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Düsseldorf
Einigung über Wohnen im Hafen

Düsseldorf: Einigung über Wohnen im Hafen
Hafen im Vorder- und Stadt im Hintergrund. Die Hafeneinigung bedeutet im Wesentlichen: neue Bewohner müssen die Industrie akzeptieren. FOTO: A.Endermann
Düsseldorf. Nach fünf Jahren zäher Verhandlungen haben die Hafen-Betriebe und die Stadt einen Vertrag über Wohnhochhäuser an der Speditionstraße erzielt. Zu möglichen weiteren Wohnungen sagte Unternehmer Ernst Lamers: "Jetzt ist Schluss." Von Thorsten Breitkopf

Einen passenderen Ort mit treffenderer Hintergrundmusik hätte man nicht erfinden können: am Freitg unterzeichneten Oberbürgermeister Thomas Geisel (SPD) als Vertreter der Stadt, Firmen aus dem Hafen, der Verein der Hafenunternehmer und die Hafengesellschaft NDH ihren Einigungsvertrag. Nicht im Rathaus, sondern auf dem Rhein, auf dem historischen Segelschiff Helena. Beim Eintreffen der Vertragspartner probte das Orchester auf der nahen Bühne am Burgplatz Schumanns Rheinische Sinfonie, gefolgt von "An Tagen wie diesen", der Hymne der Toten Hosen.

Konkret geht es bei der Hafeneinigung um den Bau von Wohnhäusern im Düsseldorfer Hafen. Das Thema war extrem umstritten. Fünf Jahre haben die Verhandlungen gedauert. Jetzt ist alles in trockenen Tüchern. Was wurde vereinbart: Die Einigung zwischen 24 Hafenbetrieben und der Stadt sieht im Kern vor, dass die bestehende Lärm- und Geruchsbelastung, welche etwa Mühlen oder Containerverladung verursachen, durch die Eintragung einer Dienstbarkeit im Grundbuch des geplanten Wohnprojekts akzeptiert wird. Das war der Kern des Streits.

Der Bau zweier Wohnhochhäuser mit dem Namen Heimathafen an der Westseite der Speditionstraße kann also beginnen, obwohl es wohl noch einige Jahre dauern dürfte.

Die Hafenindustrie fürchtete lange, dass kurz nach der Wohnbebauung die dort siedelnden Menschen gegen die Belastungen aus dem Industriehafen wettern könnten. Der Chef des Hafenvereins, der Unternehmer Ernst Lamers, ließ kurz vor der Unterzeichnung noch mal durchblicken, wie angespannt die Verhandlungen waren. "Ich weiß, Herr Geisel, dass sie da andere Vorstellungen haben, aber mehr Wohnbebauung lassen wir nicht zu. Jetzt ist Schluss", sagte der Inhaber der Fortin Mühlenwerke wörtlich.

Zustande gekommen sei die Hafeneinigung vor allem durch Planungsamtsleiterin Ruth Orzessek-Kruppa und Ordnungsdezernent Stephan Keller, der interimsmäßig diesen Bereich verantwortet und nach vorne getrieben habe. Für beide fand Lamers sehr lobende Worte.

OB Thomas Geisel setzte überwiegend versöhnliche Töne. "Der Hafen ist ein Industriehafen, und so soll es auch bleiben", sagte der SPD-Politiker, nicht ohne aber nachzuschieben: "Auch ein Industriehafen verträgt mehr Lebendigkeit."

Begonnen hatten die Verhandlungen im Dezember 2011. Danach war oft das Wort "Friedensgespräch" in der Zeitung zu lesen, doch die wichtigsten Gespräche führten vor allem die Anwälte, und immer wieder kam es auf beiden Seiten zu Verzögerungen. Das Einigungspapier wuchs mit den Jahren von ursprünglich zwölf auf am Ende 38 Seiten - und soll Gerüchten zufolge zwischendurch auch noch wesentlich umfangreicher gewesen sein. "Durch die Hafeneinigung ist der Industriehafen auf unbefristete Zeit gesichert", sagte NDH-Chef Rainer Schäfer abschließend. Er kennt es auch anders. Auf Neusser Seite landete der Streit vor Gericht.

Zur Feier der Einigung tranken die 18 Unterzeichner ein Bier an Bord, kein Alt, sondern ein holländisches Heineken, was Ernst Lamers dazu verleitete, die gesamte Runde auf ein Alt ins Uerige einzuladen.

Quelle: RP
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