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Kinderklinik in Düsseldorf warnt
Mehr Alkoholvergiftungen bei Mädchen

Düsseldorf: Mehr Alkoholvergiftungen bei Mädchen
Sanitäter kümmern sich an Altweiber auf der Bolkerstraße in der Altstadt um einen Betrunkenen. FOTO: Christoph Reichwein
Düsseldorf. Ein Drittel der Fälle, bei denen Jugendliche nach ausgelassenen Feiern ins Evangelische Krankenhaus kommen, passieren zu Karneval. Das Projekt "Halt" der Caritas informiert Eltern und Kinder, wie sie sich vor Gefahren schützen. Von Sonja Schmitz

Nachdem lange Zeit vor allem junge Männer nach ausgelassenen Feiern so stark betrunken waren, dass sie ärztliche Hilfe benötigten, haben junge Frauen im negativen Sinne aufgeholt. Unter den 158 Jugendlichen, fast alle zwischen 14 und 18 Jahren, die im Jahr 2017 mit einer Alkoholvergiftung im Evangelischen Krankenhaus (EVK) behandelt wurden, waren zum ersten Mal genau so viele junge männliche wie weibliche Patienten, nämlich jeweils 79.

"Die Mädchen haben leider aufgeholt", sagt Eva Pyka. Die Oberärztin in der Kinderklinik des EVK und ihre Kollegen bekommen immer wieder auch sehr junge Patienten im Alter von elf bis zwölf Jahren unter starkem Alkoholeinfluss zu sehen. Dies seien aber Einzelfälle, sagt Pyka. Die Kinderärzte des Krankenhauses bereiten sich darauf vor, dass mit den Karnevalstagen die Zahl der Patienten steigt. So wurden im vorigen Jahr allein in der Zeit von Weiberfastnacht bis Aschermittwoch 47 Jugendliche mit einer Alkoholvergiftung im EVK eingeliefert. Das sind etwa ein Drittel der Patienten, die über das Jahr gesehen unter den Folgen einer Überdosis Alkohol leiden.

Die Jugendlichen sind oft unterkühlt

Die Zahl der Jugendlichen, die wegen einer Alkoholvergiftung behandelt werden müssen, ist im vergangenen Jahrzehnt stark gestiegen. Das Landesamt für Statistik zählt dabei die vollstationär aufgenommenen Patienten im Alter zwischen zehn und 20 Jahren: Während es 2006 noch 81 mit Wohnsitz in Düsseldorf waren (50 von ihnen männlich), stieg die Zahl bis 2016 auf 139 (davon 81 männlich).

Alkohol und Komasaufen: Was sich Teenager antun FOTO: dpa, Jens Büttner

Um im EVK Platz für die Jugendlichen zu schaffen, wird auf der Kinderstation umgebaut: Zwei Zimmer, in die sonst nur drei Betten passen, werden mit jeweils fünf Matratzen auf dem Boden ausgestattet. "Auf diese Weise können die Jugendlichen nicht so tief fallen", sagt Pyka. Während an gewöhnlichen Tagen ein Arzt auf der Station Dienst hat, seien es über Karneval zwei. Landen Kinder oder Jugendliche im Krankenhaus, weil sie so betrunken sind, dass sie nicht mehr ansprechbar sind oder sie sich massiv übergeben, untersuchen die Ärzte das Blut, prüfen den Salzhaushalt und messen die Körpertemperatur. Häufig seien die Jugendlichen unterkühlt, erklärt Pyka. Möglichst schnell werden die Eltern informiert.

Für die Beratung und Information von Eltern und Kindern zum Thema "Jugendliche und Alkohol" verweist die Klinik an das Projekt "Halt" der Caritas. Das Angebot zu einem gemeinsamen Gespräch haben im vorigen Jahr 30 Jugendliche angenommen, berichtet Rupert Schüler von "Halt". Er warnt die Eltern vor einer zu lockeren Haltung gegenüber Alkohol: "Das führt bei den Kindern zum Nachahmereffekt. Sie unterschätzen dann die Wirkung des Alkohols." Auf eine absolute Abstinenz zu pochen, sei aber unrealistisch. "Davon halten wir nichts."

Wichtig sei auch, die Kinder vor Mischgetränken zu warnen, bei denen Wodka, Cognac oder Whisky mit Limonaden oder Energydrinks getrunken werden. Dabei geht der Überblick verloren, wie viel Alkohol man zu sich nimmt. "Durch die süße Limonade schmeckt man den Alkohol nicht und hat keinen Warnmechanismus mehr", sagt Schüler. Er empfiehlt, dass Eltern mit den Jugendlichen über ihre Sorge sprechen, dass sie zuviel Alkohol trinken. Dies kann gefährliche Folgen haben: Im Straßenverkehr oder am Rhein können sie leicht Opfer eines Unfalls werden. Und allein unterwegs sind junge Betrunkene leichte Opfer für Missbrauch und Abzocke.

Ein Tipp für die Jugendlichen: Sie sollen immer zusammen mit anderen bleiben und auch Freunde nicht alleine lassen. So kann im Ernstfall immer jemand den Notdienst rufen oder die Eltern informieren. "Das sorgt zwar erst mal für Ärger", sagt Schüler, "aber der vergeht."

Quelle: RP
 
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