE DAS GESPRÄCH.

Quelle: RP
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