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Analyse
Die vielen Baustellen des Museums Kunstpalast

Analyse: Die vielen Baustellen des Museums Kunstpalast
Das Museum Kunstpalast, hier ein Blick aus dem Innenhof in Richtung Tonhalle, braucht ab 2017 einen neuen Leiter. FOTO: Andreas Endermann
Düsseldorf. Die Suche nach einem neuen Leiter des Kunstmuseums läuft. Der Neue muss viel Mut mitbringen - denn viele wichtige Fragen sind ungeklärt. Von Arne Lieb

Wer sich als neuer Leiter des Kunstpalasts bewerben will, muss offenbar eine ganze Menge Mut mitbringen. Während in diesen Tagen die Suche nach einem Nachfolger oder einer Nachfolgerin von Beat Wismer beginnt, sind erstaunlich viele Fragen ungeklärt. Und es handelt sich um die Kategorie von Fragen, die dem nächsten Direktor die Amtszeit verhageln können.

Eine achtköpfige Kommission soll bald beginnen, ein "Anforderungsprofil" für den Neuen zu erstellen. Der soll im Frühjahr 2017 das Amt übernehmen, wenn Wismer in den Ruhestand geht. Es bleibt folglich nicht viel Zeit. Die Stadt muss also bald die Antworten auf einige kritische Fragen finden, die jeder Bewerber von Rang stellen dürfte. Das sind die entscheidenden Punkte:

Bauprobleme Die schönsten Ausstellungen nutzen nichts, wenn das Dach nicht dicht ist. Diese Erfahrung musste Beat Wismer machen. Eines seiner wichtigsten Projekte, die Neupräsentation der städtischen Sammlung, wurde überschattet von einer mangelhaften Dachsanierung, auf die ein immer noch nicht abgeschlossener Rechtsstreit folgte. Seit 2012 ist deshalb ein Drittel des Sammlungsflügels nicht nutzbar. Wann der nächste Sanierungsversuch folgt, ist unklar. Es ist nicht das einzige drängende Bauproblem. Die Pläne für eine Gesamtsanierung wurden aber leise beerdigt, derzeit lautet das Motto: Nach und nach machen, was nötig ist. Fraglich, ob das reicht, um hochkarätige Kandidaten zu überzeugen.

Sponsor Die öffentlich-private Partnerschaft mit Eon galt einst als richtungsweisend, derzeit macht sie Sorgen. Ausgerechnet zu 2017, dem Jahr des Leitungswechsels, müsste der Energiekonzern den Vertrag verlängern. Allerdings: Die Zentrale des kriselnden Unternehmens wird Düsseldorf verlassen, die Geschäftsführung der verbleibenden Abspaltung Uniper nicht in den bisherigen Firmensitz neben dem Museum ziehen. Bei Eon betont man, dass das nicht das Ende der Partnerschaft bedeuten muss. Aber es scheint nicht unwahrscheinlich, dass der Großsponsor wegbricht und der finanzielle Spielraum kleiner wird. Bemerkenswert in diesem Zusammenhang ist, dass drei der acht Plätze in der Findungskommission von Eon-Leuten eingenommen werden - die möglicherweise mit über die Leitung eines Museums entscheiden, mit dem sie ab 2018 nichts mehr zu tun haben.

Vision Kulturdezernent Hans-Georg Lohe hat noch nichts dazu verlauten lassen, welche Vision er für die künftige Ausrichtung des Museums hat. Wie soll sich der Kunstpalast gegen die lokale Konkurrenz von Kunstsammlung, Kunsthalle und KIT und in der bunten Museumsszene der Region positionieren? Macht es überhaupt Sinn, wenn das Museum wie viele andere einen seiner Schwerpunkte auf zeitgenössische Kunst legt? Was würde es bedeuten, wenn das Hetjens-Museum an den Kunstpalast fällt, worüber spekuliert wird? Und welches Düsseldorfer Museum soll sich eigentlich um das bedeutende Thema Fotografie kümmern und die Tradition der Düsseldorfer Fotoschule abbilden? Der neue Leiter des NRW-Forums, Alain Bieber, zeigt in diesem Punkt bislang wenig Ambitionen. Dezernent und Politik verweisen bei solchen Fragen auf den Kulturentwicklungsplan, eine Art Konzept für alles in der Kultur, das gerade erstellt wird. Gut möglich aber, dass der neue Kunstpalast-Direktor schon im Amt ist, wenn es vorliegt.

Kommission Die Zusammensetzung der Jury hat einen erstaunlichen Mangel: Es ist kein Museumsexperte dabei. Neben den drei Eon-Vertretern sind Oberbürgermeister Thomas Geisel, Kulturdezernent Lohe und Heinrich Heil, Redenschreiber früherer Oberbürgermeister, benannt worden. Einziger Kulturmann ist bislang der Fotograf Andreas Gursky. Wenigstens dieses Problem scheint sich bald zu lösen: Dezernent Lohe kündigt an, ein "Museumsdirektor mit internationalem Ansehen" werde dazustoßen.

Quelle: RP
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